Die Kauflaune am Markt für Unternehmensanleihen hält weiter an. Aufgrund der im März gestarteten Erholungsrally sind die Renditen für Investment-Grade-Bonds jedoch inzwischen vom zweistelligen Bereich auf magere 4,5% gesunken. Was Anleger ärgert, freut die Unternehmen. Denn sie nutzen das niedrige Zinsniveau, um sich am Anleihenmarkt günstig mit Kapital zu versorgen. Sie stellen ihre Finanzstruktur auf eine breitere Basis und kompensieren die restriktivere Kreditvergabe der Banken.

2008 lag der Gesamtmarkt für Unternehmensanleihen bei 866 Mrd Euro. In diesem Jahr wurden bereits Bonds im Umfang von 1,31 Billionen Euro emittiert - allein in Europa waren es 280 Mrd Euro. Gleichsam schrumpfte das Volumen der weltweit vergebenen Bankkredite von 2,5 (2008) auf 1,08 Billionen Euro. Derzeit müssen Emittenten zudem auch keine Angst haben, auf ihren Papieren sitzen zu bleiben. Denn noch immer ist viel Liquidität im Markt, die angelegt werden muss. Die Neuemissionen der vergangenen Monate wurden deshalb regelmässig stark überzeichnet. Anleger, die während der vorbörslichen Platzierung nicht zum Zuge kamen, griffen spätestens am 1. Handelstag zu. Bis heute treibt das die Kurse und lässt die Renditen der Neuemissionen sinken. Die Party am Markt für Unternehmensanleihen lässt zunehmend warnende Stimmen laut werden, die eine Blase aufziehen sehen.

Schrottanleihen sind attraktiv

Doch die Attraktivität der High Yields hat einen einfachen Grund: Junk-Bonds (Schrottanleihen) bieten trotz der zurückliegenden Kursrally noch immer einen Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen von rund 8%. Allerdings wird das Renditeplus durch höhere Ausfallrisiken erkauft. Die Ratingagentur Standard & Poors beziffert dieses auf knapp 10%.

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Mark Pearce, Investmentspezia-list bei Threadneedle, greift gerne zu: «Wir denken nicht, dass derzeit die Gefahr einer Blasenbildung besteht oder dass High Yields bereits teuer sind.» Trotz der Rally liegen die aktuellen Renditeaufschläge noch immer über dem Langzeitmittelwert von 7,32%. Auch für Kevin Mathews, Fondsmanager des Fonds F&C European High Yield, ist der Markt weiterhin attraktiv: «Sowohl in Europa als auch in den USA ist das Anspringen des Emissionsmarkts ein positives Zeichen. Deshalb rechnen wir für das kommende Jahr mit einer etwas niedrigeren Ausfallrate.» Die Aussichten für den Hochzinsmarkt sind folglich gut. Lediglich kurzfristig orientierten Anlegern könnte laut Detlev Kleis, Fondsmanager der UBS, noch Unbill drohen: «Nach einer derartigen Rally sind Korrekturen einfach nicht auszuschliessen.»

Investment Grade mit Qualität

Und wie sieht es im Segment der Investment-Grade-Anleihen aus? Hier sollte die rege Emis- sionstätigkeit nun allmählich nachlassen, wie Max Baumann, Fondsmanager bei HSBC, sagt: «Die grossen Unternehmen sind weitestgehend refinanziert.» Lediglich im Automobilsektor könnte es hier noch zu nennenswerten Neuemissionen kommen. Ansonsten liegt der Fokus der Anleger derzeit auf der laufenden Berichtssaison. HSBC-Experte Baumann relativiert jedoch die positiven Resultate: «Die guten Quartalsergebnisse kommen überwiegend von der Kostenseite. Die Sparprogramme der Konzerne zeigen Wirkung. Dass die Erwartungen übertroffen werden, ist daher kein Beleg für eine Erholung.»

Deshalb stellt sich die Frage, ob das derzeitige Kursniveau noch gerechtfertigt ist. Detlev Kleis von der UBS meint ja: «Noch zu Jahresbeginn boten europäische Investment-Grade-Bonds einen Renditeaufschlag (Spread) von 4,5% gegen-über Staatsanleihen. Durch die Rally sind die Spreads auf 2% gesunken. Dennoch liegen die Renditen damit noch immer auf früheren Rezessionsniveaus.» Kurzfristig dürften Anleger wegen des niedrigen Zinsumfelds wohl kaum mehr als die Kuponrendite erzielen. «Aufgrund des Renditevorsprungs gegenüber Staatsanleihen bleiben Investment-Grade-Corporates aber dennoch attraktiv», so Baumann. Die Kauflaune am Markt sollte daher anhalten.

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