In dieser Woche hat die Finanzaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) die Aktien von Neuromama, die in den USA ausserhalb der Börse gekauft und verkauft werden konnten, vom Handel ausgesetzt. Dahinter standen Sorgen wegen «potenziell manipulativer Transaktionen» und der «Identität der Personen, die die Kontrolle haben».

In der Vergangenheit hatte es bereits Warnzeichen gegeben. Doch Neuromama, das die Lizenzierung von Technologie-Patenten zu seinen vielen Projekten zählt, zog in diesem Jahr bereits kritische Blicke auf sich, nachdem sich der Papier-Wert des Unternehmens basierend auf knappem Volumen auf 35 Milliarden Dollar - also mehr als vervierfacht hatte.

Paradies für Betrüger

Vor der Aussetzung war der Marktwert von Neuromama – dessen Sitz im Südwesten Sibiriens lag und später an einen Strandort nahe dem mexikanischen Tijuana verlegt wurde – sogar grösser als der des Autoherstellers Tesla.

Wie eine obskure Firma, die schon seit dem Jahr 2013 keine Finanzberichte veröffentlicht hatte, zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen werden konnte, ist eine allzu vertraute Geschichte auf dem dunklen, grösstenteils nicht-regulierten ausserbörslichen Markt. Voll mit Aktien, die nur ein paar Cent kosten und nicht die Notierungs-Anforderungen von New York Stock Exchange der Nasdaq Stock Market erfüllen, ist dieser Bereich seit langem eine Fundgrube zur Ausbeutung durch Betrüger.

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Fehlende Ressourcen

Als die SEC in dieser Woche den Handel stoppte, berief sich die Behörde unter anderem auf falsche Angaben des Unternehmens, da es sich für eine Notierung an der Nasdaq beworben habe.

«Strohfirmen sind seit Jahrzehnten ein Problem für die Behörde, weil sie nicht über die Ressourcen verfügt, um sie zu beaufsichtigen», sagt dazu etwa ein ehemaliger SEC-Anwalt. «Das ist absolut etwas, was mehr Aufmerksamkeit bedarf.»

Kein Kommentar

Trotz der SEC-Bemühungen, mehr als 800 solcher Unternehmen in den vergangenen paar Jahren im Rahmen einer Aktion namens «Shell Expel» zu entfernen, werden noch immer hunderte gehandelt. Mehrere wie Neuromama haben nur kleine oder gar keine Umsätze berichtet – und kommen dennoch auf einen Marktwert im Bereich von Milliarden Dollar.

Judy Burns, Sprecherin der SEC, reagierte nicht umgehend auf die Bitte um eine Stellungnahme. Ein Anruf in der Zentrale von Neuromama mit dem Ziel, einen Kommentar von Vorstandschef Igor Weselovsky, Finanzchef Karapet Gevorgyan und Dante Pedroza Mendez, dem für das Tagesgeschäft verantwortlichen Vorstand, zu erhalten, blieb unbeantwortet.

Schuldbekenntnis in weiterem Fall

Gegen Neuromama wurden offiziell keine Anschuldigungen erhoben. Die Aktie wird nicht jeden Tag gehandelt. Und falls doch, dann liegt das Volumen bei unter 500 Titeln pro Tag. Das bedeutet, dass wahrscheinlich nur wenige Investoren betroffen sind.

Die Situation bei Neuromama erinnert an jene bei einem kaum bekannten Unternehmen namens Cynk Technology. Die Firma aus dem mittelamerikanischen Land Belize, die nahezu keine Aktiva oder Erlöse hatte, erreichte 2014 kurzfristig einen Marktwert von mehr als 6 Milliarden Dollar. Laut Angaben der US-Behörden handelt es sich um eine so genannte «Pump-and-Dump»-Betrügerei. Der Mann hinter allem, Gregg Mulholland, bekannte sich im Mai dieses Jahres der Verschwörung zur Geldwäsche für schuldig.

«Börsen haben extreme strengen Anforderungen und Compliance verlangt, dass man Dinge nicht übersehen darf», sagt Analyst Sang Lee von Aite Group. «Auf dem ausserbörslichen Markt ist man anfälliger für Missbrauch.»

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(bloomberg/jfr)