SCHWELLENMÄRKTE . Früher waren die Aktien in Schwellenländern billiger als in den USA und reagierten anfällig bei Konjunkturschwächen in den Vereinigten Staaten. Schwellenländer-Bonds lockten mit saftigen Renditen, und eine schwache US-Wirtschaft drückte auf die Rohstoffpreise.

Mittlerweile wachsen etwa China, Indien und Russland trotz der Probleme in den USA rasch. Es scheint, als müsste das Weltbild der Investoren zurechtgerückt werden. Eine Umkehr der bisherigen Verhältnisse ist bei den Schwellenländeraktien festzustellen, die mittlerweile teurer gehandelt werden als die Titel der etablierten Märkte. Die Papiere im MSCI-Emerging-Markets-Index wurden in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,53 gehandelt. In einem MSCI-Index, der entwickelte Märkte weltweit abbildet, war es dagegen nur das 16,51-Fache. Vor drei Jahren lagen die Werte noch beim 12- beziehungsweise 18-Fachen. «Alle Regeln, die davon ausgehen, dass in erster Linie die USA die Märkte beeinflussen, geraten ins Wanken», sagt James Griffin von ING Investment Management. Der IWF schätzt, dass das Wachstum des Bruttoinlandprodukts in den USA in diesem Jahr von 2,9 auf 1,9% zurückgehen, im Rest der Welt aber genauso hoch bleiben wird wie im Vorjahr. Das Wachstum der etablierten Wirtschaftsräume wird auf 3,7%, hingegen das von Schwellenländern und sich entwickelnden Märkten auf 8,1% geschätzt.

Kopfschütteln als Reaktion

Ein Risiko ist jedoch, dass Investoren zwar alte Ansichten darüber, was Märkte antreibt, über Bord werfen, aber bei der Formulierung neuer Grundsätze überfordert sein könnten. Ein fünfjähriger Kreditschutz für brasilianische Staatsanleihen sei in der vergangenen Woche billiger als der für von Lehman Brothers oder Merrill Lynch ausgegebene Anleihen gewesen, berichtet Michael Gomez von Pacific Investment Management. «Wir sehen das Ganze noch mit Kopfschütteln. Wir müssen uns erst an die neue Realität gewöhnen.»

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