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Am Öl verzweifeln selbst die Starinvestoren

Warren Buffett und George Soros: Wer hat die bessere Strategie? Keystone, Bloomberg

Experten rätseln über die künftige Entwicklung des Ölpreises. Die Investorenlegenden Buffett und Soros scheinen ihre Antworten gefunden zu haben. Sie fallen jedoch höchst unterschiedlich aus.

Von Dominic Benz
am 18.02.2015

Wohin treibt der Ölpreis? An dieser Frage verzweifeln offenbar auch die bekanntesten Finanzinvestoren. Während Warren Buffett sich im grossen Stil von Aktien grosser Ölkonzerne getrennt hat, macht sein Kollege George Soros genau das Gegenteil: Er kauft zu.

Selbst die erfahrensten Anleger der Zunft sind also uneins, wohin die Öl-Odyssee geht. Zwischen Juni und Januar hatte sich der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent auf weniger als 50 Dollar mehr als halbiert. In den vergangenen Wochen stiegen die Preise dann auf heute gut 60 Dollar. Unter dem Billigöl ächzen denn auch die Energiekonzerne.

Preisverfall hat Freude verdorben

Der Preisverfall beim schwarzen Gold hat Multimilliardär Buffett nun offenbar die Freude am Energiesektor verdorben. An einen baldigen Aufwärtstrend scheint er nicht zu glauben. So hat Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway zwischen Oktober und Dezember milliardenschwere Beteiligungen am weltgrössten Ölkonzern Exxon Mobil und Conoco Phillips verkauft.

Noch Anfang September hatte die Firma in ihrem Portfolio 41 Millionen Exxon-Aktien im Wert von 3,7 Milliarden Dollar und über 470'000 Titel der weltweit drittgrössten Ölfirma Conoco Phillips. Buffetts Schritt mag nachvollziehbar sein. Der Preisverfall beim Öl hatte den beiden Konzernen zuletzt den Gewinn kräftig verhagelt. Und immerhin erwarten einige Analysten eine weitere Talfahrt des Ölpreises auf 20 Dollar pro Fass.

Soros setzt auf Erholung

Andere Experten indes sehen eine anhaltende Erholung in der zweiten Jahreshälfte, mancher Analyst sogar bald wieder einen Preis von über 100 Dollar. Investorenlegende George Soros scheint offenbar eher in diesem Lager verortet. Zumindest lässt darauf seine ebenfalls jetzt bekannt gewordene Strategie schliessen. Soros nutzte die gefallenen Kurse bei Energieaktien als Einstieg. Zwischen Oktober und Dezember kaufte er 385'497 Anteile der US-Energiefirma Devon Energy und 149'000 Titel von Transocean, dem weltgrössten Vermieter von Bohrinseln mit Sitz in Zug.

Auf den ersten Blick scheint Soros den besseren Riecher als Warren Buffett gehabt zu haben. Mit der jüngsten Erholung der Ölpreise sind sich auch die Aktien der Energiemultis leicht gestiegen. Die Papiere von Transocean legten im laufenden Jahr rund 4 Prozent zu. Heute notieren sie bei rund 19 Dollar. Allerdings: Soros hätte im letzten Quartal in der Nähe des kurzfristigen Tiefststand von 14,50 Dollar einsteigen müssen, um heute deutliche Gewinne zu haben. Anfang Oktober kostete das Papier noch rund 30 Dollar.

Kein glückliches Händchen mit Apple

Tatsache ist: Mit den Energie-Aktien hat Soros sich beträchtliche Risiken ins Portfolio gelegt. Sein Engagement in Ölaktien erfolgte vor der Ankündigung von Transocean in dieser Woche, die Dividende um 80 Prozent kürzen zu wollen. Der Konzern hatte zuletzt massive Abschreiber und herbe Unternehmensverluste verkraften müssen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Unternehmen könnte sogar aus dem SMI fallen, sollte der Aktienkurs zu stark sinken. Die Deutsche Bank senkte in dieser Woche das Kursziel von 16 auf 6 Dollar.

Analysten erwarten wegen der tiefen Ölpreise weitere Rückschläge für die gesamte Branche. Das durfte auch Warren Buffet abgeschreckt haben. Doch während Soros an die Erholung des Energiesektors glaubt, will er von Technologieaktien nichts mehr wissen. Laut US-Börsenaufsicht hat der Investor im letzten Quartal seine Aktien von Google, Intel und Apple verkauft. Im Falle des iPhone-Herstellers hatte der Investor jedoch ein schlechtes Händchen bewiesen. Die Titel von Apple sind allein schon in diesem Jahr um rund 16 Prozent gestiegen.

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