Die Aktie des Spezialchemiekonzerns Clariant kletterte jüngst auf den höchsten Stand seit Winter 2007. Grund für die Hausse war eine aggressive Kauf-Empfehlung von Exane BNP, welche die Anleger scharenweise zu spekulativen Käufen motivierte. Laut dem zuständigen Analysten habe der Turnaround von Clariant eben erst begonnen. Er empfiehlt die Papiere im Vorfeld der 1. Quartalszahlen zu «Kaufen».

Studien bewegen die Kurse

Wird eine optimistische Unternehmensstudie von einem namhaften Analysten veröffentlicht oder die Aktie gar mit einem besseren Rating versehen, reagieren die entsprechenden Titel nicht selten mit Kursgewinnen. Das Gleiche gilt natürlich umgekehrt für ein «Downgrading», also wenn die Aktie etwa von «Halten» auf «Verkaufen» herabgestuft wird.

Für viele Anleger sind die Bewertungen der Analysten ein wichtiges Indiz für das Potenzial einer Aktie. Es lohnt sich daher, einen genaueren Blick auf die aktuellen Analystenlieblinge und die von den Experten verschmähten Aktien zu werfen.

Der derzeitige Analystenfavorit aus dem Swiss Leader Index (SLI) heisst Nestlé. Den Nahrungsmittelmulti mit Sitz in Vevey empfehlen nämlich fast 80% der Analysten zum Kauf. In der letzten Zeit machte bei Nestlé vor allem eine neue Konkurrenz in der Kaffee-Sparte Schlagzeilen. Ein ehemaliger CEO von Nespresso plant, eine billigere und umweltfreundlichere Kapselvariante für Nespresso-Maschinen herzustellen. Die Aktionäre zeigten sich jedoch unbeeindruckt vom neuen Rivalen.

Anzeige

Im Krisenjahr 2009 stellte Nestlé erneut ihre defensiven Qualitäten unter Beweis: Lediglich um 2% sank der Umsatz. Positiv für die Aktionäre ist auch die Dividendenerhöhung um 14%. Ein weiterer Pluspunkt: Das starke Wachstum in den Schwellenmärkten trägt zur Margenverbesserung bei.

An zweiter Stelle der Analystenlieblinge folgt der Uhren- und Luxusgüterkonzern Swatch Group. Bereits 2009 schloss Swatch besser als die Konkurrenz ab. Eine sehr hohe Eigenkapitalquote von 78% garantiert dem Anleger Stabilität. Für das laufende Jahr rechnet das Management gar mit Rekordumsatz und -ebit. Seit Jahresbeginn steigerten sich die Aktien um satte 30%, der SMI stieg in der gleichen Periode nur 5%.

Günstig bewertete Syngenta

Knapp hinter der Swatch Group landet der Agrochemiekonzern Syngenta mit gut 73% Kaufempfehlungen. Das Unternehmen ist Marktführer im Pflanzenschutz und kommt beim Markt für hochwertiges kommerzielles Saatgut auf Platz drei. Zwar haben sich die Aktien seit Juni 2009 unterdurchschnittlich entwickelt. Ungünstige Wetterverhältnisse, die Kreditkrise und Preisrückgänge bei Agrarprodukten machten Syngenta zu schaffen. Doch langfristig sprechen die steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln durch eine wachsende Weltbevölkerung sowie ein überproportionales Wachstumspotenzial in Schwellenländern für den Konzern. Syngenta wird derzeit mit einem erheblichen Bewertungsabschlag gegenüber der Konkurrenz gehandelt.

Den letzten Platz - gemessen an den Analystenkaufempfehlungen - nimmt der Sanitärtechniker Geberit ein. Lediglich einer von zwölf Analysten würde Valoren der Firma zukaufen. Die jüngst präsentierten Resultate vom Geschäftsjahr 2009 sind innerhalb der Erwartungen ausgefallen. Doch der Ausblick auf das laufende Jahr fällt zurückhaltend aus. Die Firma sieht erst ab 2011 eine Belebung der Bautätigkeit. Als Schwäche beurteilt der Sarasin-Analyst Oskar Schenker etwa die unausgewogene Umsatzverteilung von Geberit. Rund zwei Drittel der Verkäufe erzielt Geberit nämlich in der Schweiz, in Deutschland, Italien und Benelux.

Kleine am Tabellenende

Ebenfalls am unteren Tabellenende finden sich das Life-Sience-Unternehmen Lonza, die auf alternative Anlagen spezialisierte Vermögensverwalterin GAM, der Spezialchemiekonzern Clariant sowie der Versicherer Swiss Life. Auffällig ist: Diese Firmen machen jeweils nur rund 1% der Index-Gewichtung im SLI aus, sind also verglichen mit Nestlé oder der Credit Suisse Leichtgewichte. Analysten scheinen derzeit also mehr Gefallen an den Indexschwergewichten zu finden.