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Industrieländer
Alternative Industrieländeraktien mit Potenzial

C-Serie
Bombardier-Airbus der Swiss: Der Vergleich von Airbus mit Boeing fördert Interessantes zu tage.Quelle: Keystone

US-Aktien haben einen Run, aber sind verhältnismässig teuer. Zeit, um sich nach Alternativen umzusehen.

Von Jody Jonsson*
am 27.07.2018

US-Aktien hatten in der vergangenen Zeit einen Run: In den letzten 102 Monaten liefen sie besser als die Titel der meisten anderen Industrieländer. Nun sind sie allerdings teuer – egal, welchen Massstab man anlegt. Wertorientierte Anleger sollten sich also an anderen Märkten nach Schnäppchen umschauen: Hier können Investoren gerade die Underperformance anderer Industrieländeraktien nutzen. Auch andere globale Aktien können sich gut entwickeln, ohne dass die USA den Weg weisen, da sie angesichts der attraktiveren Bewertungen in vielen Märkten ausserhalb der USA, auf relativer Basis Potenzial haben.

Der europäische Banken-Sektor dürfte wieder aufblühen

Das liegt unter anderem an der so genannten Bewertungslücke zwischen US-Unternehmen und ihren Pendants in Europa & Japan. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von US-Aktien lag zum 31. Mai durchschnittlich bei 16,6. Aktien anderer entwickelter Märkte kamen hingegen auf eine Bewertung von 14,3. Folglich haben sie mehr Aufwärtspotenzial als die bereits hoch bewerteten US-Aktien. Dies trifft insbesondere auf den europäischen Banken-Sektor zu, der in den vergangenen Jahren stark mit den strengen Regulierungen, dem trägen Wirtschaftswachstum und den niedrigen Zinsen zu kämpfen hatte.

Derzeit regeneriert sich die europäische Wirtschaft wieder von der Rezession und auch die Zinsen werden wahrscheinlich Mitte bis Ende des Jahres 2019 angehoben werden. Die Anhebung der Zinsen wird in Europa etwas länger dauern. Aber die Rückkehr der Volatilität auf die globalen Finanzmärkte sollte den Investmentbanken zugutekommen, da sie von einem erhöhten Handelsvolumen profitieren würden.

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Bewertungsvergleiche zeigen Chancen

Weitere europäische Sektoren, deren Aktien einen Vorteil gegenüber den USA haben, sind Luxusgüter, Chemie- und Industriewerte. Ein gutes Beispiel hierfür sind die beiden Flugzeughersteller Airbus und Boeing: Airbus lag zum 31. Mai bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,4, Boeing bei lediglich 19,4. Der Vergleich ist interessant, da es sich hier um ein Duopol handelt und sie sich in leicht unterschiedlichen Phasen ihres Zyklus befinden. Boeing ist in einer Phase der Cashflow-Generierung und produziert bedeutend höhere Dividenden und Aktienrückkäufe. Airbus ist nicht weit von Boeing entfernt, könnte aber aufgrund der niedrigeren Bewertungen mehr Aufwärtspotenzial haben.

Betrachtet man zusätzlich die Schwellenländer sind die Unterschiede der Bewertungen sogar noch grösser. So zum Beispiel zwischen Apple (14,8) und Samsung (6,9). Apple ist mit einem niedrigen zweistelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis angemessen bewertet, aber Samsung ist noch niedriger bewertet. Solche Vergleiche überall auf der Welt zeigen sehr interessante Chancen auf.

Länge des Zyklus ist ungewiss

Zugleich bleibt die Aktienrisikoprämie in Europa und Japan attraktiv. Das ist ein entscheidender Massstab, der die relative Attraktivität von Anlagen in globale Aktien mit einer vermeintlich «risikofreien» Alternative vergleicht, die durch eine Mischung aus Staatsanleihen repräsentiert wird. Da die Renditen für Euro- und japanische Anleihen auf einem historisch niedrigen Niveau verharren, bieten die Aktienmärkte auch weiterhin eine deutlich bessere Option für Anleger, die eine grössere Chance auf Kapitalzuwachs suchen. Wie lange dieser Zyklus noch anhalten wird, ist jedoch ungewiss. Im Hinblick auf die Länge der Periode und die klare Bewertungslücke, gibt aber es genügend Spielraum für die anderen globalen Märkte, die USA zu überholen.

 *Jody Jonsson, Equity Portfolio Manager bei Capital Group