Den ersten Brief zuhanden des Verwaltungsrates von Gategroup schickte Gregor Greber bereits im Jahr 2009. Inhalt des Schreibens war die Anregung zur Abschaffung diverser Einschränkungen der Aktionärsrechte beim Flugzeug-Caterer. Auf den schriftlichen Kontakt zwischen dem Chef des auf Schweizer Nebenwerte fokussierten Vermögensverwalters zCapital und der Firma folgte ein reger und konstruktiver Meinungsaustausch. Er gipfelte darin, dass der Verwaltungsrat von Gategroup die Anregungen seines Investors auf die Traktandenliste der Generalversammlung im April setzte. Dort fand das Anliegen auch bei den Aktionären grosse Zustimmung.

Wie Grebers zCapital verschafften sich in den vergangenen Wochen etliche Fondsgesellschaften und institutionelle Anleger an den Generalversammlungen Gehör. Nicht immer im Einvernehmen mit den Firmen. Sowohl bei der Credit Suisse als auch beim Reisekonzern Kuoni gingen die Aktionäre jüngst auf Konfrontationskurs. Vor allem die konsultativen Abstimmungen über die Vergütung des Managements sorgten für Aufsehen. Doch die Aktienkurse der Firmen reagierten kaum.

Lohnende Zusammenarbeit

«Tatsächlich lässt sich die Wirkung eines solchen Engagements nicht immer direkt am Aktienkurs ablesen», bestätigt Greber. Dies sei aber auch nicht das primäre Ziel. Im Vordergrund stehe besonders bei Small- und Midcaps eine Kooperation mit den Gesellschaften, die sich dann über einen längeren Zeitraum in einer besseren Rendite niederschlage. «Vor allem in Krisen, wenn der Zugang zum Kapitalmarkt erschwert ist, lohnt es sich für die Unternehmen, wenn sie einen guten Draht zu ihren Investoren haben», begründet Greber. Etliche Firmen würden es laut dem Fondsmanager sogar schätzen, wenn sich die Aktionäre auch kritisch mit dem Unternehmen auseinandersetzen. Doch auch bei den Nebenwerten dringen die Investoren mit ihren Anliegen nicht immer durch. So haben sich an den Eintragungsbeschränkungen beim Lausanner Werbevermarkter Publigroupe bereits mehrere Anleger die Zähne ausgebissen. 2008 scheiterte der Hedgefonds Laxey mit dem Versuch, die Vinkulierung der Aktien abzuschaffen, genau so wie zuletzt zCapital. «Wenn die Kapitalstruktur eine Einschränkung der Demokratie darstellt, dann kann man dies nur akzeptieren, wenn die Minderheitsanleger mit einer guten Performance entschädigt werden und die Firmen auf den Kapitalmarkt nicht angewiesen sind», ist Greber überzeugt. Und dies war bei Publigroupe in den vergangenen Jahren nicht der Fall. Immerhin soll nach einer erfolgreichen Restrukturierung des Werbevermarkters bis spätestens 2014 das One-Share-One-Vote-Prinzip eingeführt werden.

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Schwieriger ist die Einflussnahme bei den Blue Chips. Hier hat in der Schweiz die Anlagestiftung Ethos eine Vorreiterrolle übernommen, wenn es um die Wahrung der Aktionärsinteressen geht. Daneben nehmen zunehmend auch gewichtige Investoren wie der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock ihre Funktion als kritische Eigentümer wahr. Blackrock stimmte alleine in Europa an fast 4000 Veranstaltungen ab und stellte sich in gut einem Drittel der Aktionärsversammlungen in mindestens einem Antrag gegen das Management. Auch in der Schweiz lässt Blackrock die Muskeln spielen. Erst im vergangenen Jahr stimmten die Amerikaner gegen den Vergütungsbericht beim Pharmakonzern Novartis, der nur von 61 Prozent der Aktionäre angenommen wurde. Trotz der starken Opposition konnte damit allerdings nicht verhindert werden, dass die Gesamtentschädigung für Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella auf 13 Millionen Franken anstieg.