In Phasen wie diesen heisst es an der Wall Street gern: Die Zeit des schnellen Geldes ist vorbei. Nach 64% Gewinn des Dow Jones Industrial Average zwischen Mitte März 2009 und Mitte Januar 2010 erwartet niemand, dass es ewig so weitergeht. «Es scheint, als sei der Sweet Spot der Performance am Finanzmarkt überschritten», warnte Neil Soss von Credit Suisse. Die Anleger realisieren langsam, dass die Realwirtschaft noch längere Zeit auf einem unterdurchschnittlichen Niveau verharren wird. Deshalb der jüngste Kursrückgang von 6%.

Die grössten Gewinne werden laut einer Untersuchung von Birinyi Associates im ersten Viertel eines Bullenmarkts gemacht. Daraus folgern die Marktforscher, dass die enormen Gewinne der vergangenen zehn Monate erst einmal vorüber sind. Das heisse jedoch nicht, der Bullenmarkt sei zu Ende, betont Birinyi. In weniger als 10% der Fälle führte ein Kursrückgang um 5% zu einem Kursverlust von 20% oder mehr und läutete das Ende eines Bullenmarkts ein.

Bedeutung der Schwächephase

Der Aktienmarkt ist in den Augen vieler Analysten ein historischer Bärenmarkt, vergleichbar mit dem Beginn der 30er- und 70er-Jahre. In solchen Schwächephasen dauerte ein Bullenmarkt im Schnitt nur 16 Monate. Der derzeitige begann im März, hat also noch einige Zeit vor sich. Doch: «Wir könnten schon im letzten Drittel sein», glaubt Ed Clissold von Ned Davis Research. Gegen die These vom Ende des Bullenmarkts spricht auch, dass im Januar weder zu starker Optimismus bei Anlegern noch Gewinnrückgänge am breiten Markt zu beobachten waren - typische Anzeichen für das Ende einer Hausse.

Anzeige

Eine neue Studie zeigt, dass Kursrückgänge um mehr als 10% 6 bis 18 Monate nach dem Ende einer Rezession typisch sind. Ein Hinweis darauf ist die Abkehr von Aktien kleiner Firmen und angeschlagener Unternehmen wie etwa Banken und die Flucht in vermeintlich sichere Titel grosser Unternehmen. Im Januar fiel der technologielastige Nasdaq Composite um 5,4%. Kleine Werte, die zu Jahresbeginn normalerweise eine bessere Performance haben, lagen gleichauf mit grossen.