Die Immobilienkrise in den USA dominiert die Diskussionen um den Konjunkturausblick auch in der Schweiz. Von den Auswirkungen auf die Ergebnisse der international tätigen Finanzdienstleister einmal abgesehen, dürfte das Subprime-Debakel hierzulande jedoch kaum Spuren in den gesamtwirtschaftlichen Zahlen hinterlassen. Heute werden sämtliche Hinweise, nach denen vorlaufende Indikatoren wie beispielsweise jener der Konjunkturforschungsstelle der ETH (Kof) an Schwung verlieren, als erste realwirtschaftliche Folgen der Finanzkrise gedeutet. Dabei geht vergessen, dass die sich abzeichnende Verlangsamung notwendig ist, um vor unliebsamen inflationären Entwicklungen gefeit zu sein. Sie ist mithin auch das Ergebnis der richtigen geldpolitischen Weichenstellungen durch die Schweizerische Nationalbank.

Robuster Arbeitsmarkt

Die jüngste Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zur Konsumentenstimmung zeichnet ein interessantes Bild: Wohl wissen die antwortenden Privathaushalte um die Risiken einer sich eintrübenden weltwirtschaftlichen Lage. Nach den Aussichten für ihre persönlichen Finanzen befragt, zeigen sie sich aber so zuversichtlich wie nie seit April 2002. Sie tun dies mit gutem Grund, denn neben der robusten Verfassung des Arbeitsmarkts findet das verfügbare Einkommen der Konsumenten 2008 auch von nahezu unveränderten Krankenkassenprämien und vielerorts zu erwartenden Steuersenkungen Unterstützung. Ein getreues Bild der Verfassung des Industriesektors zeichnet der SVME-Einkaufsmanagerindex, der sich zuletzt im Vormonatsvergleich zweimal in Folge verbessert hat. Für diesen Sektor, wie auch für den Tourismus, zahlen sich die Offensiven zur Erschliessung neuer Exportmärkte auch im kommenden Jahr aus. Der frühe Start in die Saison und der starke Euro führen zu rekordhohen Buchungen in den Wintersportorten. Als grosse Unbekannte bleibt somit die Verfassung der Banken. Es ist bemerkenswert, dass gemäss Umfrage der Kof die Schweizer Banken die Nachfrage ihrer inländischen Kunden weiterhin als erfreulich beurteilen. Allerdings gilt festzustellen, dass die Finanzmärkte weiterhin verletzungsanfällig bleiben und dass die derzeit plausibelsten Risikoszenarien eine Kreditklemme zum Ausgangspunkt nehmen.

Geringer Teuerungsdruck

Die Erwartung von Swiss Life Asset Management zur mittleren Jahresveränderungsrate des Bruttoinlandprodukts (BIP) für 2008 liegt bei 2,2%. Das Tempo zwischen den Quartalen verlangsamt sich auf 0,5% nach 0,7% im Durchschnitt über das zu Ende gehende Jahr. Es bleibt die Frage, ob wir 2008 angesichts der zuletzt höheren Jahresteuerung statt der aktuellen Wachstumssorgen nicht eher über steigende Inflationsrisiken diskutieren werden. Der Anstieg der Preise für Heizöl und Treibstoffe erklärt weitgehend den Sprung der Jahresteuerung auf 1,8%. Dieses Mass wird als Folge der Preiserhöhungen für Milch und Brot im 1. Quartal 2008 auf 2% klettern, um sich dann bis Dezember wieder auf rund 1% abzuschwächen.

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