Die Turbulenzen an den Aktienmärkten, die Rezessionsängste und die Sorgen um eine Ausweitung der Kreditkrise geben der Schweizer Obligationenbörse Auftrieb. Doch die Anleger bleiben selektiv, gefragt sind in erster Linie Schuldner mit erstklassiger Bonität und Obligationen mit kurzen Laufzeiten. «Die Flucht in die Qualität geht weiter», sagt Peter Jeggli, Partner des unabhängigen Bonitäts-Research-Unternehmens Independent Credit View.

Verstärkt wird das Qualitätsbewusstsein der Anleger auch durch die Schwierigkeiten der Kreditversicherer. Der drohende Konkurs von Anleihenversicherern wie MBIA und Ambac gefährdet die Absicherung von Anleihen über 2400 Mrd Dollar. Beunruhigt wurde zur Kenntnis genommen, dass die Ratingagentur Fitch Ambac das «AAA»-Rating und damit die Geschäftsgrundlage entzogen hat.

Qualität ist teuer

Der «Run» auf Qualitätsanleihen hat allerdings auch die Kurse der Staatsanleihen stark ansteigen lassen. Deshalb bevorzugt etwa Thomas Steinemann, Chefstratege der Vontobel-Gruppe, supranationale Anleihen mit höchster Bonität, wie beispielsweise Anleihen der Weltbank. Diese würden derzeit mit einem grossen Zinsaufschlag zu den Staatsanleihen gehandelt, hätten jedoch die gleich hohe Bonität.

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Für den Kauf von Schweizer Staatsanleihen scheint aber noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen. «Die Kurse sollten zuerst noch etwas sinken, was der Fall sein könnte, wenn sich die Aktienmärkte etwas stabilisieren», sagt Karsten Linowsky, Bondstratege der Credit Suisse.

Zinsanstieg in der Schweiz

Für die Kurse der Staatsobligationen ist vor allem die Zins- und Inflationsentwicklung wichtig. «Je länger die Krise andauert, desto stärker sinken die Zinsen», so Linowsky.

In der Schweiz rechnet der CS-Stratege jedoch eher mit steigenden Zinsen, was negativ für den Bondmarkt wäre. Auch die Analysten von Lombard Odier Darier Hentsch (LODH) erwarten höhere Langfristzinsen und steigende Inflation. Wie auch die meisten anderen Banken, empfiehlt LODH deshalb eher kurze Laufzeiten.

Neben den Staatsanleihen sind auch Bonds hoch im Kurs, die mit einem hohen Rating versehen sind. Anleger kaufen vermehrt defensive Papiere, also etwa Obligationen aus der Konsumgüter- oder Gesundheitsbranche. Dabei kommt es auch zu grösseren Umschichtungen aus Anleihen im Finanzsektor. Die Anleger sind bei Emissionen von Banken sehr zurückhaltend und der Sektor hat am stärksten korrigiert.

«Die Risikoprämien einiger Bankanleihen handeln bereits auf BBB-Niveau, das heisst, die Anleger nehmen Rückstufungen der Bonität von einem durchschnittlichen AA-Niveau auf BBB vorweg», erklärt Jeggli. Auffallend sei, dass gewisse Banken heute mehr für ihre Kreditaufnahme zahlen müssten als Industrie-Schuldner. «Entweder ist dies ein Zeichen eines Finanzzusammenbruchs oder eine Übertreibung mangels Transparenz und fehlenden Vertrauens.» Jeggli denkt daran, solche Übertreibungen selektiv auszunutzen. Er sieht erste Chancen für den langfristig orientierten Value-Investor, seine Favoriten sind ING, BNP und JPMorgan.

Meiden würde er dagegen zyklische Titel, bei denen die Korrektur erst am Anfang stehe. «Die Banken haben sich im Hypothekarkredit-Bereich die Finger verbrannt und werden restriktiver in der Kreditvergabe», so Jeggli. Von der kommenden Kreditklemme wären dann zuerst hochverschuldete Firmen mit zyklischen Erträgen betroffen.

Mehr Ausfälle im Jahr 2008

Die Anleihenmärkte signalisieren für 2008 bereits einen klaren Anstieg der Ausfallraten. Die Ratingagenturen rechnen ebenfalls mit steigenden Ausfällen. Es wird vor allem jene Anleihen treffen, deren Bonität bereits sehr tief eingestuft ist. Die Ratingagentur Moodys erwartet für diese sogenannten High-Yield-Anleihen 2008 weltweit eine Ausfallrate von 4,8%, nachdem diese im Jahr zuvor nur 0,9% betragen hatte.