Die Aktien des Vermögensverwalters GAM sind am Mittwoch nach enttäuschenden Halbjahreszahlen schwach in den Handel gestartet und haben im weiteren Verlauf noch stark an Wert eingebüsst. Zwar hatte das Unternehmen den nun detailliert ausgewiesenen Gewinneinbruch bereits im Juni in einer Gewinnwarnung angekündigt, doch bereiten Analysten und Anlegern der Neugeldabfluss und der Margendruck mit Blick in die Zukunft grosse Sorgen.

Bis um 09.40 Uhr verlieren GAM 12 Prozent auf 9,17 Franken während der Gesamtmarkt (SPI) leicht um 0,25 Prozent nachgibt. Später beschleunigte sich der Verfall noch. Damit steuern GAM auf das Ende Juni im Zuge der Brexit-Abstimmung gesetzte Mehrjahrestief von 8 Franken zu.

5 Milliarden an Kundengeldern verloren

Die zum ersten Semester publizierten Zahlen seien keine wirkliche Überraschung, meint ein Händler. Der Rückgang von rund 48 Prozent im Reingewinn sei bereits im Vorfeld in etwa so angekündigt worden. Zusätzlich verliere GAM 5 Milliarden Franken an Kundengeldern, was zwar am unteren Ende der Analystenerwartungen liege, aber ebenfalls nicht überraschend komme.

Wie anlässlich der Gewinnwarnung bereits klar war, sei GAM weiterhin an allen Fronten unter Feuer, schreibt Michael Kunz von der ZKB. Das Nettoneugeld habe das falsche Vorzeichen, die Bruttomarge bleibe unter Druck und die «Goldesel der letzten Jahre», also die Strategien mit Performance-Fee-Potenzial, verweigerten die Lieferung. In dieser Situation seien Kostensenkungen allenfalls ein Tropfen auf den heissen Stein.

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Tiefe Bruttomarge

Die zum Halbjahr vorgelegten Zahlen dürften das Sentiment für GAM kaum verbessern, so BaaderHelvea. Zunächst müsse die Nettoneugeldentwicklung wieder positive Daten liefern sowie ein Nachlassen des Margendrucks ersichtlich werden. Derweil arbeite GAM weiterhin an Verbesserungen auf der Kostenseite und hoffe auf eine Erholung im kommenden Jahr, heisst es im Kommentar weiter.

Auch bei der Bank Vontobel stösst sich Analyst Andreas Venditti in erster Linie an der tieferen Bruttomarge, den höher als erwarteten Vermögensabflüssen sowie auch am sehr vorsichtig abgefassten Ausblick. Darauf abgestützt hält er weitere Schätzungsreduktionen für möglich. Das Anlageurteil lautet weiterhin «Hold» und das Kursziel 10,30 Franken.

(awp/me/ama)