Die politischen Turbulenzen in der Europäischen Union lassen russische Staatsanleihen in den Augen von Investoren wie eine sichere Wette aussehen. Für Vermögensverwalter, die den anstehenden Wahlen im Euroraum misstrauisch gegenüberstehen, sind die schlechtesten Beziehungen zum Westen seit dem Kalten Krieg und die Sanktionen, die den grössten Unternehmen Russlands auferlegt wurden, keine Abschreckung. Es ist billiger, russische Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall abzusichern, als italienische Papiere.

Russland profitiert auch von einer breiteren Umschichtung weg von europäischen hin zu Schwellenländerbonds. Börsennotierte Fonds, die Bond-Indizes von Entwicklungsländern abbilden, zogen im Februar 1,3 Milliarden Dollar an Zuflüssen auf sich, während es für europäische Anleihen mit Investmentgrade-Rating Abflüsse gab. Das geht aus Angaben von BlackRock aus der vergangenen Woche hervor.

Fed rückt ins Blickfeld

«Wer im Hinblick auf Europa besorgt ist, für den machen Schwellenländer Sinn», sagt John Roe, Leiter Multi-Asset-Fonds beim britischen Pensionsverwalter Legal & General Group in London. Da die Emission von Anleihen unter den Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine leide, habe Russland einen Knappheits-Faktor, der die Papiere zu einem «Top-Pick» innerhalb der Schwellenländer mache.

Allerdings könnte sich die Stimmung für russische Anleihen eintrüben, wenn die US-Notenbank Federal Reserve auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche einen strikteren geldpolitischen Kurs einschlägt.

Zwar sind Schwellenländer-Investoren weitgehend unbeeindruckt von der Aussicht auf eine US-Zinserhöhung. Aber mögliche Hinweise in Richtung schnellerer weiterer Anhebungen «könnten eine stärkere Korrektur bei Risikoanlagen auslösen», schrieben Analysten von Bank of America Corp. in der vergangenen Woche.

In den USA hatte die Anzahl der neuen Arbeitsplätze im Februar stärker als erwartet zugenommen, was die Argumente für eine straffere Geldpolitik untermauerte. Die Rendite russischer Staatsanleihen mit Fälligkeit im Mai 2026 kletterte in der Vorwoche um 15 Basispunkte auf 4,32 Prozent. Das war der höchste Stand seit der Woche zum 18. November.

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Anleihe im Frühling?

Die relative Ruhe an den russischen Märkten dürfte der Regierung dabei helfen, den geplanten Eurobond aufzulegen. Finanzminister Anton Siluanow hatte erklärt, die Anleihe könnte im Frühling an den Markt kommen. In einer Umfrage von Bloomberg aus dem Februar gingen die 16 Ökonomen davon aus, dass eine Chance von 55 Prozent für eine Emission bis Ende April besteht.

Richard Segal, Credit Analyst bei Manulife Asset Management in London, empfiehlt Anlegern, kommende Auslandsanleihen des Staats zu kaufen, ebenso wie Dollar-Bonds von Unternehmen im Metall- und Bergbausektor. «Russische Eurobonds sind ein relativ sicherer Hafen geworden», sagte Segal kürzlich in einem Interview mit Bloomberg in Moskau.

(bloomberg/chb)