Auch in der scheinbar beständigen Welt der Obligationen droht kaum ein Stein auf dem anderen zu bleiben. Die Emissionen von heute als gut geltenden Schuldnern können sich angesichts der unberechenbaren Situation an den Finanzmärkten im Handumdrehen zu Schrott-Anleihen wandeln, wie der Kurszerfall vieler Bonds aus den Emerging Markets beweist. Bond-Picking sollte daher einen grösseren Stellenwert bei Anlageentscheiden einnehmen. Die Qualität der Anleihenschuldner muss genau geprüft werden.

Agency Bonds werden empfohlen

Zu den sicheren Werten gehören laut Marco Huwiler, Anlagestratege von Clariden Leu, in erster Linie Staatsobligationen aus jenen Industrienationen, bei denen kein Staatsbankrott zu befürchten ist. Die allenthalben geäusserten Warnungen vor grösseren Kursverlusten als Folge eines Überangebots an neuen Staatsanleihen empfindet Huwiler als übertrieben. Die meisten Industrieländer stehen laut dem Banker vor einer mehr oder weniger tiefen Rezession. Zudem sei weder ein Ende der Finanzkrise noch eine nachhaltige Erholung der Aktienmärkte absehbar. In diesem Umfeld würden die Anleger Risiken meiden, und die Nachfrage nach sicheren Staatspapieren werde kräftig bleiben.

Auch die Anleihen vieler staatsnaher Emittenten – so genannte Agency-Bonds – sieht Marco Huwiler als sicheres Investment. Das Risiko etwa bei Emissionen der Europäischen Investitionsbank (EIB) sei sehr breit diversifiziert, da im Extremfall alle Länder der Europäischen Union als Garanten einspringen. «Aus Renditesicht könnten Anleihen von staatsnahen Emittenten die bessere Wahl sein als Staatsobligationen», sagt gar Rolf Biland, Chief Investment Officer vom Vermögenszentrum. Agency Bonds hätten keinen Run wie Staatsanleihen erfahren, bieten aber fast dieselbe Qualität. Die Anleihen von staatsnahen Emittenten würden jedoch nur um wenige Basispunkte besser rentieren.

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Der einst tadellose Ruf von europäischen Pfandbriefen – so genannten Covered Bonds – hat unter der Immobilienkrise gelitten. «In Grossbritannien, Irland oder Spanien hat sich die Lage auf den Immobilienmärkten zugespitzt», sagt Biland. Covered Bonds aus diesen Ländern seien daher mit grossen Risiken verbunden. Pfandbriefe etwa aus dem deutschsprachigen Raum hält Biland aber nach wie vor für sehr sichere Investments. Die pauschale Rufschädigung der Covered Bonds sei daher nur bedingt berechtigt.

Pfandbriefe unterliegen im deutschsprachigen Raum strengen Regulierungen, die Hypotheken bleiben – anders als bei den meis-ten verbrieften US-Hypotheken – in den Bilanzen der Emittenten und es hat sich keine Immobilienblase gebildet. Aber selbst dies hatte nicht verhindern können, dass sich auch in Deutschland die Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen inzwischen stark ausdehnten. Anleger hatten angesichts ins Straucheln geratener Covered-Bond-Emittenten wie der deutschen Hypo Real Estate alle Euro-Pfandbriefe in Sippenhaft genommen. Dieser konnten sich Schweizer Pfandbriefe bisher entziehen, die Risikoprämien gegenüber vergleichbaren Eidgenossen sind sehr gering. Etwa bei einer Emission der Pfandbriefzentrale der Schweizerischen Kantonalbanken mit Laufzeit bis 2018 ergibt sich eine Rendite auf Verfall von 3,2%. Bei Eidgenossen mit gleich langer Restlaufzeit beträgt sie 2,6%.

Firmenanleihen haben in den letzten Monaten einen starken Kurszerfall erlitten. «Viel zu tief», meinen einige Schnäppchenjäger und raten nun zum Einstieg. «Der Discount bei vielen Corporate Bonds ist tatsächlich tiefer als angebracht wäre», sagt Biland. Allerdings könne man gegenwärtig nicht wissen, wohin uns die Finanzkrise noch führt. Deshalb rät der Experte bei Firmenanleihen zu äusserster Vorsicht.