Das nervenaufreibende Auf und Ab an der Schweizer Börse hat in den vergangenen Monaten zahlreichen Anlegern die Lust auf Aktien gründlich verdorben. Sie haben den Aktienmärkten den Rücken gekehrt und sind stattdessen in andere Anlageklassen wir Cash oder Immobilien ausgewichen.

Crashprophet rät zum Kauf

Angesichts der Tatsache, dass im derzeit negativen Umfeld praktisch alle Unternehmenspapiere abgestraft und abgestossen werden, ergeben sich für langfristig orientierte Investoren aber auch interessante Einstiegsgelegenheiten. So empfiehlt etwa Börsenguru und Crashprophet Marc Faber zwar durchaus den Kauf von physischem Gold oder eine Anlage in Depositen. «Daneben würde ich aber auch in defensive Unternehmensaktien investieren, auch wenn es kurzfristig zu einem Kursrückschlag kommen kann», sagt der Börsenprofi.

Auch Value-Investor Peter Lehner lässt sich durch turbulente Aktienmärkte nicht abschrecken und sucht selbst in unwirtlichen Zeiten nach Anlageperlen.

Zu diesen defensiven Perlen gehören die sogenannten Substanzwerte. Firmen also, die über eine hohe Liquidität (Net Cash Position) und eine solide Bilanz verfügen sowie eine ansprechende Dividendenrendite erzielen. «Die Dividendenrendite muss aber mit Vorsicht genossen werden, schliesslich ist diese von der Aktienkursentwicklung abhängig», gibt Patrick Laager, Analyst bei der Bank Vontobel, zu bedenken. So steigt, wenn eine Aktie deutlich an Wert einbüsst, entsprechend die Rendite.

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Kennzahlen können täuschen

Neben Liquidität und Dividende spielen aber auch die Kennzahlen eine entscheidende Rolle. Damit es sich um einen interessanten Wert handelt, sollte das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) unter dem Branchendruchschnitt liegen. Ein weiterer Faktor, der bei der Suche nach «sicheren» Aktien behilflich sein kann, ist das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Berücksichtigt man die erwähnten Grössen, so schwingen der Anlagen- und Maschinenbauer Tornos, die Elektronikgruppe Carlo Gavazzi und der Handels- und Industriekonzern Walter Meier AG oben auf (siehe Tabelle). Als Grundlage dienen die für 2008 geschätzten Daten der Bank Vontobel für die Unternehmen des Swiss Performance Index.

Überraschen dürfte dabei die Spitzenposition von Tornos, schliesslich hat die Firma im laufenden Jahr schwache Zahlen präsentiert und agiert in einem schwierigen Umfeld. Der Grund für das vermeintlich gute Abschneiden das Maschinenbauers dürfte denn auch eher mit der stark negativen Kursentwicklung zusammenhängen. Tornos hat seit Anfang 2008 mehr als 50% an Wert eingebüsst, weshalb der erwähnte Dividendeneffekt zum Tragen kommt.

Liquidität über Marktwert

Interessante Werte stellen dagegen Carlo Gavazzi oder StarragHeckert dar. Die Elektronikgruppe Gavazzi besticht einerseits mit einer hohen Ausschüttung. Zudem sei Gavazzi mit einem KGV 08/09 von 7,5 eines der am tiefsten bewerteten Schweizer Unternehmen im Elektronik- und Elektrotechniksektor, wie Mark Diethelm, Analyst der Zürcher Kantonalbank, schreibt. Hinzu kommt, dass der Verkauf der Computing-Solution-Sparte ansteht, der als Kurstreiber fungieren könnte. Bei StarragHeckert kommt neben den guten Kennzahlen hinzu, dass das Unternehmen in boomenden Endmärkten aktiv ist und entsprechend über volle Auftragsbücher verfügt.

Auf der Suche nach weiteren interessanten Anlageperlen, kann schliesslich eine andere Kennzahl behilflich sein, nämlich der Vergleich der Marktkapitalisierung mit der Net-Cash- Position. Dabei sticht vor allem Schweiter hervor, mit einer Netto-Cash-Position, die über dem Marktwert des Unternehmens liegt. Stattlich fallen auch die Werte bei Metall Zug, Conzzeta und Schindler aus.

Wenn auch die Turbulenzen an den Aktienmärkten weiter anhalten: Für langfristige Anleger lohnt sich ein Blick auf die Substanzperlen.