Rosarot ist derzeit die angesagteste Farbe an der Börse. Denn so sieht man dort die Welt. Der Swiss Market Index (SMI) hüpfte zu Wochenbeginn mit Elan über die Marke von 7775 Punkten. Gleichzeitig sank der Volatilitätsindex VSMI, der auch gerne als Angstbarometer bezeichnet wird, deutlich ab (siehe Grafik).

Risikofaktor Ölpreis

Doch dieser Überschwang könnte trügerisch sein. Besonders nachdenklich machen sollte, dass warnende Worte derzeit sogar von notorischen Optimisten kommen. Holger Schmieding, Chefvolkswirt für Europa der Bank of America, ist so einer, und er sagt: «Das Thema Ölpreis kommt mir bisher zu kurz.» Es sei erstaunlich, wie wenig darüber noch geredet werde, obwohl der Preis von Rekord zu Rekord eile. Noch vor wenigen Monaten löste die Vorstellung eines Preises von 100 Dollar je Barrel (159 l) allenthalben Schweissausbrüche aus, jetzt geben sich die Börsianer sogar bei 125 Dollar weitgehend sorglos.

Ähnlich sieht Schmieding das Problem des starken Euro. Zwar ist er von seinem Rekordstand bei 1.60 Dollar wieder etwas zurückgekommen. «Dennoch ist der gegenwärtige Wechselkurs eine erhebliche Wachstumsbremse.» Das Vertrackte daran: Bis die Auswirkungen sowohl des teuren Öls als auch des schwachen Dollar sich in den Wirtschaftsdaten niederschlagen, vergehen sechs bis neun Monate. «Die aktuelle gute Lage spiegelt also die Kurse vom letzten Jahr wider.» Anders ausgedrückt: Falls Öl so teuer und der Euro-Kurs so hoch bleiben, könnte dies im Herbst zu einem drastischen Einbruch der Konjunktur führen – und somit auch der Aktienmärkte.

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Geldpolitik beflügelt die Märkte

Doch warum blenden die Börsianer diese Gefahren derzeit offenbar völlig aus? «Die einzige Erklärung für die gute Stimmung sind das starke Geldmengenwachstum und die niedrigen Geldmarktzinsen, die zwar nicht die reale Wirtschaft, wohl aber die Finanzmärkte beflügeln», sagt Eberhardt Unger vom Analysehaus Fairesearch. Die Zinssenkungen in den USA konnten also bisher zwar nicht verhindern, dass die Wirtschaft jenseits des Atlantiks in die Rezession gefallen ist, sie machen jedoch Anlagen in festverzinsliche Papiere so unattraktiv, dass die Investoren wieder auf Aktien setzen. Diese Tendenz könnte kurzfristig sogar noch anhalten. «Wenn in Deutschland beispielsweise der Dax die Widerstandslinie bei 7200 Punkten nach oben durchbricht, halte ich auch eine Hausse bis auf 7350 Punkte für möglich», sagt Mathieu Driol, technischer Analyst bei Click Options, einem deutschen Internetbroker für Derivate.

Anleger sollten vor diesem Hintergrund daher nun nicht in Panik verfallen und verzweifelt versuchen, auf den Zug aufzuspringen. Vieles spricht dafür, dass die Kurse nach einer Zwischenrally in einigen Monaten wieder sinken und sich dann interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten. Sie können jedoch die kurzfristigen Tradingchancen nutzen. Dazu bieten sich vor allem solche Papiere an, die mit einem hohen Hebel die Wirkung von Kursanstiegen vervielfachen. Dazu gehören beispielsweise sogenannte Knock-out-Zertifikate. Sie vervielfachen («hebeln») die Kursentwicklungen des Basiswerts. Steigt der Basiswert SMI beispielsweise, so legen sie in ihrem Wert um ein Vielfaches zu. Sinkt er allerdings, verlieren sie ebenfalls um ein Vielfaches. Und mehr noch: Sinkt der Index unter eine bestimmte festgelegte Schwelle, verfallen die Papiere wertlos. Je näher der SMI an der jeweiligen Schwelle liegt, desto grösser sind die Gewinnchancen – umso grösser ist aber eben auch das Risiko des Totalverlusts.

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Interessante Bonuspapiere

Weniger interessant sind dagegen derzeit Discount-Papiere. Denn da die Schwankungen an den Märkten relativ gering sind, sind auch die Abschläge im Verhältnis zum Basiswert, den diese Papiere bieten, derzeit eher klein. Interessanter sind dann schon Bonus-Papiere. Sie bieten einen bestimmten Mindestbetrag zum Laufzeitende. Dieser wird jedoch nur ausbezahlt, wenn der Basiswert bis dahin nie eine bestimmte Grenze unterschreitet. Den Abstand zu dieser Untergrenze sollten Anleger jedoch relativ grosszügig bemessen, denn im Januar dieses Jahres erlebten schon einmal hunderttausende Investoren, dass Aktienkurse auch einmal ganz rasant einbrechen können und dann plötzlich die Barriere gerissen wird. Geschieht dies, ist der Bonus verloren, das Papier bildet dann nur noch den Basiswert eins zu eins ab. Und dann kann die Farbe Rosarot schnell durch ein tiefes Rot ersetzt werden.

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