Die Aktien von Transocean eröffnen am Mittwoch an der Börse deutlich im Minus. Dies nachdem das auf die Ölförderung auf hoher See spezialisierte Unternehmen am Dienstagabend kommunizierte, dass es die Auszahlung der beiden verbleibenden Dividendentranchen streichen und den Aktiennennwert aufgrund eines weiteren ausserordentlichen Wertberichtigungsbedarfs reduzieren will. In Analystenkreisen stossen die Massnahmen auf Verständnis und wenig Überraschung.

Die Transocean-Aktien stürzen bis kurz nach 9.40 Uhr auf 11,02 Franken ab, was einem Minus von 9,7 Prozent entspricht. Der Gesamtmarkt gemessen am SMI verzeichnet derweil lediglich ein Minus von 2,0 Prozent.

Barmittel hüten

Für Fabian Häcki von der Bank Vontobel kommen die Massnahmen nicht überraschend. Schliesslich habe Transocean in der jüngeren Vergangenheit kaum grössere neue Aufträge an Land gezogen und der Zeitpunkt einer Markterholung sei höchst unsicher. Es sei deshalb nur allzu verständlich, dass das Unternehmen vor diesem Hintergrund seine Barmittel hüten wolle.

Bei der Nennwertreduktion handle es sich um eine rein technische Anpassung von Gesetzes wegen, so Häcki weiter. Er bestätigt seine Anlageempfehlung «Hold» sowie das Kursziel von 18 Franken.

Die zuständige Analystin der Bank Safra Sarasin, Chi Tran-Brändli, meint allerdings, dass dennoch viel Investoren von den Massnahmen geschockt sein werden. Dies, obwohl der steile Fall des Ölpreises über die letzen Jahre und die drastischen Kürzungen der Investitionen bei den Ölproduzenten zu einem schwierigen Umfeld für Transocean geführt habe. Letztlich habe Transocean die starke Unsicherheit bezüglich einer Erholung des Ölmarktes aber keine Wahl gelassen, als die Barmittel zu schützen, so Tran-Brändli. Sie stuft die Titel weiterhin mit dem Rating «Neutral» ein.

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Dividendenverzicht erstaunt nicht

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) spricht ebenfalls von notwendigen Sanierungsmassnahmen, da eine weitere nicht cash-wirksame Wertberichtigung auf das Anlagevermögen von über 2 Milliarden Dollar anfallen werde. Auch hier sorgen die schwierigen Rahmenbedingungen und die Unsicherheit bezüglich des Zeitpunktes einer Markerholung für Verständnis für die Massnahmen. Die ZKB stuft Transocean mit dem Rating «Marktgewichten» ein.

Auch Händler erstaunt der Dividendenverzicht nicht. Anders verhalte es sich bei den Wertberichtigungen, sei es doch noch nicht einmal drei Wochen her, dass Transocean das Quartalsergebnis vorgelegt habe. Im Berufshandel werden die zuletzt erneut stark rückläufigen Preise für Rohöl und die davon ausgehenden Auswirkungen auf die zukünftige Auftragslage für diese Massnahmen verantwortlich gemacht.

Transocean wird zum SMI-Wackelkandidaten

Die Aktie von Transocean steht schon seit Monaten stark unter Druck. Das zieht auch die Marktkapitalisierung nach unten. Mittlerweile ist Transocean an der Börse noch rund 10 Prozent von dem wert, was der Konzern beim Gang an die Schweizer Börse vor fünf Jahren auf die Waage brachte. Schon jetzt werden nach den jüngsten Mitteilungen von Transocean wieder Stimmen an der Börse laut, die ein ausserplanmässiges Ausscheiden von Transocean aus dem SMI fordern.

Die Börsenbetreiberin Six sieht derzeit aber noch keinen Handlungsbedarf, den Leitindex neu zu ordnen. Sprecher Stephan Meier sagte gegenüber handelszeitung.ch: «Die Indexreglemente werden regelmässig überprüft. Gegenwärtig sehen wir keinen Anlass sie zu verändern.» Auch historisch betrachtet gebe es immer wieder Unternehmen, bei denen Kurse fielen oder bei denen das Handelsvolumen zurückging. «Namhafte SMI-Unternehmen waren davon betroffen. Sie sind aber immer noch im SMI.» Die letzte Anpassungsrunde im SMI tätigte die Six im Juli.

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(ise/mit Material der awp)