Das 1. Halbjahr endet für den Schweizer Aktienmarkt mit einer klaren Richtung: Nach Verlusten hat der Swiss Market Index (SMI) innert Wochenfrist zwar auf 7295 Punkte zugelegt, aber seit Jahresbeginn resultiert ein Minus von 14%. Die Vorlage erlaubt nur einen leichten Hoffnungsschimmer für das 2. Halbjahr und tatsächlich ist der Ausblick bestenfalls leicht positiv, im schlimmsten Fall trübe.

SMI: 7600 oder 8000 Punkte?

Der beste Fall, das sind die Schätzungen von Julius Bär: Die Bank geht bis zum Jahresende von einem SMI-Stand von 8000 Punkten aus. Bei 8400 Punkten stand die Benchmark Ende 2007. «Wir rechnen im 2. Semester mit einer Bodenbildungsphase», sagt Christoph Riniker, Leiter Aktien Europa. Treiber seien dabei die Bewertung und saisonale Effekte.

In diese Kerbe schlägt auch Alfred Roelli, Leiter Finanzanalyse bei Pictet: Der Schweizer Aktienmarkt sei nach den Rückschlägen des 1. Semesters auch im internationalen Vergleich sehr günstig bewertet; das lasse auf Aufholpotenzial hoffen. Den SMI-Endstand 2008 schätzt er jedoch deutlich tiefer bei maximal 7600 Punkten. Pessimistisch ist schliesslich Sandro Rosa, Investment Strategist bei Clariden Leu. «Es wird eine schwierige 2. Jahreshälfte für die Aktienmärkte.» Das neue Halbjahr könnte also dem alten gleichen – und nicht nur darin.

Anzeige

In den kommenden Monaten werden die schon bekannten Trends die Anleger weiter auf Trab halten: Ölpreis, Konjunkturschwäche, Zinsen und Kreditkrise.

• Ölpreis Als bestimmender Faktor für die Inflation bringt derzeit das teure Erdöl die grösste Unsicherheit in die Märkte. Mittlerweile sind sich zwar alle Beobachter einig, dass das heutige Preisniveau zu guten Teilen auf die Spekulation der Finanzmärkte zurückzuführen ist. Ob das Niveau deshalb fallen könnte, darüber herrscht aber weit weniger Klarheit. «Der Ölpreis dürfte sich auf hohem Niveau halten», sagt Rosa. Anders sieht dies Alfred Roelli von Pictet. «Den Ölpreis erwarten wir mittelfristig wieder bei 100 Dollar pro Fass», sagt Roelli. Dies könnte zur Entspannung aufseiten der Inflation führen. Und wohl eine kleine Rally an den Aktienmärkten auslösen.

Konjunktur Die um sich greifende Teuerung bereitet den Marktbeobachtern am meisten Sorge. Denn sie kann die Notenbanken weltweit dazu veranlassen, die Zinsschraube einen Dreh anzuziehen – dies in einem Umfeld, wo sich die Weltwirtschaft tendenziell verlangsamt. Das hat Folgen für die Unternehmen und ihre Gewinne. «Wir erwarten ein schwieriges Umfeld für Unternehmen, da sie wegen der hohen Rohstoffpreise bei gleichzeitiger Abschwächung der Konjunktur mit Margenverlusten rechnen müssen», sagt Martin Hüsler, stellvertretender Leiter Aktienresearch bei der Zürcher Kantonalbank.

Zinsen: Ein Anstieg der Leitzinsen bekommt den Aktienmärkten bekanntlich schlecht. Genau dies droht nun seitens der Notenbanken. So rechnet Clariden Leu dieses Jahr mit einer Zinserhöhung seitens der US-Notenbank (Fed), ausserdem mit 0,25% von der Schweizerischen Nationalbank noch diese Woche und von der Europäischen Zentralbank zwei Zinsschritte zu 0,25% kommenden Juli und September.

Kreditkrise: Von vielen Anlegern vorschnell ad acta gelegt, sind die Folgen des Subprime-Debakels in den USA immer noch nicht überwunden. Das zeigen gerade die jüngsten Zahlen der US-Investmentbanken. «Die Kreditkrise ist immer noch nicht vom Tisch», bestätigt auch Riniker von Julius Bär.

Klar, dass die Auguren deshalb auch bei den Aktienempfehlungen zur Vorsicht neigen. Fürs 2. Halbjahr 2008 sehen sie die Chancen vorab bei konjunkturresistenten Titeln oder aber bei stark unterbewerteten Valoren (siehe Kasten).