Während das BIP in vielen Ländern schrumpft, bleibt Afrikas Wirtschaft auf Wachstumskurs. Auch die Bevölkerung wächst weiterhin rasant, und allmählich schwappt die Kaufkraft von Asien und dem Mittleren Osten auf den schwarzen Kontinent über. In den letzten Jahren war ein enormer Anstieg des Handelsvolumens zu beobachten, stärker als die Entwicklungshilfe. Seit 100 Jahren gab es nicht mehr so bedeutende Landumverteilungen wie in der jüngsten Zeit. Einen weiteren Wachstumsschub verspricht die erste Glasfaserverbindung, die kürzlich in Mombasa installiert wurde und nun durch Zentralafrika an die Westküste des Kontinents gezogen wird. Schon bald werden Breitband-Internetanschlüsse verfügbar sein und die Entwicklung beschleunigen. Auch wenn das aktuelle Wirtschaftswachstum nur noch 2% beträgt, und nicht mehr 6% wie 2007, bieten afrikanische Länder vielfältige Anlagemöglichkeiten.

Analog zur wirtschaftlichen Entwicklung Asiens sind in Afrika sogenannte Tigerstaaten auszumachen, also Staaten, die sich wirtschaftlich schnell entwickeln. Südafrika ist zweifellos der am weitesten entwickelte Staat Afrikas, nicht auch zuletzt dank der im nächsten Jahr bevorstehenden Fussballweltmeisterschaft. Aber auch Länder wie Nigeria, Ghana, Ägypten, Kenia oder Marokko entwickeln sich schnell und nehmen die Rolle von wirtschaftlichen Zugpferden ein.

Unsichere afrikanische Börsen

Für börsenorientierte Anleger bestehen indes immer noch Hürden: Nur Nigeria und Südafrika verfügen über vollelektronische Börsen, welche die Gefahr von Manipulationen minimieren. Insgeamt gibt es wenige Afrikafonds, die in ein Unternehmen investieren, das an einer afrikanischen Börse gelistet ist. Dies hängt sowohl mit der Risikoaversion der Anleger wie auch mit der geringen Liquidität dieser Börsen zusammen. Die meisten Afrikafonds werden denn am Alternative Investment Market in London gehandelt.

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Viele Investoren bevorzugen während der Krise den afrikanischen Bankensektor. Laut Burkhard P. Varnholt, CIO der Bank Sarasin und profunder Afrikakenner, empfehlen sich die grossen afrikanischen Banken auch für erste Gehversuche. Der Bankensektor profitiere nachhaltig von der aufstrebenden Konsumkraft und diene als zuverlässiger Indikator für den Zustand einer Volkswirtschaft. Es ist nicht weiter erstaunlich, dass die Telekommunikationsbranche am meisten von dieser Konsumkraft begünstigt wird. Dies haben auch internationale Unternehmen wie zum Beispiel Vodafone oder Orascom erkannt, die am immensen Wachstumspotenzial der afrikanischen Märkte teilhaben wollen.

Zukunft erneuerbare Energien

Anlegern empfiehlt Varnholt den Bereich der erneuerbaren Ressourcen, wie Boden, Wasser und Sonne. Ein sicherer Wert sei der Kauf von Land, dessen Preis sich in den kommenden Jahren kontinuierlich erhöhen werde und gleichzeitig auch die Ressource Wasser abdecke. Auch bei der Solarenergie sieht Varnholt ein grosses Entwicklungspotenzial, was durch die geplanten Sonnenkraftwerke in der Sahara gestützt wird.

Zum Öl- und Gassektor meint Varnholt, dass dieser den heutigen ökologischen Prinzipien nicht genüge. Oft sei auch das Management nicht über alle Zweifel erhaben. Ölvorkommen beinhalten in Afrika aufgrund der mangelhaften Infrastruktur und der damit verbundenen hohen Lagerbestände einen nicht vernachlässigbaren spekulativen Anteil. Trotzdem bieten Afrikas Öl- und Gasvorkommen interessante Perspektiven für Anleger - die Top-Empfehlungen von Credit Suisse: Exxon Mobil, Sasol und Apache Corporation.