Solche Bewegungen ist man vom Genussschein des Basler Pharmakonzerns Roche nicht gewohnt: Anfang Dezember verlor der Titel mit über 3% so viel wie seit September 2006 nicht mehr. Grund dafür war die Entscheidung der US-Gesundheitsbehörde FDA, das Krebsmittel Avastin nicht für die Behandlung von Brustkrebs zuzulassen. Weil Avastin in Europa bereits die Bewilligung als Brustkrebsmittel erhalten hat, wurde der Beschluss der Behörden an der Börse entsprechend erstaunt registriert.

Dieser Rückschlag wirkte umso schwerer, weil sich die Aktie erst kurz zuvor von einem in der zweiten Oktoberhälfte erfolgten Kursverlust erholt hatte. Damals verlor sie über 10% an Wert und stand bei 190 Fr. Aktuell steht der Titel wieder bei 204 Fr.

Novartis marginal besser

Für einmal konnten dafür diejenigen Investoren ein wenig profitieren, die der Roche-Konkurrentin Novartis die Treue halten. Seit Mitte November legte der Titel um gut 10% auf zuletzt rund 65 Fr. zu. In den letzten sechs Monaten verlor die Novartis-Aktie rund 5%, der Roche-Titel 6%.

Im Langzeitvergleich hingegen schneidet Roche klar besser ab: Seit 1998 legte der Genussschein um 45% zu, während die Novartis-Aktie mit 65 Fr. jetzt wieder genau auf dem Stand von 1998 steht.

Auch bezüglich der Zukunft der beiden Schweizer Pharmakonzerne sehen die Analysten bei Roche mehr Potenzial als bei Novartis. So empfehlen 29 von 38 beim Nachrichtenportal Bloomberg verzeichneten Branchenbeobachtern Roche zum Kauf. 5 bewerten das Unternehmen mit «Halten», 3 mit «Verkaufen». Novartis hingegen wird von 20 von insgesamt 39 Analysten empfohlen; 15 raten zu «Halten», 4 zum Verkauf.

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Gründe dafür gibt es mehrere. Erstens wird im Markt darüber gerätselt, wie lange Daniel Vasella noch am Doppelmandat als CEO und VR-Präsident festhalten will. Zweitens verzeichnete Novartis einige Schwierigkeiten, was die Zulassung oder Sicherheit von Medikamenten betrifft. Wichtige neue Produkte (wie das Diabetesprodukt Galvus) gelangen nun deutlich später auf den Markt, andere mussten wegen Todesfällen bei Patienten zurückgezogen werden.Und drittens ist Novartis im Vergleich zu Roche auch stärker davon betroffen, dass wichtige Umsatzträger ihren Patentschutz verlieren. Preisgünstigere Generika lassen in der Regel nicht auf sich warten – wodurch der Umsatz der Originalpräparate meistens empfindlich einbricht.

Willigt Ventana ein?

Doch auch bei Roche sind Fragen offen. Ab Frühling 2008 muss der aktuelle Diagnostikdivisionsleiter Severin Schwan beweisen, dass er das Unternehmen als neuer CEO weiter vorwärtsbringen kann. Zudem ist noch nicht klar, ob die Basler das US-Diagnostikunternehmen Ventana übernehmen können – Ventana stuft die Offerte von 3 Mrd Fr. noch als zu wenig attraktiv ein. Für Roche könnte Ventana aber eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen seinen beiden Firmenbereichen Pharma und Diagnostik werden.