Die Angst vor Kurskorrekturen kann bei Anlegern mit Aktienpositionen im Depot eine gewisse Unsicherheit auslösen. Put-Warrants bieten in diesem Fall eine Möglichkeit, das Portefeuille abzusichern, damit der Aktienbestand bei einer Kurskorrektur nicht veräussert werden muss. Wichtig ist dabei für den Anleger die Überlegung, welches Risiko er gewillt ist zu tragen und zu welchen Kosten. Um den richtigen Warrant zur Portefeuille-Absicherung auswählen zu können, müssen verschiedene Fragen beantwortet werden.

Aktie lieber verkaufen?

Welche Laufzeit soll abgesichert werden? Um ein Portefeuille abzusichern, kann ein Put auf bestimmte Basiswerte (z. B. Aktien) oder auch auf einen Index gekauft werden. Der Investor muss sich jedoch bewusst sein, dass Warrants einen Zeitwert besitzen, der mit jedem verstrichenen Tag abnimmt. Das heisst: Je länger die Absicherung aufrechterhalten wird, desto grösser der Zeitwertverfall und somit die Kosten. Ein Depot für mehr als zwei Monate abzusichern, macht keinen Sinn. Wenn der Investor befürchtet, dass die Aktienkurse während längerer Zeit fallen könnten, sollte er die Aktien verkaufen.

Wie negativ ist der Investor? Wenn der Investor mit einer kurzfristigen, schnellen Abwärtsbewegung rechnet, lohnt es sich, einen In-the-Money-Put (Put im Geld; z.B. SMI bei 6800 und Put-Strike bei 7200) zu kaufen. Kauft er nämlich einen Out-of-the-Money-Put (Put aus dem Geld; z.B. SMI bei 6800 und Put-Strike bei 6000), verliert die Aktie einiges mehr, als mit dem Put verdient wird. Natürlich gilt es auch hier, die Vor- und Nachteile abzuwägen. Denn ein Out-of-the-Money-Put kostet weniger, und somit ist der Breakeven-Punkt tiefer, jedoch ist das Verlustpotenzial höher, wenn die Kurse deutlich fallen.

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Nun muss der Investor entscheiden, ob er einen tieferen Breakeven und dafür ein grösseres Verlustpotenzial in Kauf nimmt oder ob er die andere Variante vorzieht. Mit einer Absicherung ein Verlustpotenzial von mehr als 10% auf sich zu nehmen, macht jedoch keinen Sinn. Auch hier gilt es, bei einem höheren Verlustpotenzial, die Aktien zu verkaufen.

Wie viel ergibt «+1+2»? Im erwähnten Beispiel wird der Investor mit dieser Strategie Geld verlieren, wenn die Kurse fallen, und somit Geld verdienen, wenn die Kurse steigen. Dies lässt sich mit der Call-Put-Parität erklären, denn der Kauf einer Aktie mit dem gleichzeitigen Kauf eines Put entspricht dem Kauf eines Call mit demselben Strike.

Folgendes Beispiel dient zur Erklärung der Call-Put-Parität (die Zinsen sind nicht berücksichtigt). Nehmen wir an, «A» (Aktie) habe den Wert (1) und «P» (Put) den Wert (2), so können wir mit der Regel, dass ein Kauf ein Plus (+) und ein Verkauf ein Minus (-) ergibt, folgende Rechnung erstellen: Der Kauf einer Aktie (A) und der Kauf eines Put (P) ergibt die folgende Rechnung: «+A+P=+C». Dies entspricht dem Kauf eines Call (C). Händler sagen deshalb oft, ein Call sei ein Put und ein Put sei ein Call. Mit dieser einfachen Formel «+1+2=+3» können fast alle komplex aussehenden Strategien vereinfacht werden. Soll die Absicherung Delta-neutral (siehe Kasten) sein? Während bei der einfachen Absicherung die Anzahl der nötigen Puts per Verfall berechnet wird, wird bei der Delta-neutralen Absicherung die benötigte Anzahl Puts im Augenblick der Positions-Absicherung berechnet. Die Delta-neutrale Absicherung ist jedoch für Privatkunden nicht geeignet, da bei jeder Aktienänderung die Absicherung mit dem Kauf (beim Anstieg der Aktie) oder Verkauf von Warrants angepasst werden muss, damit der Hedge neutral bleibt. Der Zeitwert läuft hier stärker gegen den Anleger als bei der einfachen Absicherung, da mehr Warrants gekauft werden.

Ziel ist die Verlust-Limitierung

Zusammenfassend kann gesagt werden - da ein Kauf einer Aktie verbunden mit dem gleichzeitigen Kauf eines Put nichts anderes ist als der Kauf eines Call -, dass auch hier gilt: «Let the profit run and cut the loss», also «Lassen Sie die Gewinne laufen und limitieren Sie die Verluste». Positionen sollte man verkaufen, wenn sie einen gewissen Prozentsatz verloren haben, jedoch sollte man sie bei Gewinnen nicht limitieren. Je nach Anleger sollte bei einem Verlust zwischen 2 und 10% bei Aktien und zwischen 10 und 20% bei Warrants die Notbremse (Stop Loss) vorgezogen werden. Wenn die Position in die gewollte Richtung läuft, wird sie laufen gelassen und der neue Stop Loss wird nach oben angepasst.