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Anleger zeigen Credit Suisse die kalte Schulter

Tidjane Thiam: Positiver Ausblick auf Sparprogramm. Keystone

Die Credit Suisse hat mehr Gewinn erzielt als erwartet. Experten finden im Quartalsbericht dennoch Grund zur Kritik – die Aktie ist auf Talfahrt.

Veröffentlicht am 03.11.2016

Die Aktien der Credit Suisse liegen am Donnerstag in der Eröffnungsphase stark unter Druck. Die Bank hat vorbörslich ihr Quartalsergebnis präsentiert und dabei einen kleinen Gewinn ausgewiesen und auch über weitere Fortschritte an der Kosten- und Kapitalisierungsfront berichtet. Die vorbörslich gestellten Kurse hatten denn auch auf eine Höherbewertung der Aktie hingedeutet.

In der Eröffnung kam es dann aber ganz anders. Die CS-Aktie gab umgehend nach und fiel im Laufe des Vormittag um fast 6 Prozent auf knapp auf einen Wert von knapp über 12.50 Franken. «Man sollte sich nicht auf kurzfristige Marktreaktionen konzentrieren», sagte CS-Chef Tidjane Thiam in der Medienkonferenz auf die Frage, wie er die Marktreaktion einordne. «Wir sind zuversichtlich, dass die Anleger uns langfristig vertrauen.» Das sei in den letzten Wochen bereits erkennbar gewesen. Die Aktie der Credit Suisse hat seit dem Vorjahr um mehr als 40 Prozent an Wert verloren und kostete zwischenzeitlich weniger als 10 Franken. Im letzten Quartal haben sich die Titel erholt.

Skepsis wie im zweiten Quartal

Die heutige Entwicklung des CS-Aktienkurses erinnert an den Kursverlauf bei der Präsentation Ergebnisse für das zweite Quartal. Ende Juli hatte das Unternehmen überraschend mit einem Gewinn aufgewartet, doch die Marktteilnehmer hatten sich auf andere Punkte konzentriert und die Aktien mit Kursverlusten abgestraft.

Auch heute kommentieren Analysten das Ergebnis durchzogen, aber nicht durchweg unfreundlich. Gewohnt negative Töne schlägt der für Bernstein tätige Bankenanalyst an. Seines Erachtens bleibt das Quartalsergebnis um Sonderfaktoren bereinigt über alle Geschäftsfelder hinweg hinter den Erwartungen zurück. Besonders stösst er sich an der gegenüber dem Vorquartal rückläufigen Bruttomarge im Private Banking. Im Gegenzug begrüsst er die auf der Kostenseite und bei der Eigenkapitalbasis erzielten Fortschritte.

Vontobel findet lobende Worte

Sonst sind die Stimmen zumeist gar nicht so negativ. Bei der Bank Vontobel etwa ist von einem besser als erwartet ausgefallenen Ergebnis die Rede. Geholfen hätten einerseits höhere Handelserträge und andererseits die – um Sonderfaktoren bereinigten – tieferen Kosten, schreibt der Analyst in einem Kommentar. Im Gegenzug stösst er sich etwas am weiterhin vorsichtigen Ausblick. Bei der Zürcher Privatbank erhofft man sich vom diesjährigen Investorentag vom 7. Dezember weitere wichtige Erkenntnisse.

Auch die ZKB spricht in einem ersten Kommentar von einem «insgesamt positiven Ergebnis», wobei vor allem das «gute Kostenmanagement» und der geringer als erwartet ausgefallene Restrukturierungsaufwand als positive Punkte genannt werden.

Angst vor Klagen

Für den Kursdämpfer am Vortag hatten Händler die Angst vor höheren Kosten im Zusammenhang mit der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten (Zinsmanipulationsskandal in den USA) verantwortlich gemacht. Diese Angst hatte am Mittwoch allerdings dem gesamten europäischen Bankensektor zugesetzt.

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam zu den Quartalsergebnissen und wie er auf die anstehenden US-Wahlen, das Referendum in Italien sowie die kommenden Wahlen in Frankreich und Deutschland schaut:

(awp/mbü/chb/me)

 

 

 
 
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