Die Aktien von Nestlé stehen am Donnerstag klar unter Druck. Der Nahrungsmittelriese hat mit seinem Halbjahresabschluss die Erwartungen nicht erreicht. Analysten erwarten, dass der Druck auf das Management nun noch weiter steigen wird. Insbesondere das deutlich unter den Prognosen ausgefallene organische Wachstum sowie das leicht nach unten präzisierte Wachstumsziel für das Gesamtjahr belasten den Kurs.

Die Nestlé-Aktien notieren gegen halb zehn bei hohen Volumen 1 Prozent tiefer bei 81,55 Franken. Dabei waren die Verluste anfänglich noch deutlich höher (Tagestief bisher 80,30). Die schwergewichtigen Titel beeinträchtigen damit auch den Leitindex SMI, der trotz vieler Gewinneraktien nur leicht über dem Vortagsschluss notiert.

«Semester zum Vergessen»

Am Markt zeigen sich die Akteure in ihren ersten Reaktionen mehrheitlich sehr enttäuscht von der Leistung im ersten Halbjahr. «Ein Semester zum Vergessen» heisst es etwa in einem Kommentar der Bank Vontobel. Alle Schlüsselzahlen seien unter den Erwartungen ausgefallen und zeigten eine Verschlechterung.

Von einem Kaffee, der auch schon besser schmeckte, spricht die ZKB. Nestlé sei die erhoffte Verbesserung beim organischen Wachstum im zweiten Quartal jedenfalls nicht gelungen, weshalb auch die Guidance beim organischen Wachstum leicht gesenkt worden sei (neu: «wahrscheinlich» in der unteren Hälfte von 2 bis 4 Prozent).

Schlechte Entwicklung der Preise

Und auch die UBS übertitelt ihre Ersteinschätzung mit «Nestlé enttäuscht». Enttäuscht habe unter anderem die Entwicklung der Preise. Während Nestlé in Bezug auf die Menge (RIG) sich am oberen Ende der Industrie befinde, sei die Preissetzung enttäuschend ausgefallen.

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Hinter den Erwartungen zurück blieb aber laut der Bank auch die Profitabilität. Höhere Restrukturierungskosten sowie Kostendruck bei den Rohstoffpreisen hätten die positiven Effekte der Effizienzprojekte zunichte gemacht.

Weitere Firmenverkäufe

Nicht wie gewünscht oder erhofft ist es nicht zuletzt in Europa gelaufen. RBC verweist auf das heisse Wetter im Juni sowie die nur selektiv vorgenommenen Preisanpassungen. Ähnlich sieht man das auch bei anderen Banken. Die heutigen Zahlen dürften den Druck auf das Management für strategische Veränderungen signifikant erhöhen, so Baader Helvea.

Auch Vontobel glaubt, dass Nestlé die Investoren überzeugen müsse, dass man fähig sei, das Wachstum zu erhöhen und die Profitabilitäts-Erwartungen zu erfüllen. Der zuständige Analyst spricht von einer gewissen Dringlichkeit und erwartet weitere Firmenverkäufe von Nestlé.

(sda/gku/mbü)

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