Die Verursacher der Umweltkatastrophe vor der US-Küste wurden von den Händlern bereits zünftig abgestraft. Die Erdölförderer BP und Anadarko Petroleum sowie die Beteiligungsgesellschaft Mit-sui und Plattformbetreiber Transocean haben insgesamt über 60 Mrd Dollar an Börsenkapitalisierung verloren.

Transocean, deren Sitz seit rund zwei Jahren in der Schweiz (Zug) ist, hat seit dem Gang an die SIX Swiss Exchange vor zwei Monaten rund 40% ihres Börsenwerts abgegeben. Obwohl das Leck im Golf von Mexiko noch immer nicht endgültig abgedichtet ist und die finanziellen Folgen für die beteiligten Unternehmen unklar sind, konnte die Aktie aber jüngst wieder zulegen.

Hinter den Kursgewinnen steht die Tatsache, dass Transocean den Lebensversicherer Swiss Life aus dem Swiss Market Index (SMI) verdrängen wird. Trotz der heiklen Situation, in der sich das Unternehmen derzeit befindet, sind institutionelle Anleger wie Pensionskassen, die auf den SMI setzten, dazu verpflichtet, ihre Bestände an Transocean aufzustocken.

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In den letzten Tagen konnte sich der Kurs der Transocean-Aktie daher von 54 auf rund 60 Fr. erholen. Ohnehin ist das Wertpapier bei den Experten nach wie vor beliebt. Rund 60% der Analysten empfehlen derzeit den Kauf der Transocean-Aktie. Das gilt etwa auch für die UBS. Die UBS-Experten haben ihr Kursziel bei 88 Fr. festgesetzt.

BP für Experten ein Kauf

Vor kurzem hat die Credit Suisse BP aus dem Top-30-Portfolio entfernt und von «Kaufen» auf «Halten» heruntergestuft. Der Grund dafür war das Scheitern der Rettungsoperation «Top Kill», mit der das Loch hätte verschlossen werden sollen. Zudem ist für die Experten der finanzielle, strategische und regulatorische Ausblick sehr unsicher. Doch, wie bei Transocean, konnte sich auch die Aktie von BP zuletzt leicht erholen, da in den letzten Tagen erste Erfolge bei der Schliessung des Lecks erzielt werden konnten und nun zumindest weniger Öl austritt.

Trotz der unsicheren Situation ist für viele Experten BP nicht nur aufgrund der hohen Dividendenrendite weiterhin eine interessante Anlage. Sollte sich der finanzielle Schaden im Rahmen halten, könnte sich ein Investment lohnen. 70% der Experten empfehlen BP zum Kauf, nur vereinzelt wurden Verkaufsempfehlungen abgegeben.

Regulierung schmälert Gewinne

Doch die zukünftigen Gewinne der beteiligten Unternehmen werden nicht nur unter der Wiedergutmachung des entstandenen Schadens leiden. Auch die Regulierung der Förderaktivitäten wird wohl verschärft werden. Die Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass damit die Bohrkosten nicht nur im Golf von Mexiko, sondern möglicherweise auch weltweit ansteigen werden.

Bereits wurde für Offshore-Bohraktivitäten vor der US-Küste ein Mo-ratorium erlassen. Aus diesem Grund verloren nicht nur die Aktien der direkt involvierten Unternehmen an Wert, sondern auch solche, die von den strikteren Bedingungen betroffen sein könnten, etwa der Ausrüster Schlumberger.

Hingegen stieg der Preis für Erdölkontrakte zuletzt deutlich an. Denn neue Vorschriften könnten laut Händlern nicht nur die Förderung verteuern, sondern auch die Zahl der möglichen Ölfelder einschränken.