An den Finanzmärkten ist die gute Laune der letzten Jahre definitiv vorbei. Bei jeder noch so kleinen negativen Nachricht sausen die Kurse nach unten. Insbesondere Gewinnwarnungen verzeihen Anleger Unternehmen nicht.

Nach Jahren, in denen das billige Zentralbankgeld die Börsen zu immer neuen Höhen verhalf, zeichnet sich seit längerem ein Ende des Booms ab. Entsprechend nervös reagieren Anleger auf schlechte Nachrichten. Seit Herbst gilt dabei die Regel, dass nicht erfüllte Erwartungen rigoros abgestraft werden. Für Gewinnwarnungen gilt sogar, dass sich Aktienkurse der betroffenen Unternehmen davon nicht mehr erholen.

Eindrückliche Beispiele dafür sind die Titel der Vermögensverwalterin GAM und des Baukonzerns Implenia.

Den ersten Absturz der GAM-Aktie verursachte eine Gewinnwarnung für das erste Halbjahr am 13. Juli. Der Kurs sackte an diesem Tag um 16 Prozent ab. Ende Juli, mit der Bekanntgabe des Halbjahresresultat folgte der nächste Rückschlag. Diesmal überraschte der Vermögensverwalter die Anleger mit der Nachricht der Suspendierung eines Fondsmanagers. Die Aktie gab um weitere 13 Prozent nach.

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In Stufen abwärts

Nach weiteren kleineren Rückschlägen folgte dann am 12. Dezember der eigentlich Absturz. GAM gab bekannt, dass für das Gesamtjahr ein Milliardenverlust erwartet werde. Innerhalb von zwei Tagen sackte das Papier weitere 40 Prozent ab. Damit büsste die Aktie seit Mitte Juli drei Viertel seines Werts ein, ohne je wieder eine Phase mit Gewinnen erlebt zu haben.

Das gleiche Schicksal erlitten auch die Papier von Implenia. In zwei Stufen gab die Aktie jeweils um rund 20 Prozent nach. Ende August sorgte eine Senkung des Ausblicks für einen Absturz. Anfang Dezember schickte eine weitere Gewinnwarnung die Aktie des Baukonzerns auf Talfahrt.

Eine Bestätigung der Regel liefern auch die Valoren des Milchverarbeiters Hochdorf, des Sanitärunternehmens Meier Tobler und eingeschränkt auch diejenigen des Chipherstellers AMS. Comet und insbesondere Autoneum jedoch tanzen da aus der Reihe.

Anton Affentranger, CEO Implenia, spricht an der Bilanzmedienkonferenz zum Jahresergebnis 2015 am Dienstag, 23. Februar 2016, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Implenia-Chef Anton Affentranger: In zwei Stufen gab die Aktie seines Unternehmens jeweils um rund 20 Prozent nach.

Quelle: KEYSTONE/Ennio Leanza

Autoneum tanzt aus der Reihe

So hat sich die Autoneum-Aktie nach einem Einbruch nach einer Gewinnwarnung Mitte Oktober danach vollständig wieder erholt und erreichte sogar höhere Kursstände als zuvor. Ob ihr das auch nach der neuesten Gewinnwarnung gelingt, muss sich zeigen.

Auch das Papier von Comet konnte nach dem Absturz nach Bekanntgabe des Halbjahresresultats bis Anfang Herbst ein Teil der Verluste wieder wett machen. Seit der Gewinnwarnung Anfang November geht es jedoch mit Comet fast nur noch abwärts.

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Bezeichnend dabei ist auch, dass alle erwähnten Aktien seit Jahresbeginn markant an Wert eingebüsst haben. Die Verluste bewegen sich zwischen -45 Prozent bei Comet und -77 Prozent, die GAM-Papiere weniger wert sind.

(awp/tdr/mbü)