Die Probleme der Deutschen Bank haben den Schweizer Franken als sicheren Hafen wieder in der Gunst der Anleger steigen lassen und ihn am Freitag auf den höchsten seit zwei Monaten gehievt. Ein Euro kostet aktuell 1,0830 Franken. Am Donnerstag war die Gemeinschaftswährung noch für 1,09 Franken zu haben. Sollte die Landeswährung weiter anziehen, würde wohl die Schweizerische Notenbank (SNB) am Devisenmarkt eingreifen, schätzen die Analysten der Berner Bank Valiant.

Die Sorgen um die Deutsche Bank hätten zu einer Fluchtbewegung in den Franken geführt, schrieb Valiant in ihrem täglichen Kommentar. «Dabei geht es nicht mehr direkt um die Frage, ob und wie das Institut die Zahlung der aus den USA drohenden Monsterstrafe stemmen kann, sondern um vorsorgliche Guthabenrückzüge.»

SNB könnte invervenieren

Dass der Franken noch viel weiter steige, erwarten die Analysten nicht. «Einer stärkeren Franken-Aufwertung dürfte die SNB schon sehr bald entgegenwirken und zudem sind verbale Beruhigungspillen der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der deutschen Regierung zu erwarten.»

Die Deutsche Bank betonte, ihre Finanzlage sei solide, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Rückzug einiger Grosskunden berichtet hatte. Deutsche-Bank-Chef John Cryan rief die Mitarbeiter des Instituts dazu auf, trotz der Marktturbulenzen Ruhe zu bewahren.

Aktienkurs abgestürzt

Die Nachricht vom Rückzug mehrerer Hedgefonds aus den Aktien des Unternehmens schickte den Börsenkurs auf Talfahrt. An der Frankfurter Börse brach die Aktie am Freitag zum Handelsstart um fast 7 Prozent ein. Zeitweise stürzte der Aktienkurs unter die psychologisch bedeutsame Marke von 10 Euro ab. 2007 war das Papier noch über 100 Euro wert gewesen.

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Die Deutsche Bank steht derzeit unter anderem wegen einer drohenden Milliardengeldbusse in den USA unter Druck. Das US-Justizministerium hat wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren 14 Milliarden Dollar gefordert – die Deutsche Bank hält dies für viel zu hoch und geht von einer deutlich niedrigeren Summe aus.

Gerüchte über Staatshilfen

Weil die Rücklagen des Finanzunternehmens für Rechtsstreitigkeiten nur etwa 5,5 Milliarden Euro betragen, gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Gerüchte über Pläne für Staatshilfen. Unternehmenschef John Cryan wies dies am Mittwoch in der «Bild»-Zeitung zurück.

Auch eine Kapitalerhöhung schloss er zum jetzigen Zeitpunkt aus. Die Frage stelle sich derzeit nicht; die Situation der Deutschen Bank sei besser, als sie derzeit von aussen wahrgenommen werde. Derweil dementierte die deutsche Regierung, an einem Rettungsplan für die Deutsche Bank zu arbeiten.

(awp/mbü)