Die Tokyo Stock Exchange Group und die London Stock Exchange Group (LSE) haben vereinbart, einen neuen Markt für japanische und asiatische Start-ups zu errichten, und dazu bereits im vergangenen Februar eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Der Betrieb soll nach Angaben von Atusushi Saito, dem Vorstandschef der Tokioter Börse, Ende nächsten Jahres beginnen.

Der geplante und am Londoner Alternative Investment Market (AIM) entworfene Markt, der noch keinen Namen hat, werde seinen Hauptsitz in Tokio haben, aber als
Joint Venture betrieben werden, berichtet Saito. Dieser Plan unterstreicht einmal mehr die Bemühungen der japanischen Regierung, angesichts der steigenden
Arbeitslosenzahlen in der verarbeitenden Industrie zu einem wichtigen regionalen Finanzzentrum zu werden und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Der neue Markt käme einerseits japanischen Anlegern sehr entgegen, die mit den Nahe-null-Zinsen auf Japans Bankkonten unzufrieden und deshalb auf der Suche
nach höheren Erträgen sind. Andererseits suchen die schnell wachsenden jungen asiatischen Unternehmen frisches Kapital für ihre Expansion. Dass der Tokioter
Markt, der grosses Potenzial hat, international nicht besser dasteht, beruht nach Angaben von Kritikern auf den hohen Steuern und einer undurchsichtigen Regulierung. Zudem sind die Gebühren für ein Listing in Tokio mit die höchsten aller grossen Aktienmärkte. Die Tokioter Börse TSE selbst, deren Ruf vor einigen Jahren wegen technologischer Pannen gelitten hatte, ist trotz intensiver Vorbereitungen immer noch nicht börsennotiert. Durch den Kauf eines
5%igen Anteils an der Singapore Exchange versucht man nun, wenigstens ein bisschen aufzuholen.

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Ob der geplante neue Markt den erhofften Erfolg bringt, ist nach den jüngsten Erfahrungen allerdings offen. Denn bisherige Charmeoffensiven vor allem in
China und Südkorea haben wenig neue Unternehmen angelockt. In den vergangenen vier Jahren wurden nur fünf neue Unternehmen gelistet, viele andere verlassen den Markt dagegen, hauptsächlich aus Kostengründen. Nur noch 25 ausländische Unternehmen sind derzeit an der Tokioter Börse vertreten. 1991 waren es noch 127. «Sie arbeiten zwar dran», kommentiert Neil Katkow, Analyst bei Celent, die Versuche der TSE, mehr ausländische Unternehmen anzulocken, «aber bis jetzt hat es sich noch nicht ausgezahlt.»

Nach Angaben von Thomson Financial wurden an der TSE in diesem Jahr 34 neue Unternehmen gelistet, an der Nasdaq dagegen 197 und an der LSE 184. Sogar die
lokalen Konkurrenten Hongkong (63) und Singapur (46) hatten mehr Erfolg.