Die Apple-Fangemeinde wird sich an eine MacWorld-Konferenz ohne den CEO Steve Jobs gewöhnen müssen. Wenn am Dienstagabend, 6. Januar 2009, neue Produkte präsentiert werden, wird ein gewisser Philip Schiller, Senior Vice President des weltweiten Produkte-marketings, die Rolle von Jobs übernehmen.

Ben Reitzes, Analyst bei Barclays Capital, macht sich aber nicht nur Sorgen um den Gesundheitszustand von Jobs. Reitzes rechnet auch nicht mit wirklich neuen Produktankündigungen, die Jobs seinen Fans jeweils selber vorstellte. Lediglich Erweiterungen bei der Desktop-Familie, eventuell ein 32GB-iPhone und einige neue Features beim Apple-Store sind zu erwarten.

Aktie krankt mit Steve Jobs

Damit dürfte sich auch der Effekt auf die Aktien- und Derivatekurse in engen Grenzen halten. Am Tag nach der Absage von Jobs rutschte die Apple-Aktie um 7% ab. Im Vorjahr war die Aktie nach den neuen, von Jobs vorgestellten Produkten um 7% nach oben geschnellt, der bescheidene Ausblick auf das folgende Geschäftsquartal drückte den Kurs dann zehn Tage später wieder nach unten.

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Erst im Sommer 2009 seien neue iPhone-Modelle für das untere Preissegment zu erwarten, mit denen Apple auch den Prepaid-Kundenmarkt erreichen kann, sagt Reitzes. Im Juni soll das neue Betriebssystem unter der Codebezeichnung «SnowLeopard» präsentiert werden, das die Leistung der Mehrkern-Prozessoren besser nutzt und unter anderem das in Firmen weit verbreitete Microsoft-Exchange-E-Mailprogramm gut unterstützt. Und erst im darauf folgenden Fiskaljahr - Apple schliesst die Bücher Ende September - dürfte ein kleines Netbook-ähnliches Gerät vorgestellt werden, welches die Lücke zwischen den iPhones und den MacBook-Notebooks schliessen soll.

Absicherung gegen bad news

Ohne neue Meilensteine - Jobs hat diesbezüglich die Latte in den letzten Jahren mit iPods und iPhones sehr hoch gelegt - gibt es kaum Katalysatoren für die Kurse der Aktie sowie der Derivate. Massgeblich sind deshalb das operative Geschäft und die Verkaufszahlen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 auf der Basis der aktuellen Gewinnschätzung ist die Aktie anfällig für schlechte Nachrichten. Die kommen jetzt von den Marktforschern von NPD aus den USA. Um 16% brach der iPod-Absatz ein, nachdem diese MP3-Player bereits im Oktober einen Verkaufsrückgang um 20% gesehen hatten. Die aktuellen Zielkurse der Analysten liegen bei 100 bis 130 Dollar.

Bei den beiden Barrier Reverse Convertibles REVLV und VON8SQ sind die Barrieren noch intakt. Letzterer ist relativ defensiv, die Barriere bei 49 Dollar liegt gut 45% unter dem aktuellen Kursniveau.

Die beiden Puts AAPLQ und AAPPU, beide mit Ausübungspreisen von 120 Dollar, waren in den letzten Tagen die Umsatzspitzenreiter. Anleger sichern sich offenbar gegen weitere schlechte Nachrichten aus der Chefetage oder von der Verkaufsfront ab.