Burckhardt Compression steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu. Erhöhen Sie endlich die Ausschüttungsquote, die bisher nur 25% betragen hat?

Valentin Vogt: Wir denken darüber nach. Angesichts der ausgezeichneten Geschäftsergebnisse ist ein solcher Schritt möglich.

Um wie viel könnte die Ausschüttungsquote erhöht werden? Auf 40, 45%?

Vogt: Dazu kann ich noch nichts sagen.

Ihr CFO Harry Otz verlässt das Unternehmen im Frühjahr 2008. Bleibt er Aktionär?

Vogt: Ja, er bleibt Teil der Aktionärsgruppe, die das Unternehmen vor fünf Jahren im Rahmen eines Management-Buy-out von Sulzer übernommen hatte. Wir halten zusammen 20,9% an Burckhardt Compression, der Lockup-Vertrag und der Aktionärsbindungsvertrag laufen erst 2011 aus.

Ein anderer Aktionär ist mit 3,6% der ehemalige Mutterkonzern Sulzer. Mittlerweile wird Sulzer faktisch vom russischen Industriellen Viktor Vekselberg kontrolliert. Macht Ihnen das Sorge?

Vogt: Für Sulzer war und ist die Beteiligung an Burckhardt Compression ein Finanzinvestment. Anderes ist mir nicht bekannt. Sulzer hat zudem die Beteiligung an Burckhardt Compression seit dem IPO markant reduziert.

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Wären Sie an einem Kontakt zu Vekselberg interessiert, etwa um neue Marktanteile in Russland zu gewinnen?

Vogt: Wir haben bewiesen, dass wir gut eigenständig überleben können. In Russland verfügen wir über ein gutes Team, das einen ausgezeichneten Job macht.

2007 legte die Aktie um 88% auf 373 Fr. zu. Sind Sie, auch als Aktionär, zufrieden?

Vogt: Als Aktionär von Burckhardt Compression bin ich mit der Kursentwicklung sehr zufrieden.

Spiegelt der Aktienkurs den inneren Wert des Unternehmens?

Vogt: Ja. Die Aktie ist nicht überbewertet und ein attraktives Investment, was auch vom Gros der Analysten, die unser Unternehmen abdecken, vertreten wird.

Die Zahlen zum Geschäftsjahr 2007/08, das im März endet, werden der Aktie zusätzlichen Schub verleihen – falls Sie Ihre Ziele erreichen.

Vogt: Wir werden wie angekündigt die Resultate der Vorjahresperiode deutlich übertreffen. Der Umsatz wird bei rund 350 Mio Fr. liegen. Die Ebit-Marge wird, nach 23% im 1. Semester, für das gesamte Geschäftsjahr erneut einen Wert von über 20% erreichen. Trotz schwierigem Umfeld in der Beschaffung ist es uns auch im laufenden Jahr gelungen, dass unsere Neumaschinenprojekte im Rahmen der vorkalkulierten Werte abschliessen – das ist in diesem Geschäft nicht selbstverständlich.

Wo sehen Sie Probleme?

Vogt: Auf der Beschaffungsseite. Die Preissituation beim Rohmaterial hat sich zwar etwas beruhigt, trotzdem geben gewisse Lieferanten die tieferen Preise noch nicht weiter. Damit können wir uns nicht zufrieden geben.

Haben Sie Kapazitätsengpässe?

Vogt: Vor allem bei den Projektleitern, deshalb haben wir die Kapazitäten in diesem Bereich weiter ausgebaut. Dies sollte uns erlauben, die Marktbedürfnisse wieder besser befriedigen zu können.

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Sie haben im vergangenen Jahr die Produktionskapazitäten gemächlich ausgebaut. Waren Sie zu zögerlich?

Vogt: Das ist Ansichtssache. Es ist uns immerhin gelungen, den Umsatz im 1. Halbjahr 2007 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 53% zu steigern. Im 1. Halbjahr 2007 haben wir Aufträge im Wert von 251 Mio Fr. verbucht. Im 2. Halbjahr wird der Auftragseingang deutlich tiefer sein. Nicht weil sich der Markt abgekühlt hat, sondern weil wir einen deutlich höheren Bestellungsbestand mit den bestehenden Kapazitäten nicht vernünftig abwickeln könnten. Darum mussten wir vereinzelt Aufträge ablehnen.

Sie haben angekündigt, die Ebit-Marge soll bei 10 bis 15% liegen soll, wenn sich die Märkte abkühlen. Wann ist das der Fall?

Vogt: Die Märkte entwickeln sich weiterhin positiv, es gibt noch keine Anzeichen für eine Abkühlung. Natürlich sind wir realistisch: Die aktuellen Zuwachsraten werden sich wohl später auf hohem Niveau stabilisieren.

Hat der Abschwung im laufenden Zyklus bereits eingesetzt?

Vogt: Nein. Eine Abwärtsbewegung bei den Investitionstätigkeiten sehen wir frühestens ab 2010.

Wie viel können Sie jährlich wachsen, wenn sich die Märkte abgekühlt haben?

Vogt: Unser mittelfristiges Ziel liegt bei 5 bis 8%. Wir können mittelfristig nicht deutlich stärker wachsen als die Märkte, in die wir unsere Produkte liefern.

Für die Erdöl verarbeitende Branche sind Investitionen bei einem Ölpreis von über 40 Dollar pro Fass attraktiv. Nun liegt der Ölpreis bei 100 Dollar ...

Vogt: ... wovon wir profitieren. Allein der Mittlere Osten fördert täglich rund 20 Mio Barrel Öl – damit wird täglich zusätzlich über 1 Mrd Dollar Cash generiert, den es zu reinvestieren gilt.

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Wo konnten Sie neue Aufträge gewinnen?

Vogt: Wie im 1. Semester stammen die neuen Aufträge im 2. Halbjahr vorwiegend aus dem Mittleren Osten und Fernost. Seit einem Jahr hat die Investitionstätigkeit in Europa wieder an Fahrt gewonnen.

2010 soll in Wilhelmshaven der erste deutsche Terminal für den Umschlag von Flüssigerdgas, für liquefied natural gas LNG, in Betrieb gehen. Bieten Sie bei der Ausschreibung mit?

Vogt: Ja, wir haben eine Offerte für die Lieferung unserer Kompressoren eingereicht. Wir sind sehr zuversichtlich.

Wie hoch ist das Auftragsvolumen?

Vogt: Das Volumen für den gesamten Terminal beläuft sich auf mehrere 100 Mio Euro. Im Vergleich zur gesamten Investition ist unser Anteil eher klein, für uns wärs aber ein stattlicher Auftrag.

Wann wird entschieden?

Vogt: Wohl in den nächsten Monaten.

Wo in Europa wollen Sie weitere Projekte gewinnen?

Vogt: Derzeit werden zahlreiche weitere LNG-Terminals geplant, etwa in Grossbritannien, in Italien und auf der Iberischen Halbinsel.

Wie wird sich der LNG-Markt entwickeln?

Vogt: Der Verbrauch an Erdgas steigt im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen wie Öl und Kohle überdurchschnittlich. Innerhalb des Erdgas-Sektors wiederum wächst die Nachfrage nach Flüssiggas überproportional. Heute werden weltweit pro Jahr rund 160 Mio t LNG transportiert. Für 2020 rechnet die Branche mit 480 Mio t – die Potenziale sind beträchtlich.

Ein wichtiger Schritt ist die Partnerschaft mit dem Grossdieselmotorenbauer MAN Diesel. Worum geht es genau?

Vogt: Wir fokussieren unsere Partnerschaft auf Duel-Fuel-Antriebe für LNG-Schiffe. Die LNG-Tanker sind rund 250 bis 350 m lang und verfügen über eine Transportkapazität von 150000 bis 250000 m3. Noch wird das Gros der Schiffe mit Dampfturbinen angetrieben, doch der Trend geht eindeutig in Richtung Dieselaggregate. Der Duel-Fuel-Antrieb ist als Hybridmotor konzipiert, der entweder mit Diesel oder mit LNG betrieben werden kann.

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Wie gross ist das Marktpotenzial?

Vogt: Wir rechnen pro Schiff mit Bestellungen von mehreren Millionen Franken.

Von wie vielen LNG-Schiffen reden wir?

Vogt: Derzeit haben die Werften weltweit rund 130 LNG-Schiffe in den Büchern. Das reicht aber nicht aus, um die Transportnachfrage mittelfristig zu befriedigen.

Werden erste Bestellungen noch ins laufende Geschäftsjahr einfliessen?

Vogt: Wir sind zuversichtlich, dass wir in den nächsten Monaten eine erste Bestellung erhalten werden. Ist dies der Fall, werden wir den Auftrag 2009 ausliefern und ihn dann als Umsatz verbuchen können. Ab 2010, 2011 dürfte das Geschäft auf breiter Front zum Tragen kommen.

Haben Sie noch Spielraum für Zukäufe?

Vogt: Natürlich. Neben unseren bestehenden beiden Sparten – dem Neumaschinen- und dem Servicegeschäft – bauen wir primär über Akquisitionen, aber auch mittels organischem Wachstum unser drittes Standbein, das Kompressorenkomponentengeschäft, auf.

Wie werden sich die Eigenkapitalquote und die Nettoliquidität entwickeln?

Vogt: Wir wollen eine Eigenkapitalquote von 50% erreichen, diesem Wert nähern wir uns langsam an. Auch die Nettoliquidität steht auf solider Basis, per Ende des 1. Semesters verfügen wir über 65 Mio Fr. Mittelfristig benötigen wir operativ 40 bis 50 Mio Fr., um operative Schwankungen ausgleichen zu können.

Kommen auch grössere Zukäufe in Frage?

Vogt: Wir prüfen alle Möglichkeiten. Im Moment zeichnet sich aber keine grössere Akquisition ab. Um einen solchen Schritt finanzieren zu können, wären wir auch bereit, uns kurzfristig zu verschulden.