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Am Neubeginn scheiden sich die Geister

Mit der getrennten Kotierung des Private Banking und GAM an der SIX müssen Anleger den Bankwert neu einschätzen. Die Erwartungen an die beiden Einheiten sind dabei sehr unterschiedlich.

Von Matthias Niklowitz
am 29.09.2009

Auch zu Wochenbeginn setzte die Aktie von Julius Bär ihre Talfahrt fort. Seit Mitte September hat der Titel bereits einen Sechstel seines Werts verloren. Mittlerweile notieren die Valoren der Privatbank bei 51.50 Fr.

An der Nachrichtenlage alleine kann dieser Rückgang nicht liegen: Die Bank sieht sich selber in einer führenden Position im Vermögensverwaltungsgeschäft und ist bereit, sich durch Übernahmen im In- und Ausland zu verstärken, wie Julius-Bär-CEO Boris Collardi erst kürzlich an einer Strategiepräsentation erklärte.

Skepsis gegenüber GAM

Gemäss den Plänen Collardis soll die Zahl der 636 Relationship Manager, die im Vermögensverwaltungsgeschäft überaus wichtigen Kundenverwalter, um 40 bis 50 Positionen pro Jahr ausgebaut werden. Bis 2012 sollen ausserdem jährlich 4 bis 6% Neumittel angezogen und Asien zu einem zweiten Heimmarkt aufgebaut werden.

Die Cost-Income-Ratio, im Banking das von Analysten scharf beobachtete Verhältnis der Ausgaben zu den Einnahmen, soll bei 62% gehalten werden. Überschüssiges Kapital soll über Dividenden oder Aktienrückkäufe an die Aktionäre fliessen. Das Ziel bei der Tier-1-Kapitalisierung liegt bei 12%. Durch den Börsengang (IPO) in New York von Artio, der nordamerikanischen Vermögensverwaltungstochter des Schweizer Bankhauses, dürften Julius Bär zusätzlich 300 Mio Dollar zufliessen. Am bedeutungsvollsten ist jedoch der Plan des Managements, das Private Banking und das Asset Management von Julius Bär künftig als separate Einheiten zu führen und folgerichtig auch getrennt an der SIX Swiss Exchange kotieren zu lassen.

Die Aufteilung soll gemäss den neuesten Angaben des Konzerns per 30. September 2009 abgeschlossen sein. Der erste Handelstag für die Julius-Bär-Gruppe und die GAM Holding als getrennt kotierte Einheiten wird demzufolge der 1. Oktober 2009 sein. Begeisterungsstürme habe diese Neuigkeiten bei den Investoren trotzdem nicht ausgelöst. «Da am Freitag keine grossen Überraschungen präsentiert wurden, haben wir an unseren Schätzungen keine grossen Veränderungen vorgenommen», kommentierten die Analysten der Bank Vontobel nüchtern. Die Prognosen für den Neugeldzufluss haben die Aktienexperten leicht reduziert, die Kosten für die Wachstumsstrategie in Asien leicht angehoben.

Skeptisch zeigten sich die Vontobel-Analysten besonders gegenüber GAM, dem Asset-Management-Geschäft. Denn hier sind keine neuen Partnerschaften bekannt gegeben worden, die Kosten bei GAM würden steigen, weil die abgespaltete Geschäftseinheit eine eigene Verwaltung benötigt. Kommt hinzu, dass der Wettbewerb im Asset Management unverändert hart ist, die Marge eher niedrig, die Euro- sowie Dollaranteile hoch und GAM in der Branche ein relativ kleiner Spieler ist.

Für Julius Bär alleine setzen die Analysten ein Kursziel bei 40 Fr., was einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 für das kommende Jahr entspricht. Für GAM steht das im Branchenvergleich ermittelte faire Kursziel bei 11.50 Fr. Weil hier jedoch noch Übernahmefantasien hinzukommen, gelten 15 Fr. für GAM und 55 Fr. für das Tandem Julius Bär und GAM angemessen.

Daumen hoch für Julius Bär

Auf die durch den Kurseinbruch entstandene Kaufgelegenheit weisen die Analysten der Credit Suisse hin. «Das Private Banking von Julius Bär ist sowohl in der Schweiz als auch international gut positioniert», kommentieren hier die Analysten, «zudem zeigte das Management, dass man die Kosten trotz der Expansionsstrategie im Griff hatte.» Für die Analysten ist Julius Bär (auch) im Vergleich mit den US-Konkurrenten mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 per 2010 günstig bewertet - sie empfehlen deshalb die Aktie zum Kauf.

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