Anleihen werden von Anlegern als sichere Geldanlage geschätzt, aufgrund der geringen Renditechancen gelten sie jedoch als langweilig. Das könnte sich jedoch in den nächsten Monaten grundlegend ändern.

«Wir glauben, dass die Kreditmärkte momentan sehr fair bewertet sind und die ersten riskanteren Werte sein könnten, die sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten erholen werden», so Alexandre Ris, Senior Product Manager bei Pictet Funds.

«Die High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen werden als erste von der verbesserten Situation an den Finanzmärkten und der sich aufhellenden Wirtschaftslage profitieren», so Ris.

Bei Pictet geht man davon aus, dass der durchschnittliche Ertrag von hochverzinslichen Anleihen in den USA bei 20% und in Europa sogar bei 25% liegen könnte, sollten sich die Finanzmärkte stabilisieren. Dazu könnte auch eine Entspannung an den Kapitalmärkten beitragen. «Der Primärmarkt könnte sich, wenn auch sehr langsam, im 2. Quartal erholen, sollten die politischen Massnahmen effizient greifen», so Ris.

Doch auch bei zurückkehrender Liquidität, sollten nicht zu grosse Risiken eingegangen und nur in verständliche Produkte investiert werden. «Wir empfehlen ein Kernportefeuille aus Staatsanleihen und zur Diversifizierung, riskantere, aber hochrangige Unternehmensanleihen», so Pictet-Mann Alexandre Ris.

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Anleihen mit Staatsgarantie top

«Zwar sehen wir vor allem im Euro- und Pfund-Bereich im 1. Halbjahr noch Potenzial für Staatsanleihen, die Bewertung spricht aber ganz klar für Unternehmensanleihen», so Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin. Staatsgarantierte Bankanleihen, etwa der Royal Bank of Scotland, oder Anleihen, die von Staatsagenturen ausgegeben werden, versprechen laut den Sarasin-Experten die ersehnte Sicherheit und eine Rendite.

In diese zweite Kategorie fällt etwa die staatliche deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau KFW. «Diese Anleihen bieten praktisch den Schutz von Staatsanleihen, der Anleger profitiert aber dennoch von einer Prämie», so Bee.

«Wer sich mehr Rendite wünscht, für den dürften grosse Industrieunternehmen interessant sein», sagt Bee. Unternehmen etwa, die zwar unter der Krise leiden werden, aber nicht in ihrer Existenz gefährdet sind.

Die Autobauer BMW und Toyota etwa sind strukturell gut aufgestellt und können aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung notfalls auf die Unterstützung des Staates vertrauen.

Vorsicht bei Schwellenländern

«Sicherheitsorientierte Anleger sollten Anleihen mit Staatsgarantien gegenüber Staatspapieren vorziehen», so Thomas Wacker, Analyst bei der UBS. Staatspapiere sind derzeit durch die hohe Bewertung wenig attraktiv und könnten durch die zunehmenden Staatsschulden, speziell in den USA und den Staaten der EU, 2009 unter Druck geraten. «Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Kreditrating sind unser Favorit für Investoren mit einem Anlagehorizont von zwei bis drei Jahren», sagt Wacker von der UBS.

Trotz der sehr attraktiven Bewertungen wird derzeit von Anleihen aus Schwellenländern abgeraten. Diese Märkte könnten aufgrund von Währungsschwankungen unter einer sehr hohen Volatilität leiden. Allerdings könnte es sich auch hier lohnen, dem Segment nicht völlig den Rücken zu kehren. «Risikoreichere Anleihenklassen wie etwa Anleihen aus Schwellenländern oder High-Yield-Anleihen können im 2. Halbjahr, wenn das Vertrauen in den Wirtschaftsaufschwung zurückkehrt, interessant werden», so Bank-Sarasin-Ökonom Alessandro Bee.