Es ist ein Trio mit klingenden Namen, das sich mit José Filomeno de Sousa dos Santos zusammengetan hat. Der Zürcher Staranwalt Thomas Ladner, Ex-Entwicklungshilfe-Chef der Schweiz Walter Fust und Alt-Bundesratssohn Ernst Brugger sitzen mit dem Sohn des Präsidenten Angolas in einer Stiftung zum Wohle Afrikas. Doch das soziale Engagement wird nun zur Belastung. Denn dos Santos – in seiner Heimat schon als nächster Präsident gehandelt – gerät jetzt wegen Korruption in juristisches Zwielicht. In diesem Verfahren ist auch die schweizerische Bundesanwaltschaft aktiv geworden, wie «20 Minuten Online» berichtete.

Am 19. Mai hatte das Bundesstrafgericht in Bellinzona gegen José Filomeno dos Santos und weitere Parteien entschieden. Deren Anwälte hatten eine Aufhebung von Kontosperren bei Banken in Zürich und Lugano gefordert, die durch die Bundesanwaltschaft verhängt worden waren. Die nationale Strafermittlungsbehörde war aufgrund einer Anzeige der Eidgenössischen Meldestelle für Geldwäscherei aktiv geworden.

Ermittlungen in Spanien

Bei einem der wirtschaftlich Berechtigten der betroffenen Konten handelt es sich um José Filomeno dos Santos. Die Schweizer Ermittler führten Hausdurchsuchungen bei privaten und bei Unternehmen in Zug und Lugano durch. Gemäss Gerichtsunterlagen hält es die Bundesanwaltschaft für möglich, dass die auf den Konten beschlagnahmten Gelder für Korruption in Angola gebraucht wurden. Das Schweizer Verfahren steht im Zusammenhang mit Ermittlungen in Spanien, wo im Frühling zugunsten von dos Santos entschieden wurde, die Ankläger aber gegen den Freispruch rekurrierten.

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Die Korruptionsvorwürfe passen schlecht ins Bild, das die renommierten Schweizer Persönlichkeiten vom angolanischen Präsidenten-Filius zeichnen. Der Mittdreissiger, in seiner Heimat nur «Zenú» genannt, verkörpert das moderne Angola. Dieses hat vermeintlich nichts am Hut mit Korruption und Unterdrückung, von der die Non-Profit-Organisation Transparency International in ihren Statistiken erzählt. Dort gehört Angola seit Jahren zu den Schlusslichtern.

Am stärksten ins Zeug für Zenú legt sich Thomas Ladner, umtriebiger Zürcher Anwalt mit eigener Vermögensverwaltung (siehe Kasten) und breitem Beziehungsnetz. Er spinnt unter anderem die Fäden im Club zum Rennweg, einer Vereinigung von Businessleuten und Medienchefs ab 30, die im Vergleich zum Old-Boys-Netzwerk der Top-Shots in den Schweizer Multis ihre Beziehungen viel offensiver und unverkrampfter pflegen.

Der 43-jährige Ladner gilt als blitzgescheit. Er machte Karriere bei Meyer Lustenberger, einer der renommiertesten Wirtschaftskanzleien auf dem Platz Zürich, wo er 2009 Partner wurde und für die er heute immer noch aktiv ist.

Mit Zenú ist der Anwalt freundschaftlich verbunden. Von bester Adresse aus am Bellevue bei der Zürcher Seebrücke agiert Ladner als Sekretär der Afrikanischen Innovations-Stiftung, die vor zwei Jahren vom Angola-Präsidentensohn zusammen mit anderen ins Leben gerufen worden war. Für Ladner ist klar, dass sich dos Santos nichts hat zuschulden kommen lassen. «Die Aufregung um dos Santos ist meines Erachtens ein Sturm im Wasserglas», sagt Ladner. «Ein spanisches Gericht entlastete ihn im März zu 100 Prozent, aber weil der spanische Staatsanwalt dagegen Rekurs eingelegt hatte, bleibt der Fall dos Santos auch bei der Schweizer Bundesanwaltschaft pendent.» Dass Ladner Angolas Präsidentensohn die Treue hält, ist aber nicht ungefährlich. Das eigene Renommee steht bei der Beziehung auf dem Spiel. Offenbar aber ist der Anwalt davon überzeugt, dass es dem jungen Angolaner ernst ist mit Reformen in seiner durch den jahrelangen Bürgerkrieg und die grassierende Korruption niedergewirtschafteten Nation.

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Dort herrscht seit über 30 Jahren Zenús Vater José Eduoardo dos Santos, hinter Muammar Gaddafi amtsältester Machthaber auf dem afrikanischen Kontinent. Sein Leistungsausweis ist wenig berauschend. Trotz Rohstoffboom merkt die Bevölkerung des ölreichen Landes bislang nichts von den Deviseneinnahmen, die reichlich ins Land fliessen. Die Einkommen sind extrem ungleich verteilt. Im Human Development Index der UNO – einem Wohlstandsmassstab – liegt Angola hinter Ländern wie Burma, Bangladesch, Mauretanien oder Uganda zurück.

Zenús Schweizer Innovations-Stiftung setzt sich in diesem schwierigen Umfeld hehre Ziele. Sie hat sich gemäss Handelsregistereintrag unter anderem «die Förderung von transparenten Verfahren und Abläufen im öffentlichen Sektor» auf die Fahne geschrieben und versucht, «der Korruption im privaten und öffentlichen Sektor Einhalt zu gebieten». Von einem Risiko für sich selbst will Jurist Ladner nichts wissen. «Was ich als Sekretär für die gemeinnützige Stiftung tue, in welcher neben namhaften Schweizer Persönlichkeiten auch dos Santos Stiftungsrat ist, ist transparent und hat Hand und Fuss», sagt er. «Das», so der Staranwalt bestimmt, «kann meinem Ruf nicht schaden».

«Vorwürfe unhaltbar»

Erster Stiftungspräsident nach der Gründung vor zwei Jahren war Ernst Brugger, Sohn des gleichnamigen ehemaligen Bundesrats und bekannter Berater mit Mandaten von öffentlichen und privaten Organisationen. Gemäss seiner Homepage legt er einen «Schwerpunkt auf die praktische Anwendung von Nachhaltigkeitsprinzipien in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik». Brugger sagte letzten Herbst, als die «Handelszeitung» seine Verbindungen zu Angola publik gemacht hatte, über den Präsidentensohn: «José dos Santos ist es ernst mit der Korrup­tionsbekämpfung, er spricht nicht nur in Europa über den nötigen Wandel, sondern steht auch in Angola hin und steht für die Reformen ein.»

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Nur wenige Monate später gab Brugger das Präsidium der Innovations-Stiftung ab, ist aber bis heute Mitglied des Stiftungsrates geblieben. «Mein Rücktritt vom Präsi­di­um hat nichts mit den Ermittlungen gegen Co-Stifter dos Santos zu tun», nimmt Brugger diesmal Stellung. «Mir wurde die Aufgabe zu zeitintensiv, zudem braucht es aufgrund des Zwecks der Stiftung einen breiteren Afrika-Rucksack.» Allerdings hat sich der Stiftungszweck seit Beginn nicht verändert, wie aus dem Handelsregister hervorgeht. Weshalb plötzlich ein anderer Rucksack an der Spitze gefragt sein sollte, ist nicht ersichtlich. Bruggers Nachfolger ist mit Walter Fust eine Grösse der Schweizer Entwicklungshilfe. Er war bis 2007 langjähriger Chef des Deza, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit.

Auch Fust hält grosse Stücke auf José dos Santos. Er habe den Angola-Präsidentensohn als Mitglied im Stiftungsrat kennen und schätzen gelernt. Der junge Afrikaner ist laut Fust überzeugt, dass Innovation und neue Technologien für Afrika zugänglich werden müssten und dass diese wesentlich zur nachhaltigen Entwicklung auf dem Kontinent beitragen könnten. Dos Santos hat sich, wie Fust weiter ausführt, «an den Sitzungen mit interessanten Ideen und Entwicklungsansätzen eingebracht».

Fust, der nach seinem Ausschied bei der Deza mit eigenen Projekten in der Entwicklungsarbeit tätig ist, scheint den Korruptionsvorwürfen wenig Glauben zu schenken. Von den «Gerüchten und Meldungen über einen Verdacht von Geldwäscherei betreffend eines seiner Unternehmen habe ich kürzlich erfahren und mich informieren lassen», sagt Fust dazu. Ihm sei aber mitgeteilt worden, dass derartige Vorwürfe unhaltbar seien. Eigene Abklärungen hielt Fust für unnötig.

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