Der unerwartete und abrupte Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann hat den Aktienkurs des Versicherungskonzerns Zurich am Donnerstagmorgen deutlich ins Minus gedrückt. Der Titel verlor in den ersten Handelsminuten bis zu 3,8 Prozent an Wert.

Analysten werten den Abgang als belastend für die Aktie. Um 9.45 Uhr notierte die Zurich-Aktie noch 2,1 Prozent schwächer auf 229.70 Franken, während der Schwergewichte-Index SMI 0,1 Prozent fester notierte.

Ackermann begründete seinen Rücktritt mit dem unerwarteten Tod von Finanzchef Pierre Wauthiers, der sich laut Polizei vermutlich das Leben genommen hat.

Überraschte Analysten

Analysten zeigten sich völlig überrascht. Es scheine, dass die Trauerfamilie den Rücktritt gefordert habe, ist laut Finanznachrichtenagentur AWP verschiedentlich zu hören. Allerdings sind Hintergründe und Umstände im Dunkeln.

Der Konzern hatte im Laufe des vergangenen Jahres einen Aderlass von Spitzenleuten zu verkraften. Der Leiter des Sachversicherungsgeschäfts, Mario Greco, wurde Mitte 2012 Chef des italienischen Konkurrenten Generali. Vor zwei Wochen wechselte der Leiter des Leben-Geschäfts, Kevin Hogan, zu der amerikanischen AIG.

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«Der unerwartete Tod von Pierre Wauthier und der jetzt erfolgte abrupte Abgang des Verwaltungsratspräsidenten lassen viele Fragen offen», erklärten die Analysten der Zürcher Kantonalbank. «Damit dürfte kurzfristig eine Stabilisierung der Führungsstruktur schwierig werden.»

Uneinigkeit bei Anlageempfehlungen

Auch Daniel Bischof von Helvea geht davon aus, das der Rücktritt bei der Zurich für eine gewisse Zeit zu Unsicherheiten führe und eine negative Marktreaktion zur Folge habe. Dennoch sieht er die langfristige Anlageempfehlung nicht gefährdet. Vor rund zehn Tagen hatte Bischof das Rating auf «Buy» von «Hold» angehoben. Er begründete diesen Schritt mit den guten Wachstumsaussichten in Global Corporate, North America Commercial und im Geschäft in Lateinamerika.

Auch ein Händler erklärte, der unerwartete Rücktritt Ackermanns werfe viele Fragen auf. Die Aktie eines Unternehmens, das mit so viel Unsicherheit behaftet sei, dürfte unter Druck bleiben. «Diese Aktie würde ich nicht anfassen», sagte er.

(reuters/sda/vst)