Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die Pleite der Bank Lehman Brothers im Speziellen haben dem schweizerischen Derivatemarkt in den letzten zwei Jahren hart zugesetzt. Das Handelsvolumen bei Hebelprodukten war teilweise um 80% gefallen, die bei Anlageprodukten geparkten Gelder reduzierten sich erstmals überhaupt in der jüngeren Geschichte strukturierter Produkte.

Absicherung mit Index-Puts

Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert - und so wie mit dem Essen der Appetit kommt, so lenken Derivateanleger ihre Gelder zunehmend riskanter an. Gut sichtbar ist der höhere Risikoappetit bei vielen Produktekategorien: • Bei Hebelprodukten überwiegen wieder die Call-Warrants auf Einzelwerte. In den letzten Tagen waren ROGKS und ROGJH auf Roche- Genussscheine, RUKJS auf Swiss Re und NESKO auf Nestlé-Aktien die am meisten gehandelten Hebelprodukte. Mini-Futures auf den SMI wie MSMIO oder MSMIA sowie auf den DAX wie MDAXF oder MDAXC weisen derzeit tiefere Umsätze auf als die Einzelaktien-Warrants. Während der Marktturbulenzen hatte sich der dünne Handel bei Hebelprodukten auf Index-Calls und -Puts sowie Mini Futures konzentriert, weil der Index alleine schon sehr volatil war. Dass die drei Puts SMIFN, SMIPP und SMIKL gegenwärtig besonders rege gehandelt werden, passt ins Bild: Über Index-Puts sichern sich Anleger ab, wenn sie SMI-Einzelwerte kaufen. Und auch beim sehr lang laufenden Call SMIVO, der im Juni 2012 verfällt, gab es einigen Umsatz.

Bei den Trackerprodukten sind die von Vontobel begebenen drei Money-Market-Notes VXEUD, VXCHD und VXUSD weiterhin sehr beliebt. Diese drei Preistracker basieren auf den Sechsmonatsswapsätzen des Euro, des Franken und des Dollars. Erst mit einigem Abstand kommen bei Preistrackern Themenprodukte wie IMMIT auf den SWX-Immobilienfondsindex oder Commodity-Produkte wie TNGCI auf einen Erdgasindex, SLVOE auf den Silberpreis und GSCAA auf Rohöl. Mit BVSOP ist auch ein Produkt auf den brasilianischen Bovespa-Aktienindex vertreten.

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Bei den Renditeoptimierungsprodukten sind zwar Discount-Strukturen wie DUBSD und DUBSF, beide auf UBS, beliebt, aber mit AUTOS auf drei deutsche Automobilwerte oder NRCMB auf die Credit Suisse, Nestlé und Roche sind die Multi-Asset-Produkte wieder zurück. Diese Produktekategorie hatte in den letzten zwölf Monaten stark gelitten, weil Anleger bei vielen gekauften Produkten, insbesondere der «Worst-of»-Variante, viel Geld verloren hatten. Mit VON9OU und VON9KA sind auch zwei Reverse Convertibles vertreten, die auf Basiswert Rambus, einem Computerchiphersteller, basieren. Und mit VON9LX sowie VON9LW sind auch zwei Reverse Convertibles auf die russischen Energiekonzerne Lukoil und Gazprom bei den meistgehandelten Produkten der letzten Tage vertreten.

Ruhig ist es dagegen bei Kapitalschutzprodukten geworden. Bei diesen weniger gehandelten, oft bis Verfall gehaltenen Produkten wird der Anlagebetrag typischerweise zu 90 bis 100% geschützt. Das geht dann allerdings auf Kosten der Höhe der Coupons. Hier dominieren gegenwärtig Zinsprodukte wie FLUSD auf den 3-Monats-US- Liborzins und FLOOR auf den 3-Monats-Euribor.