SWISS RE. Mit einem solchen Rückschlag hat der zielstrebige wie ehrgeizige Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain, der den Konzern zur weltweiten Nummer eins geführt hat, nicht gerechnet. Ausgerechnet in der ureigenen Domäne des Rückversicherers – in der Beurteilung und Bewertung von Risiken – hat Swiss Re versagt und dabei seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt. Nichts hatte darauf hingewiesen, dass die US-Hypothekarkrise Swiss Re doch noch ein Milliardenloch bescheren würde.

Kein Wunder, kommen sich die Finanzmärkte und die Investoren düpiert vor und haben die Aktien regelrecht abgestraft: –10,25% auf 87.55 Fr. an einem einzigen Handelstag. Die Bank Vontobel schreibt von einer «Hiobsbotschaft»; Swiss Re «schockiere», so die Zürcher Kantonalbank, die Märkte.

Taucher ohne Vorankündigung

Swiss Re hat sein Vertrauen verspielt, und das ist Gift für jedes börsenkotierte Unternehmen. Denn der Abschreiber von knapp 1,2 Mrd Fr. oder 981 Mio Fr. nach Steuern für zwei Credit Default Swaps kam ohne Ankündigung. VR-Präsident Peter Forstmoser hatte erst vor wenigen Wochen gegenüber der «Handelszeitung» (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 43 vom 24.10.2007) gesagt: «Wir wurden von den Finanzmärkten zu Unrecht in den gleichen Topf wie andere Finanzfirmen geworfen, die tatsächlich Verluste in den Büchern haben.» Zudem hielt das Management am 6. November 2007 bei der Präsentation der 3.-Quartals-Zahlen verlauten, Subprime sei für Swiss Re ein vernachlässigbares Thema.Nun stellen sich kritische Fragen bezüglich der konzerninternen Risikokontrolle. Die ersten Erklärungsversuche vom sichtlich enttäuschten Swiss-Re-Finanzchef George Quinn – er spricht von einer «beispiellosen und heftigen Herabstufung durch die Rating-Agenturen» – sowie eine Bestätigung der Finanzziele vermochten den Abwärtstrend nicht zu stoppen. Ebenso wenig die Beteuerung von Roger Ferguson, Leiter der Geschäftseinheit Financial Services, das Risikomanagement müsse verbessert werden. Denn gerade diese Einheit wird von den Analysten als Blackbox bezeichnet.

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Analysten sind pessimistisch

Nach diesem schwarzen Montag wird die Aktie lange brauchen, um sich vom Taucher zu erholen. Erst vor einem Jahr gelang es dem Wertpapier, die 100-Fr.-Grenze zu durchstossen und im 1. Halbjahr 119.40 Fr. zu erreichen. Doch im Sog der US-Hypothekarkrise fiel Swiss Re wieder unter 100 Fr., zu Wochenbeginn gar unter 90 Fr., was dem Ziel Jacques Aigrains, die Aktie nachhaltig zu stützen, diametral entgegenwirkt.Schützenhilfe bekommt Aigrain allerdings von der Rating-Agentur Standard & Poors, die das Kreditrating der Swiss-Re von «AA» bestätigt. Allerdings braucht er jetzt noch mehr Argumente, um den verunsicherten Anlegern zu erklären, wie sicher und sinnvoll der Transfer von Versicherungsrisiken an den Finanzmarkt ist. Eine Strategie, die der ehemalige Investmentbanker Aigrain mit Hochdruck verfolgt.Die Bank Wegelin bleibt pessimistisch: «Wird das Papier tatsächlich nochmals aufs Schafott gelegt, müssen Anleger mit langfristigem Ansatz hellhörig werden.» Einige Finanzinstitute, so der Broker Helvea und die Zürcher Kantonalbank, haben bekannt gegeben, dass sie ihre Schätzungen reduzieren werden. Bei Helvea heisst es: «Auch wenn in der aktuellen Bewertung beträchtliche Risiken bereits eingepreist sind, so ist es unser erster Gedanke, dass sich der Aktienkurs der Gruppe nicht so schnell erholt.»