China bewegt die Märkte. Kaum waren am Markt Gerüchte aufgekommen, das Reich der Mitte wolle seine Euro-Währungsreserven reduzieren, stürzte der Kurs der Gemeinschaftswährung ab (siehe Text nebenan) ? und auch die Börsen reagierten mit Verlusten. Als sich die Chinesen dann beeilten, das Gerücht zu dementieren, beruhigten sich die Kurse prompt wieder.

Minus 12 Prozent in Hongkong

Die jüngsten Ereignisse zeigen die Bedeutung, die China inzwischen für die Weltwirtschaft hat. Das Paradoxe daran: Die chinesischen Aktienmärkte scheinen dies nicht wahrzunehmen. Denn sie gehören in diesem Jahr zu den grössten Verlierern. Während der DAX heute ungefähr da liegt, wo er auch vor sechs Monaten notierte, verloren die Kurse in Shanghai am Shanghai Composite Index fast 20%, in Hongkong sackte der Hang Seng um 15% tiefer.

Und es ist einmal mehr der Euro, der auch in Fernost die Performance drückt. Denn der Yuan ist derzeit fest an den Dollar gekoppelt. Die Kopplung bringt es mit sich, dass der Yuan genauso wie die US-Währung seit Jahresbeginn um fast 20% gegenüber dem Euro aufgewertet hat. Das belastet die Exportwirtschaft Chinas.

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Ein weiteres Problemfeld ist der überhitzte Immobilienmarkt. So sind die Preise im April um 12,7% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. «Es gibt derzeit eine Immobilienblase», sagt Beat Lenherr, der als Chef-Anlagestratege der LGT Bank in Singapur arbeitet. «Allerdings nicht landesweit, sondern vor allem in den Metropolen wie Peking und Schanghai.» Diese Blase werde zwar sicher irgendwann platzen, jedoch werde dies noch einige Zeit dauern. «Vielleicht in fünf oder zehn Jahren.»

Dafür ist ein anderes Problem wesentlich akuter. So haben sich die Provinzregierungen in den vergangenen zwei Jahren enorm verschuldet. Offiziell ist es ihnen zwar verboten, Darlehen aufzunehmen. Um dies zu umgehen, haben sie jedoch spezielle Vehikel gegründet. Deren Kredite haben sich seit 2008 auf rund 8 Billionen Yuan (rund 1,4 Billionen Fr.) vervierfacht. Es gibt Schätzungen, wonach das Gesamtdefizit des Staates derzeit bei rund 70% des BIP liegt. Wenn die Projekte, in die das Geld investiert wurde, Rendite bringen, ist das kein Problem. Aber genau das dürfte oft nicht der Fall sein.

Am Ende dürften Chinas Banken auf einer Reihe fauler Kredite sitzen bleiben. Um sie davon zu befreien, wird wohl am Ende die Zentralregierung eingreifen müssen, indem sie sie wieder verstaatlicht. «Anleger sollten daher die Hände von chinesischen Bankaktien lassen», sagt Lenherr.

Richemont mit Pontenzial

Das Problem ist, dass Finanztitel an den chinesischen Börsen heute die dominierenden Unternehmen sind. In jedem Indexfonds bilden sie die Schwergewichte. Lenherr rät Anlegern daher von direkten Anlagen in China ab. «Sie sollten auf den Aufschwung in China eher auf indirekte Art setzen, also über europäische Firmen mit starkem Exportgeschäft in Richtung China», über Hongkonger Firmen oder solche aus Taiwan, sagt er.

Diese Firmen profitieren auch davon, dass der Konsum für Chinas Wachstum in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dürfte. Das kommt beispielsweise Luxusgüterherstellern wie Richemont oder LVMH zugute.

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