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Nachhaltigkeit
Anleger investieren in nachhaltige Infrastrukturprojekte

Strassen und Brücken
Infrastruktur: Eine leistungsfähige und nachhaltige Infrastruktur ist die Grundlage für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Quelle: Getty Images

Anleger können mit Investitionen in nachhaltige Infrastrukturprojekte attraktive Renditen, Diversifikation sowie sozialen, ökonomischen und ökologischen Nutzen realisieren.

Von Patrick Scheurle*
am 20.03.2018

Kürzlich hat die Europäische Kommission ihren Aktionsplan für eine umweltfreundlichere und saubere Wirtschaft und ein nachhaltiges Finanzwesen vorgestellt. Er gründet auf der Erkenntnis, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens sowie ein nachhaltiges Wachstum nur mithilfe von zusätzlichen Investitionen aus dem privaten Sektor erreicht werden können. In diesem Zusammenhang misst die EU der Förderung von nachhaltiger Infrastruktur eine besondere Bedeutung zu. Denn eine leistungsfähige und nachhaltige Infrastruktur ist die Grundlage für wirtschaftlichen Aufschwung, bessere Lebensbedingungen sowie ein wichtiger Schlüssel für den Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Infrastruktur umfasst alle Güter und Leistungen der Daseinsvorsorge, d.h. Strassen, Brücken, Tunnel, Häfen, Telekommunikation, Abfallverwertungs-, Trinkwasser-, Wasseraufbereitungs- sowie Stromerzeugungsanlagen. Unter nachhaltiger Infrastruktur versteht man Infrastrukturmassnahmen, die sozial, ökonomisch und umweltpolitisch nachhaltig und somit zukunftsfest sind. 

Immense Investitionslücke trotz öffentlicher Ausgaben 

Gemäss Schätzungen des Global Infrastructure Hubs, einer Initiative der G20 zur Stärkung privater und öffentlicher Infrastrukturbemühungen, sind bis 2040 weltweit USD 97 Billionen an Infrastrukturinvestitionen notwendig. Trotz immenser öffentlicher Ausgaben besteht hier eine Investitionslücke von rund USD 15 Billionen. Schätzungen des Beratungsunternehmens McKinsey gehen sogar von einer Investitionslücke von über USD 40 Billionen bis 2030 aus. Diese Lücke wiegt in Schwellen- und Entwicklungsländern besonders schwer, da sich die Nachfrage nach solchen Investitionen in dem kommenden Jahren in diesen Regionen konzentrieren wird. Angesichts des Ausmasses an notwendigen Infrastrukturinvestitionen und begrenzter öffentlicher Ressourcen kommt dem privaten Sektor daher eine wichtige Rolle zu. 

Infrastrukturinvestitionen weisen eine hohe Recovery Rate auf

Infrastrukturinvestitionen bieten Anlegern interessante Anlagemöglichkeiten, denn sie bieten Wettbewerbsvorteile aufgrund hoher Markteintrittsbarrieren sowie attraktive Renditen bei gleichzeitig hohen und stabilen Cashflows. Da sie zudem grösstenteils konjunkturresistent und inflationsgebunden sind, sowie eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen aufweisen, wie etwa Aktien oder Anleihen, können sie zur Diversifikation des Portfolios beitragen. Laut einer Studie von Standard & Poor‘s ist die Ausfallrate von Infrastrukturprojektfinanzierungen zudem geringer als die von Unternehmensanleihen. Zugleich weisen sie eine höhere Recovery Rate auf. In Entwicklungs- und Schwellenländern sind die Renditechancen besonders ausgeprägt. Dies liegt einerseits an den Marktbedingungen, aber auch an der aktiven Unterstützung durch die internationale Staatengemeinschaft, welche die Förderung nachhaltiger Infrastruktur zum gemeinschaftlichen Ziel erklärt hat. So gibt es ein grosses Potenzial an öffentlich-privaten Partnerschaften, die helfen, das Risiko-Rendite-Profil solcher Investments zugunsten privater Investoren zu verschieben. 
 

Vom Triple-bottom-Effekt mit nachhaltigen Infrastrukturprojekten profitieren

Investitionen in nachhaltige Infrastrukturprojekte sind ausserdem auch deshalb besonders attraktiv, da sie einen sogenannten Triple-bottom-Effekt haben: Finanzielle Renditen gehen einher mit einem direkten sozialen, ökonomischen und ökologischen Nutzen und helfen, die Wirtschaft eines Landes nachhaltig, klimaresistent und zukunftssicher aufzustellen. Dies ist gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern von Bedeutung, wo die Entwicklung der Infrastruktur vielfach noch in den Anfängen steckt. Richtig eingesetzt können Kapital und Expertise internationaler Investoren hier einen grossen Unterschied zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung machen. 
 
Da nachhaltige Infrastrukturprojekte um einiges komplexer sind als traditionelle, müssen Anleger genau auf die Projektauwahl, die Projektqualität und den damit verbundenen Risiken achten. Solche Risiken betreffen sowohl die Entwurfs- und Planungsphase als auch die Auftragsvergabe. Da nachhaltige Infrastruktur in der Regel neuere und effizientere Materialien und Technologien umfasst, können Entwicklungs- und Transaktionskosten vergleichsweise höher sein. Zudem ist der Erfolg von Infrastrukturmassnahmen grundsätzlich auch von einer Reihe von lokalen Einflussfaktoren sowie regulatorischen und politischen Gegenbenheiten und Veränderungen abhängig. Dies kann insbesondere bei Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern eine Herausforderung darstellen. Bei Anlagen in nachhaltiger Infrastruktur in Entwicklungs- und Schwellenländern sollten daher erfahrene Partner mit lokaler Präsenz ausgewählt werden. 
 
Patrick Scheure, CEO, BlueOrchard
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