Der US-Kreditkartenkonzern American Express (Amex) gab vergangenen Montag einen Einbruch des Gewinns im 3. Quartal um 24% bekannt. Das Unternehmen kündigte gleichzeitig Einsparungen bei Kosten und Personal an. In diesem Jahr hat Amex bisher rund die Hälfte seines Börsenwerts eingebüsst. Immer mehr unbezahlte Kreditkartenschulden belasten den Konzern, sodass er seine Risikovorsorge für faule Kredite stark aufstocken musste.

Schulden belasten Konzern

Bereits zu Jahresanfang hat Amex die Konditionen für seine Kreditkartenkunden verschärft. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf Besitzer sogenannter Charge Cards. Bei diesem Kartentyp werden die Kreditkartenumsätze gesammelt und dem Karteninhaber einmal monatlich in Rechnung gestellt. John und Monica Bell zum Beispiel waren plötzlich mit einem Monatslimit von 1100 Dollar für ihre Amex-Platinum-Card konfrontiert. Der Grund: Etliche Amex-Kunden, die dasselbe Einkaufsverhalten und dieselben Hypothekengeber wie die Bells haben, zahlen ihre Schulden bei Amex nur sehr zögerlich zurück. In das daraus entwickelte Verhaltensmuster fielen auch die Bells: «Wir sind jetzt für anderer Leute Kredit verantwortlich», tobt John Bell.

Michael ONeill, Amex-Sprecher, bestätigt, dass die Probleme einiger Kartenkunden auch Auswirkungen auf gute Kunden haben können. Vor kurzem veröffentlichte das Unternehmen Zahlen, die verdeutlichen, dass Zahlungsverzüge, fällige Kredite und Abschreibungen ausgefallener Kredite im September deutlich gestiegen sind. Alle Kartenanbieter, von JP Morgan bis Capital One, kämpfen mit denselben Problemen, da Verbraucher weniger ausgeben und mit den Rückzahlungen in Verzug geraten. Da Amex, als eines der wenigen eigenständigen Kreditkartenunternehmen ohnehin besonders verwundbar, jedoch auch ein Netzwerk betreibt, das Kartentransaktionen durchführt, macht sich die Schwäche der amerikanischen Wirtschaft doppelt bemerkbar.

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«Wenn die Leute nichts ausgeben, ist das nicht gut für Amex», warnt John Williams, Analyst bei Macquarie Research. Investoren zahlen jetzt den Preis für die rasche Expansion des Unternehmensportfolios in den Jahren 2006 und 2007. Bereits im vorigen Jahr hatten Anleger den Konzern dafür kritisiert, dass dieser den Kunden plötzlich einen Kreditrahmen gewährte, obwohl 50 Jahre lang immer klar war, dass alles am Monatsende zurückzuzahlen war.

Im 2. Quartal belief sich das globale Managed-Lending-Portfolio – das sind Kredite in den Büchern sowie verbriefte und an Investoren verkaufte Kredite – auf 76,6 Mrd Dollar. Das sind knapp 12% mehr als im Vorjahr und 58% mehr als Mitte 2005. Und genau wie die Investoren befürchtet hatten, wirken sich diese Kredite negativ aus. Nach Amex-Zahlen waren im September 4,05% der Rückzahlungen mindestens 30 Tage überfällig, und die Abschreibungsquote stieg auf 6,64% (September 2007: 2,53%).

Die Performance enttäuscht

Die monatlichen Daten umfassen allerdings nur grob die Hälfte des gesamten Kreditportfolios von Amex. Kredite an kleine Unternehmen etwa sind darin nicht enthalten. Daher vermuten Analysten, dass die Performance von Amex weit schlechter ist, als die Zahlen zeigen.