HANS-PETER ZEHNDER. Die Baukonjunktur läuft rund, doch die Zehnder-Gruppe stagniert. Weshalb?

Hans-Peter Zehnder:

Die Baukonjunktur in den Absatzmärkten entwickelt sich sehr unterschiedlich. In Frankreich, unserem grössten Markt, wächst sie nur schwach. Dort gehen die Verkäufe der Warmwasserheizkörper stark zurück, während der Absatz elektrischer Heizkörper aufgrund der Initiativen seitens der Stromindustrie leicht zunimmt. Per Saldo ergibt sich so ein ausgeglichenes Bild.

Wie sieht es in den anderen Märkten aus?

Zehnder: In Deutschland hatten wir Anfang 2007 viele Aufträge, die wegen der Eigenheimzulage und der Mehrwertsteuererhöhung noch im letzten Jahr eingegangen sind. Ab dem 2. Quartal 2007 haben wir im Wohnungsbau einen dramatischen Einbruch erlebt. Insgesamt sind die Baugenehmigungen im 1. Halbjahr um gut 40% zurückgegangen. Im rückläufigen Markt Italien haben letztes Jahr die Händler ihre Lager an Heizkörpern gefüllt, da sie steigende Aluminiumpreise erwarteten. Ein Abbau der Lager findet langsam statt und dauert einige Quartale.

Und in der Schweiz?

Zehnder: Auch hier hat sich die Baukonjunktur im 2. Quartal deutlich abgekühlt. Hinzu kommt, dass weniger Heizungen benötigt werden, weil die Häuser besser isoliert sind. Dafür profitieren wir vom Trend zu energiesparenden Haustechniklösungen: Indem die Gebäudehüllen dichter werden, fehlt der natürliche Luftaustausch. Mit unseren Lüftungssystemen gewährleisten wir diesen Austausch und gewinnen zudem Wärme zurück. Den Verlust aus dem Heizungsgeschäft können wir damit mehr als kompensieren.

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Wo sehen Sie weitere Wachstumschancen?

Zehnder: Das grösste Wachstum erzielen wir in ganz Europa bei den Komfortlüftungen, wo wir gegenwärtig zwischen 10 und 20% zulegen. Bei den Heizkörpern wachsen wir in Osteuropa und England, wobei es in Grossbritannien Anzeichen einer Abkühlung gibt. Alles in allem stagniert dieser Sektor.

Mit welchem Resultat rechnen Sie im laufenden Geschäftsjahr?

Zehnder: Ein Umsatzplus von 6 bis 8% ist aus heutiger Sicht nicht unwahrscheinlich. Dieses setzt sich zusammen aus einem Wachstum bei den Lüftungen und einem Rückgang bei den Heizungen in den Hauptmärkten. Zudem profitieren wir dieses Jahr durch den Kauf von Bisque, Hydro Air und Freshman von einem Akquisitionseffekt. Beim Reingewinn haben wir eine Zunahme parallel zur Umsatzentwicklung kommuniziert.

Und darüber hinaus?

Zehnder: In den nächsten zwei Jahren gehe ich nicht von einer Erholung der Baukonjunktur in unseren Hauptmärkten aus, insbesondere im Segment der Heizkörper. Bei den Lüftungen bin ich ziemlich optimistisch, dass wir vom Energiespartrend profitieren werden.

Können Sie etwas zum aktuellen Auftragsbestand sagen?

Zehnder: Wir messen ihn nicht, da wir bei Aufträgen über eine sehr kurze Vorlaufszeit von zwei bis drei Wochen verfügen. Zudem versuchen die Käufer, besonders wenn die Auslastung bei den Produzenten nicht optimal ist, durch die spätere Vergabe der Aufträge einen Zusatzrabatt zu erzielen.

Wie planen Sie demnach die Produktion?

Zehnder: Das ist nicht einfach, da wir nicht wissen, wie der Auftragseingang im November ausfallen wird. Wir können den Trend abschätzen, doch kann sich das Bild in wenigen Wochen ändern.

Welchen Einfluss haben die steigenden Materialkosten auf den Geschäftsgang?

Zehnder: Auf das Jahr 2007 haben sich der Stahl und die energiegebundenen Materialien erneut verteuert. Diese Preiserhöhungen konnten wir nur teilweise an die Kunden weitergeben. Hier hat uns die generelle Konjunkturabkühlung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da sich die Hersteller die Aufträge trotz schlechteren Margen sichern wollen, werden zum Teil mehrere Abgebotsrunden durchgeführt.

Wann ist eine Preiserhöhung möglich?

Zehnder: Da alle Anbieter in derselben Situation sind und über dieselben Beschaffungskanäle verfügen, ist eine Preisanpassung möglich sie dauert aber ihre Zeit.

Wie sichern Sie sich gegen Stahlpreiserhöhungen ab?

Zehnder: Wir versuchen, den Jahresbedarf an Stahl im 4. Quartal für das kommende Jahr abzusichern, indem wir Fixkontrakte vereinbaren. Börsennotierte Metalle wie beispielsweise Aluminium sind grösseren Schwankungen ausgesetzt, da nicht nur die industrielle Nachfrage, sondern auch Spekulationen den Preis beeinflussen. Entsprechend versuchen wir gestaffelt einzukaufen und die Volatilität für uns zu nutzen.

Eine finanzielle Absicherung gibt es nicht?

Zehnder: Diese Methode haben wir während ein paar Jahren angewandt, sind aber davon abgekommen. Heute verlassen wir uns auf systematische Marktkontakte, Vergangenheitswerte und das Bauchgefühl.

Wieweit sind Sie mit den Innovationen, die das Semesterergebnis 2007 belasteten?

Zehnder: Wir hatten im 1. Halbjahr eine Häufung von Projekten, primär im Lüftungsbereich, was sich negativ auf das Resultat ausgewirkt hat. Der grösste Teil dieser Neuentwicklungen ist nun abgeschlossen. Im 2. Halbjahr sollte sich die Situation wieder normalisieren.

Was erwarten Sie von den Innovationen?

Zehnder: Dass sie am Markt gut ankommen. Es ist aber noch Überzeugungsarbeit nötig, bis die Produkte gekauft werden. Zum Teil vertreiben sie unsere Kunden unter ihrem eigenen Namen. Bis diese das neue Produkt geschult, akzeptiert und lanciert haben, dauert es seine Zeit.

Zehnder verfügt über genügend Reserven für Akquisitionen. Ist ein Zukauf geplant?

Zehnder: Wir prüfen einige Projekte in unterschiedlichen Stadien vom ersten Kontakt bis zur fortgeschrittenen Prüfung. Wir stellen fest, dass industrielle Firmen bei Akquisitionen in Konkurrenz zu Finanzinvestoren stehen, die über einen anderen Horizont verfügen. Es besteht ein grosser Bewertungsunterschied.

Schwebt Ihnen dabei ein konkretes Akquisitionsobjekt vor?

Zehnder: Wir arbeiten an zwei bis drei Akquisitionen.

Worum handelt es sich?

Zehnder: Bis zum Abschluss der Verhandlungen kann ich dazu nichts sagen. Die möglichen Akquisitionen könnten wir aber mit den vorhandenen Mitteln stemmen und müssten in der Folge keine Kapitalmarkttransaktion in Angriff nehmen.

Wie nahe steht Zehnder eigentlich zum Schweizer Heizungsproduzenten Arbonia?

Zehnder: Sehr nahe im täglichen Kampf um die gleichen Objekte.

Diesen Kampf könnte man sich durch einen Zusammenschluss ersparen.

Zehnder: Ich habe mich mit diesem Gedanken bisher nicht beschäftigt. Für eine solche Transaktion bräuchte es zwei Partner, welche dieselben Interessen verfolgen und den gleichen Willen haben. Zudem müssten wir auch mit wettbewerbsrechtlichen Auflagen rechnen. Drittens hilft uns die Konkurrenz, unsere eigene Leistungsfähigkeit zu steigern.

Ist eine Veränderung im Aktionariat von Zehnder vorgesehen?

Zehnder: Die Familie und der Aktionärspool stehen 100% hinter der Firma. Sie haben den grössten Teil ihres Vermögens im Unternehmen investiert. Daran wird sich nichts ändern.

Wird es eine Einheitsaktie geben?

Zehnder: Nein.

Der Trend an der Börse geht aber dorthin.

Zehnder: Es ist klar, dass eine Stimmrechtsaktie ein Privileg ist. Dadurch können wir unsere Unabhängigkeit wahren und sind nicht stark auf kurzfristige Überlegungen angewiesen. Zudem hatten wir diese Struktur schon beim Börsengang.

Name:

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Familie:

1974–1981:

1981–1984:

Seit 1985:

Seit 1993:

Heizung und Lüftung

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