Willie Walsh tönt wie ein biblischer Prophet, der den Weltuntergang vorhersagt. «Wir befinden uns in einem Kampf ums Überleben», sagt der Chef der Fluglinie British Airways (BA). «Wir müssen die Kosten so rasch wie möglich senken.» Im Geschäftsjahr 2008/09 musste die Airline einen Verlust von 401 Mio Pfund melden. Im Jahr zuvor hatte BA noch 922 Mio Pfund Gewinn gemacht.

Es scheint sich alles gegen BA verschworen zu haben: Wegen der explodierenden Ölpreise kletterten die Treibstoffkosten vergangenes Jahr auf 3 Mrd Pfund. Vor allem aber sinken die Passagierzahlen. Denn Firmen streichen Dienstreisen oder buchen für ihre Manager nur noch die Holzklasse.

Gesamte Branche betroffen

Doch nicht nur British Airways muss mit schwerem Wetter kämpfen. «2009 wird das härteste Jahr, mit dem die Fluglinien bisher konfrontiert waren», befürchtet Giovanni Bisignani, Chef des internationalen Branchenverbands IATA. Die Passagierzahlen werden weltweit um rund 6% zurückgehen, prophezeit die Organisation. Vor allem im Premiumsegment, also bei First und Business Class, rechnet die IATA mit «massiven Einbrüchen». Die Umsätze der Airlines werden weltweit um 12% auf rund 470 Mrd Dollar sinken. Der Rückgang ist schlimmer als nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Die Fluglinien werden 2009 insgesamt weltweit Verluste von mindestens 4,7 Mrd Dollar einfliegen, sagt die IATA voraus.

Das 1. Quartal war rundweg ein Desaster. Nahezu alle grossen Carrier Europas schrieben rote Zahlen. Selbst Ryanair, einer der erfolgreichsten Billigflieger der Welt, rauschte in die Verlustzone. Dennoch sieht sich Airline-Boss Michael O‘Leary als Gewinner der Krise. «Die Rezession unterstützt das Wachstum von Ryanair, weil sich Millionen von Kunden für unsere niedrigeren Ticketpreise entscheiden», sagt er. Nach eigenen Angaben befördert Ryanair mittlerweile mehr Fluggäste als die Lufthansa. Der deutsche Konkurrent und Mutterkonzern der Swiss hat es den Iren offensichtlich angetan. «Wir schauen uns Lufthansa ernsthaft an», sagt O‘Leary. «Das wäre eine sehr gute Tochtergesellschaft auf unserem Weg zur Weltherrschaft.» Ein Kaufangebot ist dennoch äusserst unwahrscheinlich.

Anzeige

Sparkurs unausweichlich

So unähnlich sich Lufthansa und Ryanair sonst sein mögen - die beiden Unternehmen sind voraussichtlich die einzigen grossen Airlines in Europa, die dieses Jahr schwarze Zahlen schreiben. «Wir prognostizieren, dass die Lufthansa 2009 einen operativen Gewinn von rund 400 Mio Euro erzielt», sagt Robert Heberger, Luftfahrtspezialist beim Münchner Bankhaus Merck Finck. Nach Zinsen und Steuern werde der Flagcarrier dennoch Minus machen.

Trotz der relativ komfortablen Lage fahndet die Lufthansa ebenso wie die Konkurrenten allerorten nach Sparmöglichkeiten. Mit den Sparmassnahmen kommen die Carrier nicht dem Problem bei, das sie derzeit ganz besonders plagt: Dem übergrossen Rückgang im Premiumsegment. Auf die First und die Business Class entfällt zwar bei der Lufthansa nur rund ein Fünftel der Buchungen. Die sind aber für mehr als die Hälfte des Umsatzes gut schliesslich kosten die Tickets drei- bis fünfmal so viel wie in der Economy Class. Im 1. Quartal 2008 entfielen bei den Interkontinentalflügen der Lufthansa noch 20,4% der Passagiere auf First und Business. In den ersten drei Monaten 2009 schrumpfte der Anteil auf 17,9%.

Der Feinschliff ändert wenig am Grundproblem der Luftfahrtindustrie: Es gibt schlicht viel zu viel Kapazität: Zu viele Maschinen, zu viele Verbindungen, zu viele Fluglinien. Nur zögernd gehen die Unternehmen daran, das Angebot zu straffen - sei es durch Fusionen, Übernahmen oder strategische Allianzen.