Sie versuchen an den Märkten Trends zu erkennen und von diesen zu profitieren. Welche sehen Sie aktuell?
Christoffer Dahlberg: Der stärkste und weiterhin anhaltende Trend liegt in den Aktienmärkten, die sich seit Anfang Jahr deutlich positiv entwickeln. Unsere Sys­teme haben dies bereits Ende November erkannt und entsprechend Aktien übergewichtet. Daneben sehen wir starke ­Tendenzen bei den Währungen oder im Anleihenmarkt.

Zum Beispiel?
Anfang Jahr waren wir für kurze Zeit im Euro gegenüber dem Dollar ­untergewichtet. Mittlerweile setzen wir wieder verstärkt auf den Euro. Bis letzte Woche haben unsere Systeme in Staatsanleihen Long-Positionen gehabt. Nach der kräftigen Aufwärtsbewegung seit ­Anfang des Jahres ist es auch hier zu ­einem Trendbruch gekommen, weshalb wir nun Short gegangen sind.

Im vergangenen Jahr war die Performance der Trendfolger allerdings negativ. Sind die Trends ausgeblieben?
Es war nicht so, dass 2011 keine Trends an den Märkten auszumachen waren. Sie waren sogar oft sehr deutlich, wie beispielsweise die Schwäche des Euro. Vielfach waren sie aber negativ, weshalb es zu politischen Interventionen gekommen ist, um den Markt zu stützen. Ein ­solches Umfeld ist für Trendfolger sehr schwierig, da Trends in den Märkten, in denen wir Positionen hatten, durch die Politik abgewürgt wurden.

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Weshalb soll dies 2012 anders sein? Es gibt noch genügend Probleme, die politische Eingriffe hervorrufen könnten.
Es besteht ein grosser Unterschied zu 2011. Wenn die Märkte nach unten tendieren, dann hat die Politik ein grosses Bedürfnis einzugreifen. Geht es wie im 1. Quartal 2012 nach oben, dann bleiben die politischen Interventionen aus. Sollte die Aufwärtsbewegung umschlagen, dann sind Eingriffe tatsächlich wieder wahrscheinlicher.

Kommen Ihnen fallende Märkte ­ in der Regel nicht eher entgegen?
Die Resonanz ist natürlich stärker, wenn wir in fallenden Märkten eine positive Rendite erzielen. Ansonsten sind für uns deutliche Trends wichtig, egal ob nach oben oder unten. Wenn wir einen Stimmungswechsel früh erkennen, dann spielt es keine Rolle, wohin die Reise geht. Sollte es zu einer Krise im Nahen Osten kommen, wird dies einen Effekt auf den Ölpreis haben. Eine Ausdehnung der Schuldenkrise in Europa könnten wir mit einer Euro-Wette auffangen – voraus­gesetzt, die Politik macht uns keinen Strich durch die Rechnung. Längerfristig setzen sich aber die fundamentalen Trends durch, da die Politik die Märkte nicht nachhaltig beeinflussen kann.

Nach der Aktienrally seit Anfang Jahr ­fragen sich viele Anleger, ob nun die Zeit für Gewinnmitnahmen gekommen ist. Was meinen Sie?
Wir kennen die Zukunft nicht. Aus diesem Grund sind wir sehr breit ­diversifiziert und handeln in 125 Märkten mit Futures und Währungen. Natürlich habe ich eine Meinung zur Markt­entwicklung, auf die Mechanismen des Fonds hat sie aber keinen Einfluss.

Und wie beurteilen Sie die Aussichten für das laufenden Jahr?
Man sollte nicht zu viel Hoffnung auf die Aktienmärkte setzen. Denn es gibt wenig Grund zur Euphorie, auch wenn es seit Anfang Jahr scheint, als ­seien plötzlich alle Probleme gelöst. Wir sind noch nicht über den Berg. Meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei Griechenland der Ausschluss aus der Euro-Zone erfolgt und sich die Euro-Krise auf Staaten wie Spanien oder Portugal ausdehnt. Gleichzeitig stagniert die Nachfrage in vielen Märkten. Es gibt zwar gewisse positive Signale aus Amerika, doch sollte man diese mit Vorsicht genies­sen. Dramatisch erscheint mir auch die Situation bei den Anleihen mit Zinsen bei null und einer massiven Überbewertung. In den traditionellen Märkten bleibt die Lage weiterhin sehr schwierig.