Am Schweizer Obligationenmarkt sieht es nach besseren Zeiten aus. Bei Anleihen von Schweizer Unternehmen können gute Renditen erzielt werden. So rentiert beispielsweise die Anleihe 3% 2015 von Holcim mit 4,07%, der entsprechende Referenzzinssatz (7-Jahre-Swapsatz) lag bei 3,12%. Die Experten von Independent Credit View (ICV) sind dennoch skeptisch, ob sich der Kauf schweizerischer Industrieunternehmen lohnt. Ein wesentlicher Grund ist, dass sich die Credit Spreads im europäischen Markt stark ausgeweitet haben. Daniel Pfister, Partner von ICV und Analyst, weist darauf hin, dass beispielsweise die fünfjährigen CDS für Holcim in der vergangenen Woche von 90 auf 150 Basispunkte gestiegen sind. «Die Verspannungen im CDS-Markt sollten ernst genommen werden, denn schliesslich sind den Problemen im US-Hypothekarmarkt auch Turbulenzen im CDS-Markt vorausgegangen», sagt Pfister.

Franken-Papiere geben nach

Zudem sind die in Franken denominierten Obligationen relativ zu den in Euro denominierten teuer geworden. Pfister rechnet damit, dass die Anleihen in Franken die Bewegung der Obligationen in Euro nachvollziehen, dass sie also schwächer werden. Er ist deshalb gegenüber Franken-Obligationen vorsichtig. «Grundsätzlich dürften sich die Credit Spreads noch stärker ausweiten. Darauf weist der von uns entwickelte Spread-Indikator hin», analysiert Pfister. Als Gründe gibt er die schwächere Konjunktur, die zunehmende Tendenz zur Kreditrationierung sowie die Erwartung von höheren Kreditausfällen an.

Auch John Feigl, Head Swiss Credit Research bei der Credit Suisse, ist vorsichtig: «Grundsätzlich hat die Mehrzahl der Schweizer Unternehmen gute Kosteneinsparungen erzielt. Allerdings hinterlassen der wachsende Wettbewerb und die steigenden Rohstoffpreise zusehends ihre Spuren», kommentiert er die Lage. Es zeichnet sich immer stärker ab, dass nur noch die besten Unternehmen die gestiegenen Input-Kosten an die Kunden weitergeben können. Ein solches ist für Feigl Sika. Aber «bei schwächeren Unternehmen kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Kostenbasis ist mittlerweile kaum mehr oder nur mit erheblichen Investitionen zu reduzieren», gibt Feigl zu bedenken. Es wurde also schon viel, oder zumindest so gut wie möglich, gespart. Zu dieser Gruppe zählt Feigl Unternehmen wie Ciba oder Clariant.

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Vorsicht bei Ciba und Clariant

Ein weiteres Problem sind die Aktienrückkaufprogramme und die hohen oder gar steigenden Dividendenausschüttungen. «Das kann unter Umständen an der Unternehmenssubstanz nagen, sollten die Zeiten einmal härter werden», stellt Feigl fest. Er warnt allerdings vor undifferenzierter Schwarzmalerei. «Im Falle einer Rezession dürfen nicht alle zyklischen Unternehmen über den gleichen Kamm gebürstet werden», differenziert Feigl. So hätten beispielsweise Georg Fischer und Rieter solide Reserven aufgebaut. Vorsicht sei jedoch bei Ciba und Clariant angezeigt. Und «grundsätzlich ist bei Unternehmensanleihen mit langen Laufzeiten, das heisst über 2014 hinausgehend, Zurückhaltung angezeigt», fasst Feigl zusammen.

Sehr stark wird die Qualität der Schweizer Unternehmensanleihen auch von der weltweiten Konjunktur abhängen. Und da trüben sich die Aussichten zusehends ein. «Ein Blick in die Schweizer Exportstatistik zeigt, dass das Abflauen der weltweiten Konjunkturdynamik bereits in der Schweiz angekommen ist», schreibt die Credit Suisse. Diese Situation wird durch den Anstieg des handelsgewichteten Frankens verschärft. Kommt dazu, dass je grösser die Turbulenzen im Finanzsystem werden, desto stärker die Wahrscheinlichkeit, dass die Unternehmen auf höhere Hürden bei der Aufnahme von neuem Kapital oder der Refinanzierung von bestehenden Verbindlichkeiten stossen.