Der Thalwiler Navigationsexperte u-blox beliefert Hersteller von Konsumgütern aus der Industrie oder der Automobilelektronik mit GPS-Lösungen. In Brasilien werden etwa Autos neu mit Ortungschips von u-blox ausgestattet: So können gestohlene Wagen rascher lokalisiert werden. Auch deshalb entwickelt sich das Geschäft rasant. Vor Kurzem gab u-blox nun auch einen Gewinnsprung bekannt. Mit erfreulichen Folgen für die Aktie: Nachdem die Werte im letzten Jahr abgestraft worden sind, zählen sie in diesem Jahr zu den besten Titeln an der Schweizer Börse. Am 3. September informiert das Unternehmen detailliert über das 1. Halbjahr.

Sind Sie überrascht vom guten 1. Halbjahr bei u-blox?

Thomas Seiler: Nein, ich habe solche Zyklen schon früher erlebt. Es ist aber sicher ein sehr starker Aufschwung, von einem einmaligen Ausmass.

Weshalb nimmt die Nachfrage so rasant zu?

Seiler: Das Bedürfnis nach Positionierung und Kommunikation bildet den Hintergrund der zunehmenden Nachfrage. Immer mehr Anwendungen und Geräte werden in diesem Kontext geschaffen, und dazu braucht es unsere Technologien.

Welcher Bereich - Konsumgüter, Industrieanwendungen oder der Automobilelektronikmarkt - läuft am besten?

Seiler: In allen Märkten spielen die Treiber und alle liefern Wachstum zum Glück aus unterschiedlichen Gründen. Wir sind so nicht von einem einzelnen Trend, von einer Industrie oder einem Kunden abhängig. Das führt auch dazu, dass wir bei einer Konjunkturdelle nicht so scharfem Gegenwind ausgesetzt sind.

Wie wichtig ist für u-blox der Konjunktur-trend?

Seiler: Wenn wir aus eigener Kraft Wachstum generieren können, kommt das zu konjunkturellen Effekten hinzu. Wir verzeichneten etwa beim letzten Abschwung in Asien gar keinen Einbruch.

Fürchten Sie sich denn vor einem erneuten Wirtschaftsabschwung in Märkten wie den USA oder Asien?

Seiler: Wir haben keine Anzeichen dafür, alle Regionen wachsen stark.

Hält die positive Stimmung an?

Seiler: Ja, der Aufschwung ist nachhaltig. Die Nachfrage ist zurückgekommen, und die Ängste sind verflogen. Unsere Produkte kommen gut an, und die Strategie bei der Produkterneuerung ist erfolgreich. Neu kommt nun noch die Wireless-Technologie dazu.

Die Technologie zur drahtlosen Kommunikation stammt aus der Übernahme von Neonseven. Zahlt sich diese bereits aus?

Seiler: Wir verzeichnen die ersten starken Auftragseingänge, sind aber erst am Anfang der Wachstumskurve. Absolut gesehen sind die Umsätze noch vergleichsweise gering. Die neuen Produkte haben aber unsere Position im Markt verändert und die Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Wir können aber die Kunden nicht zum Kauf zwingen. Die Umstellung auf neue Produkte kann bei ihnen ein bis zwei Jahre dauern. Doch die Zeichen stehen gut.

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Was erwarten Sie von der Technologie?

Seiler: Dass wir stark zulegen. Die Wireless-Technologie soll bereits im nächsten Jahr etwa einen Drittel des Umsatzes beisteuern und uns so beim Wachsen helfen.

Welchen Ausblick wagen Sie insgesamt?

Seiler: Auch das 2. Halbjahr wird sehr stark werden. Der Umsatz sollte für das ganze Jahr auf 110 Mio Fr. wachsen und der Betriebsgewinn, der Ebit, auf rund 15% steigen. Die Umsatzprognose von 140 Mio Fr. für das Jahr 2011 gelangt so in Griffweite.

Wird u-blox auch eine Dividende ausschütten können?

Seiler: Wir wollen unsere Mittel strategisch einsetzen. Es bestehen viele Möglichkeiten, das Geschäft auszubauen. Wir prüfen das laufend und wollen über genügend Pulver verfügen, wenn sich Gelegenheiten bieten. Wenn aber das Geschäft weiter so stark wächst und uns einen massiven Cashflow beschert, der uns einen zusätzlichen Freiraum schafft, dann geben wir auch den Aktionären etwas zurück. Noch ist aber nichts entschieden.

Wie realistisch sind derzeit Zukäufe?

Seiler: Wir haben genügend Cash, und es ist für uns wichtig, im Technologiemarkt Umschau zu halten. Durch Akquisitionen können wir uns strategisch weiter positionieren. Wir wollen zulegen und werden allenfalls dezidierte Schritte unternehmen.

Wo werden die Zukäufe erfolgen?

Seiler: Das muss nahe an dem sein, was wir bereits können, und nahe an den Märkten, in denen wir vertreten sind. So erzeugen wir eine starke Hebelwirkung. Wenn wir in die gleichen Abnehmermärkte verkaufen, entsteht nur ein geringer Zusatzaufwand, und das Risiko ist gering.

Ist u-blox möglicherweise bald selbst ein Übernahmekandidat?

Seiler: Diese Möglichkeit besteht immer. Doch die Marktbereinigung in unserem Sektor ist längst vorbei. Wir haben uns etabliert und pflegen ein Geschäft, das sonst niemand in dieser Form betreibt. Wir werden auch nicht mehr als GPS-Boutique wahrgenommen. Vielmehr stellen wir heute eine solide Industriefirma dar.

Dennoch wird bemängelt, dass u-blox die Grösse für Massenmärkte fehlt.

Seiler: Massenmärkte, wie etwa Mobiltelefone, sind nicht unser Ziel. Der Preiskampf ist massiv. Wir haben aber 3000 Kunden von mittlerer und kleiner Grösse, die auf spezialisierte Zulieferer angewiesen sind. Sie brauchen viel Know-how, wollen ein grosses Mass an Unterstützung und sind auf einen möglichst geringen Aufwand bei der Integration der Lösungen in ihre Produkte angewiesen. In dieser Form werden solche Kunden von den grossen Lieferanten schlicht nicht bedient.

Verändert sich der u-blox-Kundenstamm dennoch?

Seiler: Sicher. Jahr für Jahr kommen grössere Kunden hinzu, und inzwischen zählen auch bedeutende Elektronikfirmen wie der chinesische Technologiekonzern Lenovo und Mio, ein Hersteller von Navigationsgeräten aus Taiwan, dazu.

Wechseln die Kunden rasch auf die neuen u-blox-Produkte?

Seiler: Wir lancieren alle zwei Jahre eine neue Produktgeneration, die Produkte leben etwa fünf Jahre. 70 bis 80% der Kunden wechseln aber relativ schnell auf die neue Generation. Die anderen bleiben bei der alten Technik, weil sie beispielsweise ihre Produkte nicht so schnell anpassen wollen. Für sie muss man die bestehende Produktion aufrechterhalten. Das ist nicht schädlich, sondern ein lukratives Geschäft. Es hilft auch, die Kunden langfristig an uns zu binden.

Wie schnell steigen die Kunden auf u-blox-6, die aktuelle Generation, um?

Seiler: Bis Ende Jahr werden 30% der Stückzahlen in u-blox-6 ausgeliefert. Ob es im nächsten Jahr 70 oder 80% sind, spielt keine grosse Rolle. Wichtig ist vielmehr, dass wir einen bedeutenden Teil der Kunden rasch umstellen können.

Wie entwickelt sich die Marge?

Seiler: Im Moment vorteilhaft. Wir haben auf der Kostenseite noch Möglichkeiten, uns zu verbessern. So können wir dem Paroli bieten, was der Markt auf der Preisseite verursacht.

Können denn Ihre Produzenten das schnelle Wachstum mittragen?

Seiler: Umsonst bekommen wir die zusätzlichen Kapazitäten nicht. Doch wenn wir Bedarf haben, ergibt es auch für die Hersteller zusätzlichen Umsatz. Zudem machen wir nur ein paar Prozent der Volumen aus. Auch wenn derzeit alle Hersteller an den Kapazitätslimiten laufen, fallen wir mit der Verdoppelung der Produktion kaum ins Gewicht. Zudem gelten wir als sehr verlässlicher Abnehmer.

Steigen die Lieferantenpreise nicht an?

Seiler: Für uns sind keine Probleme bei den Preisen entstanden. Es ist eine Frage der langfristigen Vereinbarung; wenn man die Beziehungen zu den richtigen Herstellern pflegt, funktioniert das sehr gut.

Was erhoffen Sie sich vom europäischen Satellitennavigationssystem Galileo, für das nun offenbar der Startschuss erfolgt?

Seiler: Das Interesse der Kunden an Galileo ist sehr gross. Gerade bei solchen Abnehmern, die langlebige Produkte herstellen, etwa die Automobilindustrie. Diese Unternehmen wollen vorbereitet sein und auch auf zukunftsfähige Lösungen setzen. Doch erst müssen die Satelliten verfügbar sein, sonst lässt sich das Produkt nicht fertig entwickeln.

Wann wird u-blox Galileo-Produkte anbieten?

Seiler: Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage bereits vor dem eigentlichen Start von Galileo einsetzen wird. Wann Galileo wirklich startet, steht aber in den Sternen: Das Ganze hat sich sehr verzögert. Wir erwarten, dass es 2014 losgehen könnte. Unsere Produkte sind bereits darauf vorbereitet. Wir müssten nur noch die Software anpassen, dann könnte es losgehen.

In Brasilien wird ein Ortungssystem in jedem Auto verlangt. Könnten weitere Staaten folgen?

Seiler: Korea ist so ein Markt mit ähnlichen Vorschriften, auch in Vietnam könnte es diese Entwicklung geben. Durch staatlichen Einfluss werden für uns neue Märkte kreiert. Das wird weitergehen.