Es gehörte zu den paradoxen Facetten der Lehman-Pleite, das s Anleger damals ausgerechnet vermeintlich sichere Kapitalschutzprodukte gekauft hatten - und dann aufgrund des Ausfalls der Emittentin Lehman einen Anteil ihrer Position abschreiben mussten. Aber auch so kann der Wert eines Kapitalschutzprodukts schwanken. Denn der Kapitalschutz bezieht sich lediglich auf den rückzahlbaren Betrag nach Laufzeitende. Während der Laufzeit kann auch ein solches Produkt temporär unter den Einstandspreis fallen - so, wie beispielsweise Obligationen eines Emittenten aufgrund einer Zinserhöhung an Kurswert einbüssen.

Im gleichen Topf wie Anleihen

Ähnlich wie Obligationen wird auch die niedrige Performance von Garantieprodukten durch einen Coupon versüsst, und beide Obligationen wie Retailderivate werden in einem Pleitefall des Emittenten und einer anschliessenden Liquidierung in den gleichen Entschädigungstopf kommen. Und nochmals ähnlich wie wie Obligationen werden Garantieprodukte während der Laufzeit selten gehandelt. In die Handelsstatistiken rücken Garantieprodukte mit einem Dutzend Abschlüssen pro Tag weit nach oben.

Die Produkte werden dabei typischerweise in die Varianten mit Coupon und ohne (thesaurierend) und mit voller Garantie (Rückzahlung zu 100%) oder mit Rückzahlungen in einer Spanne zwischen 60 und 175% gegliedert. Je weniger Kapital garantiert wird, desto höher ist oft der Coupon und desto besser die Partizipation an der Performance des Basiswertes.

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Auch aus der Sicht eines Emittenten sind Garantieprodukte mit Obligationen vergleichbar: Die Bank bekommt Geld für einen festen Zeitraum und zahlt einen Coupon. Ein einfaches Vergleichsbeispiel ist ZKB783, ein von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) begebenes und derzeit vergleichsweise rege gehandeltes Produkt auf den SMI mit Verfall im Mai 2012. Je nach Wertentwicklung des SMI beträgt dort der maximale jährliche Zins zwischen 1,4 und 4%, er entspricht dabei 50% der positiven Performance des SMI. Aktuell notiert das Produkt bei 106,5%, weil Mitte Mai der Zins fällig wird und sich Anleger aufgrund der Performance des SMI in den letzten zwölf Monaten auf die Maximalauszahlung von 4% einstellen dürfen. An der Finanzkrise sind die Käufer, die vor knapp drei Jahren zugegriffen hatten, mit diesem und den vergleichbaren Produkten anderer Anbieter elegant vorbeigekommen.

Nur noch Minirenditen

Auch wenn jetzt zwei magere Jahre folgen sollten, fahren die Käufer dieses Produktes mit ihrer Minimalrendite von 1,4% besser als die Obligationäre mit ZKB-Papieren von vergleichbarer Restlaufzeit. Für diese werden noch Renditen per Verfall zwischen 0,4 und 0,6% bezahlt - alleine die Transaktionsspesen können diese Minirenditen auf null reduzieren.

Etwas höhere Renditen bieten die kommerziellen Geschäftsbanken wie UBS oder Goldman Sachs. Hier sind die Renditen aber auch die Entschädigung für ein mögliches Pleiterisiko. Dass die Anbieter seit Lehman hinzugelernt haben, zeigen die pfandbesicherten Produkte, die mit dem Zusatz «Cosi» versehen sind.

Das SMI-Kapitalschutzprodukt EFHAT machte in den letzten Tagen keine Kursbewegungen, die auf eine Nervosität der Anleger aufgrund der Wurzeln und finanziellen Verflechtungen der Emittentin EFG mit Griechenland hindeuten lassen. Diese Konstruktionen bieten bei vertretbaren, in das Produkt «integrierten» Kosten einen zusätzlichen Schutz. Denn niemand weiss schliesslich, was bis zum Verfall im März 2014 noch alles passieren kann.