Während Aktien wegen der jüngsten Kursrally in aller Munde sind, ist es um die Rohstoffmärkte zuletzt ruhig geworden. Über Gold etwa spricht in diesen Tagen kaum noch jemand.

Weil der drohende Kollaps des Finanzsystems erst einmal abgewendet wurde und Inflation vorerst keine Rolle spielt, hat die Nachfrage nach Gold-Investments stark nachgelassen. Das als «sicherer Hafen» oder «Fluchtwährung» bezeichnete Edelmetall ist in Zeiten sich aufhellender Stimmung einfach nicht mehr «in».

1000 Dollar in Reichweite

Umso bemerkenswerter ist, dass sich die Feinunze ist den vergangenen Wochen vergleichsweise stabil präsentiert hat. Die runde und für viele Anleger damit psychologisch wichtige 1000-Dollar-Marke ist unverändert in Reichweite, und wird nach Meinung von Analysten der Credit Suisse in den kommenden Monaten auch überwunden. Anhaltend niedrige Realzinsen sowie ein schwacher Dollar werden als Argumente für ein bevorstehendes Gold-Comeback angeführt.

Anzeige

Auf Jahressicht prognostizieren die Rohstoffexperten ein Preisniveau von 1100 bis 1200 Dollar. Kurzfristig unterstütze zudem die Saisonalität. Denn in den Monaten August und vor allem September kam es in den vergangenen Jahren zu den durchschnittlich stärksten Preisanstiegen des Edelmetalls. Das ist auch ein Grund, warum der renommierte Börsenbrief «Der Wellenreiter» sogar einen schnellen Anstieg auf 1300 Dollar für möglich hält.

Dollar bereitet Probleme

Abgeleitet wird dieses Kursziel aus einem charttechnischen Muster, das sich «Tasse-Henkel-Formation» nennt. Als Voraussetzung für eine solch fulminante Gold-Rally nennen die Redakteure allerdings eine Fortsetzung der aktuellen Dollar-Schwäche. Dieser häufig zu beobachtende Gegenlauf von Goldpreis und US-Währung wird für Investoren zum Problem. Weil das Edelmetall in Dollar notiert, die meisten Anlegerkonten aber in Euro geführt werden, wirkt sich ein fallender Dollar bei der Umrechnung negativ auf die Performance aus. Abhilfe schaffen sogenannte Quanto-Produkte, bei denen der Emittent den Währungseinfluss eliminiert. Die vom Anleger dafür zu zahlende Gebühr liegt aktuell zwischen rund 3 und 5% pro Jahr und wird täglich in den Kursen verrechnet, was auf Dauer ebenfalls dazu führt, dass die Kurse etwas von der Goldpreisentwicklung abweichen.

Bei kurzfristigen Spekulationen auf einen schnellen Anstieg des Edelmetalls hält sich dieser Einfluss aber in Grenzen. Erst recht, wenn Investoren auf Produkte setzen, mit denen sich die Kursbewegungen bei Gold noch hebeln lassen. Wer komplett ohne Hebel und Knock-out-Gefahr auf einen Goldpreisanstieg spekulieren will, findet in Quanto-Trackern eine mögliche Alternative.

Vorsicht mit Hebelprodukten

Fazit: Der schwache Dollar, niedrige Zinsen, ein aussichtsreicher Chart sowie die «traditionell» freundlichen Sommermonate sprechen für einen kurzfristig steigenden Goldpreis. Geht die Spekulation auf, lassen sich etwa mit Hebelprodukten die Gewinnchancen überdurchschnittlich steigern. Aber auch die Verluste. Deshalb Vorsicht: Im vergangenen Jahr versagte der «Saison-Indikator» und Gold verbuchte zwischen August und September sogar Verluste.