Den grossen Banken in Europa drohen neue Turbulenzen: Am ersten Börsentag nach dem Nationalfeiertag sind die Aktien von Credit Suisse und UBS abgestürzt. Sie verloren in der ersten Handelsstunde umgehend jeweils mehr als 5 Prozent und rutschten danach noch tiefer ab. Gegen 11.15 Uhr standen beide Titel um mehr als 6 Prozent tiefer als am Freitag, die Credit Suisse bei 10.45 Franken und die UBS bei 12.44 Franken. Bis zum Mittag erholten sie sich leicht.

Händler sagten, die Geldhäuser holten damit die negative Reaktion der Bankaktien vom Montag nach. In ganz Europa geben derzeit viele Bankaktien nach: So rutschten die Titel der Commerzbank, der zweitgrössten deutschen Bank, am heutigen Dienstag auf ein neues Rekordtief. Nach einem Minus von fast 6 Prozent kostet der Titel gerade mal 5.82 Franken.

Kritische Analysten

Auch andere europäischen Geldhäuser hatten mit Einbussen auf die am Freitagabend veröffentlichten Resultat eines Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert. «Das betrifft unsere Banken zwar nur am Rande. Aber die Marktteilnehmer machen sich dennoch ihre Gedanken», sagte ein Schweizer Händler. Die SMI-Schwergewichte zogen die Schweizer Börsen nach unten, die am Vormittag 1,1 Prozent auf 8038 Punkte verlor.

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Andere Experten verwiesen darauf, dass Credit Suisse und UBS wegen noch ungelöster Rechtsfälle ungeahnte Kosten entstehen dürften. Mehrere Analysten äusserten sich kritisch: Natixis und Société Générale senkten das Kursziel für die UBS-Aktien. Er habe seine Gewinnerwartungen nach den starken Resultaten der Bank zwar angehoben, schrieb JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein in einer Studie vom Montag. Sie lägen aber weiterhin deutlich unter den Markterwartungen. Er empfiehlt, die UBS-Aktie unterzugewichten.

Credit Suisse fliegt aus dem Stoxx 50 Europe

Für die Credit Suisse gipfelt der Wertverfall an der Börse in den vergangenen Woche in einer weiteren Hiobsbotschaft: Die CS-Titel fallen per 8. August zusammen mit denen der Deutschen Bank aus dem Stoxx 50 Europe heraus. «Das Marktsentiment ist Banken gegenüber momentan sehr negativ», sagte ein Börsianer. Dazu dürften zuletzt auch die Probleme in Italiens Finanzsektor beigetragen haben.

Hintergrund des ausserplanmässigen Austausches ist die sogenannte «Fast-Exit-Regel». Diese besagt, dass Index-Titel aus dem insgesamt 50 Unternehmen umfassenden Stoxx-Index entnommen werden, wenn sie zwei Monate in Folge auf der monatlichen Selektionsliste auf Platz 75 oder schlechter landen.

Die Aktien der Credit Suisse werden zudem zusammen mit denen der Deutschen Bank im Stoxx Europe50-Index durch die Anteile des französischen Baukonzerns Vinci und des niederländischen Technologieunternehmens ASML ersetzt.

(sda/reuters/me/moh)