Der Ölpreis ist der kritische Faktor für die Aktienmärkte», sagt Roger Kunz, Head Investment Strategy von Clariden Leu. Wegen der damit verbundenen Inflationsgefahr haben die Zentralbanken ihre Rhetorik deutlich verschärft. «Die Investoren rechnen mit höheren Zinsen.» Gleichzeitig machen ihnen die trüberen Konjunkturaussichten zu schaffen.

Nicht zuletzt wird den Anlegern in diesen Tagen aber auch wieder bewusst, dass die Finanzkrise noch nicht überstanden ist. «Im Moment überwiegen die negativen Überraschungen, bei den Anlegern stehen wieder die Risiken im Vordergrund», sagt Sarasin-Analyst Rainer Skierka. Die Abschlüsse der US-Investmentbanken hätten gezeigt, dass auch die Monate April und Mai für die Banken immer noch schwierig waren.

Banken, die der Krise trotzen

Die UBS-Aktien haben im letzten Monat rund 20% verloren, die Titel der Credit Suisse etwa 10%. Die Abgaben dieser schweren Titel haben auch den Swiss Market Index (SMI) belastet, der 5% eingebüsst hat. Kunz rechnet in den nächsten Wochen mit einem volatilen Seitwärtstrend an den Börsen. Dabei dürften die negativen Nachrichten aus dem Bankensektor nicht so schnell abreissen. Laut Skierka gibt es aber dennoch Bankaktien, die nur leicht von Subprime-Einflüssen tangiert sind. Der Sarasin-Analyst empfiehlt etwa BNP Paribas, Banco Bilbao oder JP Morgan Chase zum Kauf. Generell ist bei den Bankaktien jedoch keine baldige Erholung in Sicht. Die Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass der Turnaround noch sechs bis neun Monate auf sich warten lässt. Ein Signal dafür sei, wenn die Kredit- kosten einen Höhepunkt erreicht hätten. Kunz von Clariden Leu sieht erst nach zwei oder drei Quartalen ohne grosse Abschreiber eine nachhaltige Erholung. «Die Anleger müssen sich wohl noch bis ins nächste Jahr hinein gedulden.»

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Im 2. Quartal werden jedenfalls weitere Abschreiber folgen. Am Markt wird geschätzt, dass die Banken insgesamt noch einen Abschreibungsbedarf von rund 60 bis 80 Mrd Dollar haben. Es könnten jedoch neue Risikokategorien dazukommen. Skierka: «Es dürfte allem Anschein nach im 2. Quartal auch Abschreiber aus dem internationalen Kreditgeschäft geben.» Zudem sei noch ungewiss, welche Verluste es aus dem Wirtschaftsabschwung geben werde.

Keine alten Höchststände mehr

Die Banken werden auch noch zusätzliches Kapital brauchen. Die Analysten von Merrill Lynch schätzen, dass die europäischen Banken erst 50 bis 60% ihres Kapitalbedarfs gedeckt haben. Um ihre Eigenmittel zu stärken, fahren weltweit viele im Investment-Banking tätige Banken ihre Bilanzen herunter und senken ihre Verschuldung. Dies wird sich auch in den Erträgen niederschlagen. Zudem sind einzelne Ertragsquellen von Investmentbanken wie Gebühren für Verbriefungen und Börsengänge beinahe versiegt. Dies wird auch Folgen für die Aktienkurse haben. «Bei den Aktien von UBS und Credit Suisse werden wir nicht mehr so schnell die alten Höchststände sehen», so Skierka. Die Bewertung der Aktien bleibe tiefer, weil das Ertragspotenzial der Banken künftig tiefer sein werde, dafür allerdings hoffentlich auch stabiler. Bei der UBS kommt noch die starke Gewinnverwässerung durch die Kapitalerhöhung dazu.

 

 


Die UBS-Aktien zwischen Risiken und Übernahmespekulationen

Die Marke UBS hat in guten Jahren das Geld der Vermögenden wie ein Magnet angezogen. «Jetzt gefährden verschiedene Probleme der Grossbank die Marke akut», sagt Sarasin-Analyst Rainer Skierka. Der Schutz ihres sogenannten Franchise ist für die UBS daher zentral.

Die Grossbank sei zwar nach wie vor eine Baustelle, der Franchise dürfte allerdings nur kurzfristig angeschlagen sein, erwarten die Analysten von JP Morgan. Denn unter anderem hielten sich die Abgänge der Kundenberater in Grenzen und die internationale Konkurrenz im Private Banking sei verhältnismässig schwach. Gemäss den Analysten der Credit Suisse könnten wegen des Schutzes des Franchise die Kosten stärker steigen als erwartet. Wichtige Kundenberater stellen zum Beispiel höhere Gehaltsforderungen und die Kunden wollen mit attraktiveren Konditionen bei der Stange gehalten werden.

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Die Analysten von JP Morgan erwarten, dass die Nettoneugeldabflüsse bei der UBS im 2. Quartal 41 Mrd Fr. betragen, davon 25 Mrd Fr. im Asset Management und 10 Mrd Fr. im Wealth Management.

Die UBS-Aktien haben mit Kursen um 22 Fr. fast wieder auf den Tiefständen von Mitte März (21.79 Fr.) notiert. Bei den tiefen Kursniveaus kamen gleich auch Übernahmespekulationen auf. Der britischen Bank HSBC wird ein Interesse an der UBS nachgesagt. HSBC wolle 80 Mrd Dollar für die UBS bezahlen, wird spekuliert.

Kursbelastend wirken auf der anderen Seite neben der Steueraffäre in den USA auch verschiedene Schätzungen zu Abschreibern im 2. Quartal. So rechnet beispielsweise die Credit Suisse im 2. Quartal mit Abschreibern von 4,5 Mrd Fr., JP Morgan mit 5 Mrd Fr. und die Bank of America mit 7,5 Mrd Fr. Die Analysten erwarten, dass die UBS im 2. Quartal einen Verlust pro Aktie von 1.70 Dollar ausweisen wird.(ng)

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