Was haben Sie sich für Ziele für 2008 gesetzt?

Manfred Knof: Wir wollen im Nichtleben-Geschäft 2%-Punkte über dem Markt wachsen und im Leben das Neugeschäft um 25% steigern.

Das sind sehr ambitionierte Ziele.

Knof: Ja, ambitioniert realistisch.

Die Finanzmärkte haben sich im 1. Halbjahr schlecht entwickelt. Müssen Sie Ihre Gewinnerwartungen fürs Gesamtjahr 2008 nicht reduzieren?

Knof: Nein, wir haben uns vorgenommen, die Ergebnisse des Vorjahres zu halten.

Das heisst das Rekordergebnis 2007 von 343 Mio Fr.

Knof: Ja, wenn man die Sondereffekte wie den Verkauf des Industriegeschäfts an eine andere Allianz-Gesellschaft ausklammert, die das Ergebnis 2007 positiv beeinflussten. Darüber hinaus hängen die realisierten Gewinne von der Kapitalmarktsituation ab, die 2007 deutlich besser war als in diesem Jahr. Vorbehalten sind auch ausserordentliche Grossereignisse oder Naturkatastrophen. Das Versicherungsjahr endet am 31. Dezember um Mitternacht. Bis dann kann sich noch einiges ereignen, das auf das Jahresergebnis durchschlägt.

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Sind Sie auf Kurs?

Knof: Wir sind auf Kurs. Allerdings muss man davon ausgehen, dass die Jahresergebnisse 2008 der Versicherungsgesellschaften tendenziell unter Druck kommen werden.

Warum?

Knof: Zum einen, weil die Versicherer im Finanzgeschäft weniger Erträge erwirtschaften werden und einige wohl auch Abschreibungen auf ihre Aktienbestände vornehmen müssen. Zum anderen, weil es einen steigenden Preisdruck im Nichtleben-Bereich gibt. Gleich bleibende Ergebnisse sind unter diesen Umständen bereits ein Erfolg.

Eine direkte Folge der Finanzkrise?

Knof: Dies ist ein wichtiger Faktor, wobei ich glaube, dass die Versicherungsgesellschaften die Krise wesentlich besser gemeistert haben als ein Teil der Banken. Deshalb dürften unsere Ergebnisse im Vergleich auch besser ausfallen.

Die Aktienkurse der Versicherer sind ebenfalls stark gefallen. Da können Sie Ihre Branche kaum zu den Gewinnern zählen?

Knof: Die Kursrückgänge der Versicherer sind meines Erachtens nicht überall nachvollziehbar ? zumindest nicht in dieser Grössenordnung. Wir haben unseren Kunden gezeigt, dass wir als Unternehmen, das auf Sicherheit und Risiken spezialisiert ist, mit ihren Geldern verantwortungsbewusst umgehen. Ich bin überzeugt, dass die Kunden in unsicheren Zeiten, wie dies heute der Fall ist, sicherheitsbewusster werden und deshalb die Leistungen der Versicherer stärker gefragt sind. Diese Chance wollen wir nutzen.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Assekuranz in der Schweiz?

Knof: Der Schweizer Kunde ist bereits gut versichert. Der Markt ist gesättigt, er wächst insgesamt nicht mehr. In vielen Branchen herrscht ein Verdrängungskampf. Im Nichtleben-Geschäft wird der Preisdruck deshalb weiter zunehmen. Wachstumspotenzial sehe ich vor allem im Leben-Geschäft.

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Und wer macht das Rennen?

Knof: Es werden sich die kundenorientierten und schnellen Versicherer durchsetzen. Deshalb müssen wir besser, schneller und kundenorientierter sein als unsere Mitbewerber.

Sie gehen also von einer weiteren Konsolidierung, sprich von Übernahmen aus?

Knof: Ja, ich gehe von weiteren Konsolidierungen aus.

Wie sieht es mit diesbezüglichen Wachstumsplänen der Allianz in der Schweiz aus?

Knof: Da steht im Moment meines Wissens nichts an.

Also keine Akquisitionen in der Schweiz?

Knof: Wir sind hier gut aufgestellt, und generell werden solche Entscheide auf Konzernebene in München gefällt.

Sie haben ehrgeizige Wachstumsziele, namentlich im Leben-Bereich. Wie wollen Sie diese erreichen?

Knof: Hier lautet das primäre Ziel Einfachheit. Es geht um eine schnelle und einfache Abwicklung, um schlanke Prozesse. Zweitens ist es eine Frage des Tarifs: Hier sind wir in Kollektivleben mit attraktiven Angeboten im Markt. Wir sind sehr wettbewerbsfähig und wachsen. Drittens sind Innovationen, namentlich im Einzelleben-Geschäft, von grosser Bedeutung. Das wird automatisch dazu führen, dass wir jenen Schweizer Lebensversicherungsgesellschaften, die noch vor uns liegen, näher kommen.

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Welches ist Ihr Ziel im Schweizer Markt?

Knof: Wir wollen im Bereich Leben die dritte Kraft werden.

Wann ist es soweit?

Knof: Das ist ein dynamischer Prozess, der nicht allein von uns abhängt.

Im Einzelleben-Geschäft ist die Allianz Suisse allerdings noch nicht so weit?

Knof: Das ist richtig. Aber auch hier bin ich optimistisch. Die Nachfrage nach Produkten mit Sicherheit und Schutzgarantien wird weiter zunehmen. Wir werden Ende dieses Jahres mit neuen anlageorientierten Produkten auf den Markt kommen. Bereits lanciert haben wir in diesem Sommer eine angepasste klassische Rentenversicherung und ein Auszahlungskonto. Wir befinden uns noch in der Aufholphase. Deshalb sind wir überzeugt, dass wir auch in diesem Bereich Wachstumspotenzial haben.

Welchen Marktanteil wollen Sie mit dem Einzelleben-Geschäft erreichen?

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Knof: Im Neugeschäft möchten wir mittelfristig einen Anteil von über 10% erreichen. Mit jeder Produktlancierung kommen wir unseren übergeordneten Zielen näher.

Welches ist Ihr übergeordnetes Ziel?

Knof: Profitables Wachstum und Kundenorientierung. In Bezug auf Wachstum haben wir uns das Ziel gesetzt, die Nummer drei im Schweizer Versicherungsmarkt zu werden.

Also nicht nur im Leben?

Knof: Nein, insgesamt.

Etwas bieten Sie im Gegensatz zur Konkurrenz aber noch nicht an: Banklösungen. Was ist hier geplant?

Knof: Im Moment haben wir keinen Bankpartner. Die grossen Banken hatten bereits Partnerschaften mit Versicherungsgesellschaften. Doch der Schweizer Kunde verhält sich anders als im Ausland: Er trennt Bank und Versicherung stärker voneinander. Was jedoch auch für uns wichtig ist und was die Versicherer ihren Kunden anbieten müssen, ist eine Möglichkeit, um Geld aus ablaufenden Lebensversicherungen wieder anlegen zu können.

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Die Wiederanlagequote dürfte auch bei Ihnen bei eher bescheidenen 10% liegen.

Knof: Ja, plus minus 10%

Was wäre das Ziel?

Knof: Wenn man 20% des anlagefähigen Gelds behalten kann, ist das bereits gut. Daran arbeiten wir.

Wie?

Knof: Im Konzern gibt es verschiedene Vorbilder und Prozesse, die wir auf die Schweiz übertragen könnten. Das umfasst Banklösungen und Beratungskonzepte.

Wäre das eine interne oder eine externe Banklösung?

Knof: Wir klären zurzeit ab, ob wir das alleine oder mit einem Bankpartner machen oder ob wir eine Banklizenz brauchen. Alle Felder sind offen.

Wann werden Sie entscheiden?

Knof: Noch im 2. Halbjahr 2008.

Sie sprechen vom Preiskampf im Nichtleben-Geschäft. Bei den Motorfahrzeugversicherungen gehört Allianz Suisse zu den Siegern. Was machen Sie anders?

Knof: Wir haben in der Vergangenheit unsere Abläufe und Prozesse laufend optimiert. Eine integrierte IT-Lösung und schlanke Strukturen geben uns Kostenvorteile und Flexibilität. Im Moment arbeiten wir an einer Verbesserung des Schadenmanagements. Zudem arbeiten wir eng mit Automobilhändlern zusammen. Sehr zufrieden sind wir mit der Kooperation mit der Emil Frey AG. Wir behalten auch technische Trends und Entwicklungen stets im Auge. In dieser Hinsicht ist der Schweizer Markt noch nicht gesättigt.

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2007 haben Sie im Motorfahrzeuggeschäft um 6,3% zugelegt. Ihr Wachstum war fünfmal höher als der Marktdurchschnitt. Wird die Allianz Suisse dieses Tempo beibehalten können.

Knof: Wir verzeichnen stückmässig nach wie vor gute Zuwächse. Preismässig ist der Wettbewerb aber voll entbrannt; die Prämien sind stark unter Druck und sinken. Deshalb werden sich die Wachstumsraten zurückbilden. Aber ich rechne damit, dass es immer noch ein Wachstum sein wird.

Wie wichtig werden Kooperationen in Zukunft sein?

Knof: Die Bedeutung wird zunehmen. Denn die Automobilhersteller und -importeure verknüpfen je länger, je mehr auch Finanzdienstleistungen mit ihrem Kernprodukt. Das umfasst unter anderem Versicherungen und das Schadenmanagement. Wir haben soeben einen Vertrag mit den Renault-Garagen abgeschlossen und denken an weitere Kooperationen.

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Welche Rolle spielt auf diesem Weg die neue Internetplattform Allianz24, die Sie kürzlich lanciert haben?

Knof: Mit dem Direktkanal Allianz24 bauen wir unsere Multikanalstrategie weiter aus. Marktforschungen zeigen, dass der Direktvertrieb auch für Versicherungsangebote mehr und mehr genutzt wird. Der Kunde will denjenigen Vertriebsweg benutzen, der ihm im konkreten Fall am einfachsten erscheint. Wir sind überzeugt, dass die Zeit reif ist für den Direktvertrieb.

Welches sind Ihre diesbezüglichen Ziele?

Knof: Wir treten gegen etablierte Anbieter an. Unser Ziel ist es, in dieser Startphase im Direktkanal bei den Motorfahrzeugversicherungen in etwa den gleichen Marktanteil zu erreichen, den wir sonst aufweisen, also etwa 16 Prozent.

Sie sprechen von Kooperationen. Wie störend ist für Allianz Suisse, dass der Finanzdienstleister AWD nun zu Swiss Life gehört?

Knof: Wir arbeiten mit verschiedensten Partnern zusammen, so auch mit dem AWD. Dass der AWD nun Teil von Swiss Life ist, stört uns nicht, denn er ist für uns nicht ein primärer Vertriebskanal.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Migros?

Knof: Es handelt sich um einen neuartigen Ansatz; bisher sind wir damit zufrieden. Im Vorfeld meinten viele Experten, Kunden würden in der Schweiz im Vergleich zum Ausland keine Finanzdienstleistungsprodukte bei einem Retailer einkaufen. Diese Meinung war nicht richtig

Welche Allianz-Produkte werden bei der Migros gekauft? Und wie viele?

Knof: Die ersten Produkte waren Pannenhilfe und Reiseversicherung, bei denen unsere Schwestergesellschaft Elvia der primäre Versicherungspartner ist. Hier verzeichnen wir einen kontinuierlichen Ausbau des Portefeuilles. Vor kurzem hat die Migros in Zusammenarbeit mit unserer Tochtergesellschaft CAP Rechtsschutz eine Rechtsschutzversicherung lanciert. Hier ist es noch zu früh, um Verkaufszahlen zu veröffentlichen.

Werden Sie die Zusammenarbeit weiterführen und konkretisieren?

Knof: Wir stehen immer noch im ersten Jahr dieser Partnerschaft. Die Resonanzen seitens der Kunden sind sehr gut und der Start war im Quervergleich mit andern Neulancierungen problemlos. Ideen für den weiteren Ausbau sind vorhanden.

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