Die Krise nimmt den Konsumenten die Lust auf Schokolade. Dies suggeriert zumindest die Entwicklung bei Lindt & Sprüngli. Der Schokoladenhersteller hat seine Ziele für das laufende Jahr bereits Mitte März gesenkt und erwartet 2009 einen Ebit von 260 bis 280 Mio Fr. Gleichzeitig wurde eine Anpassung im US-Vertriebsnetz angekündigt, die Einmalkosten zur Folge haben wird. 2009 bezeichnet Lindt & Sprüngli als Übergangsjahr, im darauffolgenden Jahr will der Schokoladenkonzern wieder an die Ebit-Werte von 2008 (361 Mio Fr.) anknüpfen. «An dieser Ausgangslage hat sich in den vergangenen Monaten kaum etwas geändert», erklärt Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Bestätigt wird die Einschätzung an einer Analystenkonferenz im Juni.

Seit den Tiefstkursen Ende März haben die Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli mehr als 30% zugelegt und notieren derzeit um 2010 Fr. Aufgrund der hohen Bewertung der Papiere werden diese allerdings auf «Halten» eingestuft.

Volumenwachstum erwartet

Besser sieht die Situation bei Barry Callebaut aus. Der Schokoladenproduzent präsentiert am 25. Juni die 9-Monats-Umsätze im Geschäftsjahr 2008/09. Gegenüber dem Vorjahr wird im 3. Quartal eine Verbesserung beim Volumenwachstum erwartet, was auf das frühe Ostergeschäft in der Vergleichsperiode zurückzuführen ist. Gleichzeitig dürfte Barry Callebaut aber auch von einer Stabilisierung beim Lagerabbau der Kunden sowie von den Outsourcing-Verträgen profitieren.

Verbrauchergeschäft abstossen

Laut Unternehmensangaben befindet sich zudem die Fusion des europäischen Verbrauchergeschäfts mit dem spanischen Schokoladenhersteller Natra auf gutem Weg. «Dieser Schritt dürfte sich für die Aktie von Barry Callebaut positiv auswirken», erklärt ZKB-Analyst Daniel Bürki. Schliesslich sei dieser Bereich weniger margenstark und habe dem Unternehmen zum Teil zu schaffen gemacht. «Der wegfallende Umsatz im Verbrauchergeschäft wird teilweise vom steigenden Umsatz im Industriegeschäft ausgeglichen», ist auch Vontobel-Analystin Claudia Lenz überzeugt.

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Hohes Potenzial in Asien

Ein riesiges Marktpotenzial eröffnet sich den Schokoladenherstellern zudem in Asien. Wie Konkurrent Cadbury, der verstärkt in Indien aktiv werden will, baut auch Barry Callebaut sein Engagement in dieser Region aus. Hierzu arbeitet das Unternehmen an einer Schokolade mit höherem Schmelzpunkt. «Damit kann es gleichzeitig auch sein hohe Europa-Exposure reduzieren», erklärt Bürki.

Angesichts der positiven Aussichten und einer moderaten Bewertung der Barry-Callebaut-Titel empfiehlt die Mehrheit der Analysten, die Aktien zu kaufen.