Die UBS hat vor allem aufgrund von Steuereffekten einen Rekordgewinn von 2,1 Milliarden Franken im dritten Quartal präsentieren können. UBS-Chef Sergio Ermotti zeigt sich zufrieden (siehe Video-Interview unten). Den Anlegern missfällt die Quartalsbilanz aber deutlich: Der Kurs rutscht am Vormittag um mehr als 5 Prozent ab. Andreas Ruhlmann, Aktienanalyst der IG Bank, sieht in der Härte der Investoren ein Überreaktion. Dennoch betrachtet auch er die Zahlen der UBS mit Sorge.

Das Rekordergebnis der UBS offenbart auf den zweiten Blick Schwächen. Wie ordnen Sie die aktuelle Quartalsbilanz ein?
Andreas Ruhlmann: Was mir nicht gefallen hat, sind die schwachen Zahlen in der Vermögensverwaltung. In diesem Kernbereich ist die UBS unter den Erwartungen geblieben. Das Geld wurde stattdessen vor allem mit Aktienhandel verdient.

Warum ist das problematisch?
Der UBS kam hier wie anderen Banken auch die hohe Volatilität der Märkte zugute, die die Handelsvolumina ansteigen liess. Diese erreichte im Herbst ein ähnliches Ausmass wie zum Höhepunkt der Schuldenkrise im September 2012. Allerdings hat die UBS über die Entwicklung dieser Einnahmen viel weniger Kontrolle als über die Erträge in der Vermögensverwaltung.

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Die UBS hat ausserdem Ihren Ausblick angepasst.
Die Bank hat das Erreichen ihres Profitabilitätszieles um ein Jahr hinausgeschoben, weil sie mit Belastungen aufgrund von strengeren Kapitalvorschriften rechnet. Diese Annahme halte ich für realistisch, der Bund hat sein Vorhaben ja bestätigt. Das systemische Risiko der Schweizer Banken ist hoch: Die Bilanzsummen von UBS und Credit Suisse betragen ein Mehrfaches des Bruttoinlandprodukts.

Aber bedeutet die Anpassung eine Neugewichtung der UBS-Ausrichtung?
Nein, es ist keine Kehrtwende. Aber es zeigt, dass die Grossbank die Ankündigung der neuen Kapitalvorschriften ernst nimmt.

Nachdem die UBS bei der Kursentwicklung lange besser abschnitt als die Konkurrenz, straften die Anleger die Bank heute Morgen ab. Der Kurs gab am Vormittag um 5 Prozent nach. Eine angemessene Reaktion?
Das ist sicher eine Überreaktion, auf kurze Sicht. Dennoch sehe ich den Aktienkurs der UBS durchaus langfristig unter Druck. Ich wäre nicht überrascht, würde das Papier in den kommenden Monaten auf bis zu 18 Franken fallen. Die momentanen Unsicherheiten sind zu gross. 

UBS-Chef Sergio Ermotti im Video-Interview nach der Quartalsbilanz.