Als solchen wollten ihn die EU-Regierungen partout nicht verstanden wissen. Aber genau das war ihr jüngster Entscheid zugunsten von Griechenland eben doch: Ein Bailout.

Das von der Zahlungsunfähigkeit bedrohte Mitglied bekam vom Staatenbund und vom Internationalen Währungsfonds IMF ein Hilfspaket in einem Gegenwert von über 65 Mrd Fr. zu günstigen Zinsen zugesichert. Ob dieser grosszügig bemessenen Geste haben sich die Märkte entsprechend erleichtert gezeigt; sowohl die Börsen wie auch der Euro-Kurs legten auf die Nachricht hin deutlich zu.

Erholung nur ein Strohfeuer?

Dürfen die Anleger die Gefahr eines Staatsbankrotts in der Eurozone also getrost zu den Akten legen und endlich unbeschwert die Investmentchancen dieses Jahres nutzen? Die Antwort lautet leider: Nein. Denn nicht nur wird das Länderrisiko die Börsianer weiter umtreiben - es kommen auch noch weitere Entwicklungen hinzu, die es nun ganz genau im Auge zu behalten gilt.

Anzeige

Staatsbankrott: Der Hilfskredit der EU ist eine Geste, nicht mehr. Würde die Hilfe nämlich von den Griechen tatsächlich in Anspruch genommen, so hätte das nochmals schwere Turbulenzen zur Folge. Zudem sind auch die Refinanzierungsprobleme Griechenlands längst nicht gelöst (siehe auch «Geldfrage» nebenan). Bereits Ende kommenden Mai ist eine knapp 12 Mrd Euro schwere Anleihentranche zu refinanzieren, und dies zu Marktzinsen, die im Fall des Schuldners Griechenland hoch sind. Hinzu kommen bis Ende Jahr weitere 20 Mrd Euro an Coupons zugunsten der Anleihenanleger und zur Reduktion des Defizits. Derweil taumeln weitere EU-Staaten unter Schuldenbergen, und die Verschuldung der USA hat inzwischen neue Rekordhöhen erreicht (siehe Text unten).

Aufschwung: Seit dem Ende der Rezession wurden die Investoren immer wieder von positiven Konjunkturmeldungen überrascht. Doch das könnte sich bald ändern, warnt Philipp Bärtschi, Chefstratege bei Sarasin. «Die Steigerung bei den Frühindikatoren dürfte ihren Höhepunkt erreicht haben. Bereits die Daten für April und Mai könnten schlechter ausfallen.» Auch Alfred Roelli, Senior Finanzanalyst bei Pictet, ist kritisch gegenüber dem Aufschwung. «Wir denken, dass ein Teil der Erholung der letzten Monate ein Strohfeuer war.» Insbesondere werde das Wachstum der privaten Nachfrage auslaufen. Die Sparquote werde, vor allem in den USA, relativ hoch bleiben.

Bei den Schwellenländern machen Roelli hingegen die Währungen Sorgen. «Die Aufwertungstendenzen könnten das Wachstum belasten.» Für Anleger bietet dies aber auch Chancen: Schwellenländer-Anleihen haben meist hohe Coupons und könnten von der Aufwertungstendenz jener Währungen profitieren.

Inflation: Dabei reagiert die Geldpolitik der Schwellenländer auch auf die mit dem Wachstum steigende Teuerung. In Europa ziehen derweil die Preise ebenfalls an. Roelli von Pictet aber beschwichtigt wie die meisten anderen Experten. «Die Inflationsgefahr wird dieses Jahr ein Störfaktor bleiben, sie wird aber von vielen Investoren überschätzt.» Es bestehe deswegen kein Grund etwa zu einem übereilten Ausstieg aus Obligationen. Roelli argumentiert mit den Überkapazitäten bei Unternehmen sowie den noch nicht exorbitant hohen Rohstoffpreisen. Trotzdem werden die Investoren bei den geldpolitischen Äusserungen der westlichen Notenbanken ganz genau hinhören, ob die Abkehr von der Tiefzinspolitik bald ins Haus steht.

Schuldenmisere in Europa stärkt Schweizer Franken

Griechenland ist vorerst gerettet. Doch in Europa hat der Kampf gegen die hohen Defizite eben erst begonnen. In zwei Dritteln der EU-Mitgliedstaaten liegt die Staatsverschuldung deutlich über 60% des BIP (siehe Grafik). Für Anleger eine turbulente Zeit: Anleihenhalter fürchten um die Kreditwürdigkeit ihrer Schuldner und damit Kursverluste. Aktionäre haben derweil die Folgen der Haushaltssanierungen - höhere Steuern - zu tragen. Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank, ist aber zuversichtlich, dass die EU-Länder dank Sparpaketen ihre Schulden wenigstens stabilisieren können. Ein Abbau der Schuldenlast sei aber weitgehend unrealistisch.

Mit einer Schuldenquote von etwas über 40% kennt die Schweiz diese Probleme nicht. Zudem könnte die hiesige Wirtschaft wegen ihrer exzellenten Verbindungen in die Schwellenländer 2010 und 2011 bis zu 2,5% wachsen, schätzt Pictet. Weil das Wachstum in Europa schwächer ausfallen dürfte, ist daher auch ein starker Franken vorprogrammiert. «Eine Rückkehr zu 1.50 Fr. je Euro ist Wunschdenken», sagt daher Anlagestratege Alfred Roelli von Pictet. (sg)